Selbstmessung ist Teil der Behandlung

Die regelmäßige Blutdruckselbstmessung ist ein wichtiger Teil zur Vorsorge oder Behandlung eines zu hohen Blutdrucks. Die selbst gemessenen Werte der Patienten zeigen dem Arzt, wie sich der Blutdruck über einen längeren Zeitraum verhält. Voraussetzung dafür sind zuverlässige Messwerte. Das ist gar nicht so schwer, wenn Sie dabei die nachfolgenden drei Dinge beachten.

  1. Sie sollten wissen, wie man richtig Blutdruck misst.
  2. Sie brauchen ein zuverlässiges Blutdruckmessgerät.
  3. Sie sollten mit Ihrem Blutdruckmessgerät gut zurechtkommen und es gut bedienen können. 

Vielleicht möchten Sie nach dem Durchlesen unserer Informationen Ihr gerade erlerntes Wissen auch im Rahmen einer Lernkontrolle testen. Für alle, die noch weitergehende Informationen wünschen, gibt die Rubrik „Hintergrundinformationen“ noch mehr Informationen. Eine Übersicht der Messgeräte mit Prüfsiegel der DHL finden Sie hier.

1. Richtig Blutdruck messen

Die Blutdruckselbstmessung ist nicht schwer, wenn die nachfolgenden Regeln beachtet werden:

Immer zur gleichen Zeit morgens und abends messen. Morgens vor der Einnahme blutdrucksenkender Mittel messen, damit auch der Blutdruck in den frühen Morgenstunden erfasst wird. Ein zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte. Viele Geräte messen, ohne dass Sie es merken, mehrfach hintereinander. Ansonsten können Sie den Blutdruck zweimal in Folge mit einer Pause von ein bis zwei Minuten messen. Meist liegt der Wert der zweiten Messung niedriger. Diesen sollten Sie notieren.

Vor der Messung fünf Minuten zur Ruhe kommen. Körperliche Aktivitäten vor der Messung vermeiden, sonst die Entspannungsphase verlängern. Falls möglich, entspannt auf einem Stuhl sitzend an die Stuhllehne angelehnt messen. Den zu messenden Arm auf den Tisch legen. Die Füße nebeneinander aufstellen. Dadurch vermeiden Sie die Anspannung Ihrer Muskulatur. Beim Messen nicht bewegen, reden oder durch Musik bzw. Nachrichten ablenken lassen.

Die Blutdruckmanschette muss sich auf Herzhöhe befinden. Darauf sollte vor allem bei Handgelenksgeräten geachtet werden. Die Manschette der Oberarmgeräte liegt in der Regel bereits automatisch auf Herzhöhe.

Die Messergebnisse sollten mit Datum und Uhrzeit im Blutdruckpass graphisch dokumentiert werden, falls kein digitaler Datenspeicher vorhanden ist. Das stellt sicher, dass der Arzt sich schnell einen Überblick über Ihre Werte machen kann.

Anfänglich sollte Ihr Blutdruck an beiden Armen gemessen werden. Das sollte Ihr behandelnder Arzt machen. Differenzen bis 20 mm Hg sind bedeutungslos. Größere Abweichungen können zahlreiche verschiedene Ursachen haben, die vom Arzt abzuklären sind. Der Blutdruck ist danach immer an dem anfänglich bestimmten Arm zu messen.

Bei der Blutdruckmessung werden immer zwei Werte gemessen. Der obere (systolische) Wert entspricht dem Blutdruck beim Auswurf des Blutes aus der sich zusammenziehenden linken Herzkammer. Danach erschlafft der Herzmuskel und der Druck fällt auf den unteren (diastolischen) Wert ab, bis die linke Herzkammer sich wieder mit Blut füllt und der Herzmuskel sich wieder zusammenzieht.

Die von Ihnen zu Hause gemessenen Werte sollten sich im Schnitt bei maximal 135 / 85 mm Hg einpendeln. Der vom Arzt in der Praxis gemessene Blutdruck sollte unter 140 / 90 mm Hg liegen. Falls der obere und der untere Wert über 65 mm Hg auseinander liegen, spricht dies für „steife“ Gefäße. Das sollte näher untersucht bzw. muss behandelt werden.

