Bluthochdruck bei Kindern

Bluthochdruck – (k)ein Thema bei Kindern und Jugendlichen

Das Thema Bluthochdruck spielt auch im Kindesalter eine immer größere Rolle. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zunehmend mehr Kinder und Jugendlichen erhöhte Blutdruckwerte haben. Insbesondere übergewichtige Kinder und Jugendliche haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Bluthochdruck.

Was sollten Eltern zu diesem Thema wissen?

Warum Blutdruck auch schon bei Kindern regelmäßig kontrollieren?

Da Bluthochdruck meist keine Beschwerden macht, spüren Betroffene in der Regel nicht, dass sie einen erhöhten Blutdruck haben. Bluthochdruck kann daher nur durch Blutdruckmessungen diagnostiziert werden. Kinder und Jugendliche mit einem zu hohen Blutdruck haben oft auch im weiteren Lebensverlauf hohe Blutdruckwerte und da die Dauer der Hochdruckerkrankung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von späteren Herzkreislauferkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenschäden) spielt, ist es wichtig, erhöhte Blutdruckwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Eine Blutdruckmessung ist derzeit nicht Bestandteil der meisten Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen), es wird aber von der European Society of Hypertension empfohlen, den Blutdruck ab dem 3. Lebensjahr regelmäßig im Rahmen der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen zu messen. Dies ist vor allem bei Kindern mit Übergewicht und bei Kindern, deren Eltern einen Bluthochdruck haben wichtig. Außerdem gibt es Risikogruppen, bei denen der Blutdruck regelmäßig und auch schon vor dem 3. Lebensjahr überwacht werden sollte. Dazu gehören vor allem:

  • Frühgeborene, die nach Geburt intensivmedizinisch behandelt werden mussten
  • Kinder mit angeborene Herz- oder Nierenerkrankungen,
  • Kinder, die mit Medikamenten behandelt werden, die den Blutdruck beeinflussen können

Bitte sprechen Sie ggf. ihren Kinderarzt auf Blutdruckkontrollen bei Ihrem Kind an.

Welche Geräte sind für die Messungen bei Kindern geeignet?

Wichtig ist, dass das Blutdruckmessgerät über eine für den Oberarm des Kindes passende Manschette verfügt und für Kinder getestet wurde. Schauen Sie daher bitte in der Bedienungsanleitung Ihres Blutdruckmessgerätes nach für welche Altersgruppen das Gerät zugelassen wurde.

Die Oberarmmanschette sollte zum Oberarmumfang passen. Das bedeutet, dass die Luftkammer in der Manschette etwa 80% bis 100% des Oberarmumfangs abdecken sollte. Hier sind auch die oft in den Manschetten angebrachten Markierungen hilfreich.

Vollautomatische, oszillometrische Geräte mit einer Manschettengröße für einen Oberarmumfang von 17–24 cm sind normalerweise für Kinder ab dem fünften Lebensjahr geeignet. Bei älteren Kindern kann bei einem Oberarmumfang >24 cm mit einer Erwachsenenmanschette gemessen werden. Bei älteren, übergewichtigen Kindern wird eventuell auch eine große Erwachsenenmanschette benötigt (Oberarmumfang > 32 cm). Bei kleineren Kindern muss der Kinderarzt die Messung mit einem speziell für Säuglinge und Kleinkinder geeignetem Gerät oder auskultatorisch, das heißt mit dem Stethoskop, durchführen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu geeigneten Geräten.

Wie sollte der Blutdruck gemessen werden?

Die Blutdruckmessung sollte in Ruhe und im Sitzen, bei Säuglingen im Liegen, durchgeführt werden.

1. Die Messung sollte erst nach einer mindestens 5 minütigen Ruhephase begonnen werden..

2. Während der Messung sollte das Kind ruhig sein und Arm und Hand nicht bewegen. Beide Füße sollten auf dem Boden stehen, der Rücken an die Stuhllehne anlehnt. Während der Messung sollte nicht gesprochen werden.

3. Der Blutdruck sollte 3 mal nach jeweils etwa 1 bis 2 min Wartezeit gemessen werden und der Mittelwert aus 2. und 3. Messung als Blutdruckwert notiert werden.

4. Aufregung, aber auch Koffein in Energy-Drinks, Kaffee oder Tee kann die Blutdruckwerte beeinflussen.

5. Bitte nur die vom Hersteller empfohlenen Manschetten verwenden.

6. Die Manschette sollte nicht zu locker oder zu fest am Oberarm, zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge angelegt werden. Bitte beachten Sie auch die Herstellerhinweise Ihres Blutdruckmessgerätes zur Blutdruckmessung und zur Positionierung der Manschette.

7. Bei einer falschen Manschettengröße oder bei Messungen über dicker Kleidung können die Messergebnisse verfälscht werden. Auch Hochschieben der Kleidung kann zu einem Blutstau und dadurch zu Messfehlern führen, die Manschette kann aber problemlos über einem dünnen Hemd oder einem T-Shirt angelegt werden.

8. Für jüngere Kindern wird die Messung mit einem Handgelenksmessgerät nicht empfohlen. Bei Jugendlichen sollte – wie auch bei Erwachsenen – darauf geachtet werden, dass das Gerät am Messarm auf Herzhöhe gehalten wird, da sonst die Werte verfälscht werden.

9. Verwenden Sie ein validiertes Gerät mit einem Prüfsiegel der DHL®, welches Ihnen korrekte Messwerte liefert.

Tipp: Zeigen Sie Ihrem Kind spielerisch, wie man den Blutdruck misst. Lassen Sie ihr Kind die automatische Messung starten. Lassen Sie sich Ihren Blutdruck von Ihrem Kind messen.

Wann sind die Werte erhöht?

Bei Jugendlichen ab dem 16. Lebensjahr sollte der zu Hause gemessene Blutdruck im Schnitt unter 135/ 85 mmHg, in der Arztpraxis unter 140/90 mmHg liegen. Diese Grenzwerte sind die gleichen wie bei Erwachsenen und wurden über Studien zum kardiovaskulären Risiko bestimmt.

Für Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr gelten andere Grenzwerte als für Erwachsene. Die Blutdruckgrenzen sind bei Kindern und Jugendlichen abhängig vom Geschlecht, dem Lebensalter und der Körpergröße. Daher lassen sich keine absoluten Referenzwerte festlegen. Wie bei der Körperlänge gibt es auch für den Blutdruck Perzentilenkurven, die den Normbereich definieren. Als unauffällig wurden Werte unterhalb der 95. Perzentile festgelegt. Blutdruckwerte über dieser Grenze gelten als auffällig.

Die Perzentile kann leicht mit einem Blutdruckrechner bestimmt werden, z.B. unter www.pedz.de/de/pedz/bp.html (dabei Option „KIGGS Daten bevorzugen“ auswählen) oder sprechen Sie mit ihrem Kinderarzt, der die gemessenen Werte mit den Normwerttabellen für Blutdruckmessungen bei Kindern abgleichen kann (Normwerte der KIGGS-Studie (s. auch Blutdruckrechner) oder Normwerte der European Society of Hypertension).

Die Diagnose eines Bluthochdrucks kann nicht nach einer einzelnen Messung gestellt werden. Für die Diagnose müssen mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten die gemessenen Blutdruckwerte über der 95. Perzentile liegen. Sprechen Sie bitte Ihren Kinderarzt an, sollten die gemessenen Blutdruckwerte über der 95. Perzentile liegen. Dieser wird sich ggf. mit einem auf Bluthochdruck spezialisierten Arzt (Hypertensiologe DHL®) abstimmen.

Blutdruckgrenzen für Kinder und Jugendliche

Für oszillometrische Blutdruckmessungen, Normwerte nach Neuhauser et al, Pediatrics 2011 (KIGGS Daten), vereinfachte Darstellung
Alter (Jahre) Obere Blutdruckgrenze
Jungen
Obere Blutdruckgrenze
Mädchen
3 110/70 109/71
4 110/70 110/71
5 111/71 111/71
6 111/71 112/72
7 113/72 114/72
8 114/73 115/73
9 116/74 117/74
10 118/75 119/75
11 120/76 122/76
12 124/77 124/76
13 127/78 126/78
14 132/80 127/76
15 136/82 128/80
≥16 140/90 140/90

Die hier angegebenen Werte entsprechen den Grenzwerten (95. Blutdruckperzentile) für Kinder und Jugendliche mit einer Körpergröße im mittleren Normbereich. Für Kinder, die für ihr Alter groß sind, liegen die Normwerte etwa 2-4 mmHg höher, für Kinder, die kleiner sind 2-4 mmHg niedriger.