Übrigens können Betroffene auch in einer Schulung sehr schnell lernen, wie sie bei der Blutdruckselbstmessung zuverlässige Werte erhalten. Was zu beachten ist und welches die häufigsten Fehler sind, lesen Sie auch ausführlich in unserer Broschüre. Einen ersten Überblick erhalten Sie auch über unser Video. Beachten Sie, dass auch verschiedene Gerätehersteller Videos anbieten, wo Sie schauen können, wie korrekt gemessen werden kann.

2. Zuverlässige Blutdruckmessgeräte

Viele im Handel erhältliche Blutdruckmessgeräte liefern nur unzuverlässige Werte. Blutdruckmessgeräte dürfen in Deutschland zwar nur vertrieben werden, wenn sie das Medizinproduktegesetz einhalten. Dieses gewährleistet aber noch keine hinreichende Messgenauigkeit. Deshalb überprüft die Deutsche Hochdruckliga regelmäßig auf Antrag der Gerätehersteller Blutdruckmessgeräte und verleiht ein Prüfsiegel für die Messgenauigkeit.

Dazu wird von der Hochdruckliga ein unabhängiges Prüfinstitut beauftragt. Dem Auftrag gebenden Gerätehersteller wird das Prüfinstitut nicht benannt. Die Messungen werden auf Basis eines umfassenden Prüfprotokolls an mindestens 96 Probanden vorgenommen. Das sind deutlich mehr Probanden als vom Medizinproduktegesetz gefordert. Dabei ist auch exakt geregelt, unter welchen Bedingungen abweichende Messwerte als Messfehler verworfen werden dürfen und wann ungünstige Ergebnisse mit in den Vergleich einzubeziehen sind. Das ist wichtig, um die Verfälschung von Messreihen auszuschließen. Die Vergleichsmessung erfolgt manuell durch das Abhören der beim Durchfluss des Blutes durch die Schlagader entstehenden Geräusche durch zwei unabhängig voneinander agierende Spezialisten. Mit dem Prüfsiegel wird nur die Messgenauigkeit, nicht aber die weitere Benutzerfreundlichkeit getestet, diese sollten Sie selbst durch Ausprobieren verschiedener Geräte selbst überprüfen.

Gerätetests werden in unregelmäßigen Abständen beispielsweise auch durch die Stiftung Warentest durchgeführt. Der wesentliche Unterschied im Vorgehen liegt darin, dass die Stiftung Warentest die Messgenauigkeit lediglich an 32 statt an 96 Probanden testet. Die Stiftung Warentest bewertet bei ihrer Prüfung allerdings auch die Benutzerfreundlichkeit der Geräte. Durch den reduzierten Prüfumfang an lediglich 32 Probanden ist aus Sicht der Deutschen Hochdruckliga statistisch kein ausreichendes Urteil über die Messgenauigkeit eines Gerätes möglich. Bei Probanden mit kleinsten Herzunregelmäßigkeiten (Arrhythmien) kann die Blutdruckmessung mit automatischen Messgeräten bereits zu Messfehlern führen. Darauf weisen auch die Gerätehersteller hin. Messabweichungen werden beim Testen gegebenenfalls dem Gerät angelastet, sollten aber auf die fehlende Messbarkeit der Probanden mit Arrhythmien zurückgeführt werden. Je kleiner die Stichprobe, umso höher ist der mögliche Testfehler. Die Deutsche Hochdruckliga setzt daher bei ihren Messungen eine deutlich größere Probandenanzahl von 96 Personen ein, um mögliche Messfehler auszuschließen.

Ein Verzeichnis der Blutdruckmessgeräte mit Prüfsiegel finden Sie hier.

3. Prüfen Sie Ihr Gerät vor dem Kauf und probieren es aus

Kaufen Sie ein Blutdruckmessgerät am besten in der Apotheke oder im Sanitätshandel, dort können Sie sich auch verschiedene Geräte zeigen lassen und vor dem Kauf vergleichen. Bitte beachten Sie, dass ein direkter Vergleich der Messwerte von verschiedenen Geräten zu erheblichen Abweichungen führen kann. Das kann schon daran liegen, dass der Blutdruck bereits innerhalb kürzester Zeit stark schwanken kann. Durch das häufige Messen hintereinander werden Werte auch verfälscht. Das könnte aber auch an den fehlenden äußeren Messvoraussetzungen wie z.B. Umgebungsgeräuschen, mangelnder Sitzgelegenheit oder der fehlenden Ruhe liegen.

Wenn Sie die Messwerte eines Gerätes überprüfen wollen, müssen Sie eine manuelle Vergleichsmessung anstellen. Zwischen der automatischen Messung und der Vergleichsmessung dürfen maximal 60 Sekunden liegen. Sie sollten dieses Procedere insgesamt dreimal wiederholen. Messen Sie dabei immer am selben Arm! Die Abweichungen sollten im Schnitt nicht mehr als plus/ minus 10 mm Hg betragen. Lassen Sie sich vom Fachpersonal in der Apotheke oder Sanitätsfachhandel helfen.

Auf was sollte beim Kauf neben dem Prüfsiegel noch geachtet werden?

Die Oberarm- oder Handgelenksmanschette sollte die für Sie passende Größe haben. Messen Sie den Umfang Ihres Oberarms bzw. Ihres Handgelenks und wählen die Manschette entsprechend aus. Die Oberarmmanschette sollte maximal zwei Drittel des Oberarms abdecken.

Je nach Gerät fühlt sich die Manschette anders an, pumpt anders auf und macht andere Geräusche. Einige Geräte haben feste Schalen, andere faltbare Klettmanschetten. Probieren Sie daher verschiedene Geräte vor dem Kauf aus. Es gibt inzwischen auch intelligente Geräte bzw. Manschetten, die nur dann messen, wenn der Arm ruhig und auch auf Herzhöhe gehalten wird.

Sie sollten die Manschette auch korrekt anlegen können. Lassen Sie sich beraten und prüfen vor dem Kauf, ob es beispielsweise auf der Manschette Abbildungen gibt, die Ihnen beim korrekten Anlegen Hinweise geben. Es gibt inzwischen auch intelligente Manschetten, die bei einem fehlerhaftem Anlegen korrekt messen können.

Da sich der Blutdruck über den Tagesverlauf ständig ändert, ist es wichtig, den Blutdruck über einen längeren Zeitraum immer zur selben Zeit zu messen. Erst dann ist die Blutdruckselbstmessung sinnvoll. Sie sollten Ihre Werte aufschreiben oder digital speichern, so dass Ihr Arzt den Blutdruckverlauf auf einen Blick anschauen und analysieren kann. Gegebenenfalls reicht es aus, wenn Ihr Blutdruckmessgerät die Messwerte speichert. Das erschwert aber die schnelle Auswertung und das Erkennen von Auffälligkeiten.

Sollten mehrere Personen ein Blutdruckmessgerät nutzen, ist darauf zu achten, dass die mit dem Gerät verkaufte Manschette für alle Nutzer die passende Größe aufweist. Einige Geräte bieten Speicher für zwei Personen bzw. auch noch einen Gastmodus an. Einfacher ist es natürlich, wenn jeder sein eigenes Blutdruckgerät hat.

Blutdruckmessgeräte sollten gut verstaubar sein. Eine Aufbewahrungsbox oder eine passende Verkaufsverpackung ist hierbei hilfreich.

Handgelenksgeräte sind meist handlicher und eignen sich daher besonders gut für Urlaubsreisen. Bei ihnen besteht aber leicht die Gefahr, dass sie nicht auf Herzhöhe gehalten werden und dadurch die Messwerte verfälscht werden. Da die Gefäßquerschnitte am Handgelenk kleiner als am Oberarm sind, kann es bei Verhärtung der Blutgefäße an der Hand schneller zu Messfehlern kommen. Inzwischen liefern viele Handgelenksgeräte bei korrekter Messtechnik genaue Werte. Bei Gefäßverhärtungen (Arteriosklerose) sollten Sie allerdings mit Ihrem Arzt besprechen, welches Gerät das geeignetere ist.