Ab 16 Jahren gilt die Blutdruckgrenze für Erwachsene von 140/90 mmHg.

Was, wenn zu hohe Blutdruckwerte gemessen wurden?

Bei einigen Menschen kommt es durch Aufregung bei Arztbesuch zu einem Blutdruckanstieg. Misst der Arzt in der Praxis den Blutdruck, sind dann die Werte oft höher, als wenn zu Hause gemessen wird (sogenannter „Weißkitteleffekt“). Es kommt aber bei einigen Menschen auch vor, dass der Blutdruck beim Arzt unter den tatsächlichen Werten liegt (sogenannte „maskierte Hypertonie“). Beide Effekte werden auch bei Kindern beobachtet. Deswegen wird insbesondere bei auffälligen Werten und zur Sicherung der Diagnose einer Hypertonie auch bei Kindern eine 24-Stunden-Blutdruckmessung empfohlen. Falls dies nicht möglich ist, können alternativ auch bei Kindern wiederholte Messungen zu Hause durchgeführt werden. Allerdings erlaubt nur die 24-Stunden-Blutdruckmessung auch eine Beurteilung des Blutdrucks im Schlaf.

Die Messungen zu Hause sollten täglich über mindestens drei bis vier Tage, bevorzugt über sieben Tage, jeweils morgens und abends erfolgen. Es sollte nach einer Ruhephase zweimal im Minutenabstand gemessen werden. Der häusliche Blutdruckwert entspricht dem Mittelwert aller Messungen, ausgenommen werden die Werte des ersten Messtages.

Bluthochdruck – was tun?

Bluthochdruck bei Kindern ist deutlich häufiger auf eine sekundäre Ursache (als Folge einer anderen Grunderkrankung) zurückzuführen als bei Erwachsenen. Je jünger das Kind ist, desto wahrscheinlicher ist eine organische Ursache. Daher sollte Ihre Kind zur weiteren Abklärung ggf. einem Blutdruckspezialisten, d.h. einem Kinderkardiologen oder Kindernephrologen vorgestellt werden. Der Hypertensiologe wird dann verschiedene Untersuchungen veranlassen.

Ein gesunder Lebensstil wird für alle Bluthochdruck-Patienten empfohlen. Vor allem bei Patienten mit Übergewicht und primärer Hypertonie kann durch eine Gewichtsreduktion und Sport eine Besserung oder sogar Normalisierung des Blutdrucks erzielt werden. Empfohlen wird:

  • Sport und eine ausgewogene Ernährung (‚mediterrane’ Kost),
  • Einbeziehen des familiären Umfelds und der Eltern,
  • Unterstützung einer rauchfreien Umgebung (inkl. Aufklärung über Rauchen während der Schwangerschaft),
  • Vereinbarung von realistischen und erreichbaren Zielen, insbesondere Zielvorgaben für den Body Mass Index, körperliche Aktivitäten und Ernährung
  • altersgerechtes Schulungsmaterial für die betroffenen Kinder
  • ein gesundheitsförderndes Belohnungssystem.

Eine Therapie mit Blutdrucksenkern (pharmakologische Therapie) ist bei Kindern und Jugendlichen mit Bluthochdruck erforderlich wenn das Kind eine symptomatischen Hypertonie hat oder gar eine hypertensive Krise (sehr hohe Blutdruckwerte mit akuter Organschädigung) oder eine sekundäre Hypertonie (z.B. bei Herz-oder Nierenerkrankungen), ein Diabetes oder bereits durch den Bluthochdruck bedingte Schädigungen anderer Organe bestehen.

Quellen

  • KIGGS-Studie, Robert Koch-Institut, Berlin, 2013
  • Lurbe E al., Journal of Hypertension 2016; 34(10):1887-920
  • www.pedz.de/de/pedz/bp.html (Abruf am 25. März 2018)

Dieses Projekt wird mit Fördermitteln der AOK realisiert.