Einige Geräte verfügen über eine drahtlose oder kabelgebundene Schnittstelle zu einem digitalen Speichermedium. Die Messdaten werden gespeichert, können an den Arzt geschickt werden oder sind (graphisch) ausdruckbar. In aller Regel wird Ihr Blutdruckgeräteanbieter eine Datenspeicherung nur in einem herstellereigenen Medium zulassen. Das kann ein Programm für einen PC sein oder eine Smartphone-APP.

Bei der Speicherung in einer APP werden Ihre Vitaldaten in aller Regel auf einem zentralen Server des Herstellers, nicht aber auf dem Smartphone gespeichert. In einigen Fällen verbleiben Ihre Messdaten auf dem Smartphone. Einige Gerätehersteller erlauben die Messdatenübertragung in eine beliebige APP. Der APP-Anbieter sollte Sie darüber informieren, ob die Messdaten im Smartphone oder extern auf einem anderen Server gespeichert werden. Ihre Daten sollten in Deutschland gespeichert werden, das gewährleistet ein hohes Datenschutzniveau. Auch darüber sollte Sie Ihr APP-Anbieter informieren. Die Deutsche Hochdruckliga erarbeitet derzeit Gütekriterien, um gute, sichere und nützliche digitale Gesundheitshelfer zu bewerten. Nützlich ist es auch, wenn Sie noch andere Vitalwerte wie zum Beispiel das Körpergewicht, den Puls, das Schlafverhalten oder Ihre körperlichen Aktivitäten digital abspeichern können.

Lernkontrolle

Testen Sie Ihr Wissen und entdecken Sie, welche Fehler bei den nachfolgenden Beispielen gemacht werden.

Was könnte zu Hause beim Messen alles besser gemacht werden?

„Also, ich messe immer morgens nach dem Aufstehen. Dann trinke ich erst einmal meinen Kaffee im Lesesessel mit hochgelegten Füßen, das Frühstücksfernsehen läuft, da gibt es immer so nette Beiträge. Mein Mann ist schon aus dem Haus zur Arbeit, dann habe ich meine Ruhe. Wenn ich dann einen erhöhten Wert habe, nehme ich einfach den anderen Arm, dann ist der Wert meist in Ordnung. Ab und zu vergesse ich ja meine Blutdruckmedikamente, aber wenn ich mir dann Zeit zum Messen nehme, erinnere ich mich immer dran und nehme sie noch ein."

Lösung

Fehler: Kaffee, Sessel statt Stuhl, zu laut/ Fernseher läuft, Messung sollte vor der Einnahme von Medikamenten erfolgen, Blutdruck wird wechselweise an beiden Armen gemessen, die Füße stehen nicht auf dem Boden sondern sind hochgelegt,  messen zu unterschiedlichen Zeiten, möglicherweise maskierte Hypertonie, da zu häufig gemessen wird

Was könnte in der Arztpraxis beim Messen alles besser gemacht werden?

Frau Meyer kommt regelmäßig morgens zur Blutdruckmessung in die Praxis. Meist ist sie zu spät dran. Trotz ihres Alters ist sie sehr sportlich. Sie nimmt dann fast immer die Treppen in die Praxis statt den Aufzug. Ohne ihre zwei Tassen Kaffee ist sie schlecht gelaunt, aber immer gut angezogen. Besonders ihre schönen selbstgestrickten dicken Pullover stehen ihr. Ab und zu kann sie die Bluse nicht ausziehen, dann müssen wir mit angezogener Bluse messen. Dann wird es aber schon ganz schön eng an Ihrem Arm. Frau Meyer hat ab und zu auch ihren Kopfhörer dabei und hört Musik, da muss ich beim Messen besonders aufpassen. An einigen Tagen kommt nach Frau Meyer auch gleich ihre Freundin Frau Müller, um ihren Blutdruck ebenfalls messen zu lassen. 

Lösung

Fehler: Kaffee, zu wenig Ruhezeit, enge Bluse: eingeschnürte Arterien, Musik hören während der Messung, Manschettengröße möglicherweise nicht bedarfsgerecht, fehlende Manschettendesinfizierung nach der Nutzung