Wenn Hypertoniker husten

Privatdozent Dr. med. Karl Wagner

Manche blutdrucksenkenden Medikamente lösen Husten aus. Hochdruck-Patienten sollten in diesem Fall mit ihrem Arzt über Alternativen sprechen.

Husten wird durch einen chemischen oder mechanischen Reiz ausgelöst, der auf einen so genannten Hustenrezeptor trifft. Der Reiz wird mittels Nerven zu einem Hustenzentrum im Gehirn weitergeleitet, das über Nervenbahnen den Hustenvorgang auslöst. Ärzte sprechen von produktivem Husten, wenn sich dabei ein Sekret löst, andernfalls von nicht-produktivem Husten. Dauert ein Husten länger als drei Wochen, so wird von einem chronischen Husten ausgegangen. Hustenrezeptoren sitzen nicht nur in den Atemwegen, sondern auch an anderen Stellen: im Herzbeutel, dem Zwerchfell oder auch in der Speiseröhre. Deshalb kann Husten unterschiedlichste Ursachen haben. Ein Husten kann völlig harmlos sein, zum Beispiel eine anerzogene Marotte, er kann aber auch ein Anzeichen für Erkrankungen oder schwere Krankheiten wie chronische Bronchitis oder gar Lungenkrebs sein.

ACE-Hemmer lösen Husten aus

Eine mögliche Ursache von Husten ist die Behandlung von Bluthochdruck mit so genannten ACE-Hemmern. Diese hemmen das Enzym „Angiotensin Converting Enzyme“, das zur Produktion des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin notwendig ist. Die Hemmung des Enzyms führt allerdings auch dazu, dass der gefäßerweiternde Stoff Bradykinin nicht mehr abgebaut wird. Dieser kann Hustenrezeptoren reizen. ACE-Hemmer wie zum Beispiel Captopril und Enalapril lösen bei 15 bis 20 Prozent der Patienten Husten aus. Er reicht von einem kaum wahrgenommen und nicht störenden Hüsteln bis hin zum quälenden Dauerhusten. Meist ist der Husten nicht produktiv. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei Rauchern kann durch ACE-Hemmer der Raucherhusten verstärkt werden.

Husten tritt meist früh auf

Ein von ACE-Hemmern verursachter Husten tritt in der Regel schon in der ersten Woche nach Therapiebeginn auf. Er verschwindet innerhalb von bis zu vier Wochen nach Absetzen des Medikaments. In Einzelfällen kann der Husten bis zu sechs Monaten nach Therapiebeginn auftreten. Betroffene sollten nicht eigenmächtig handeln, denn ACE-Hemmer sind sehr zuverlässige und gut verträgliche Medikamente. Hochdruck-Patienten sollten deshalb unbedingt mit ihrem Arzt reden, bevor sie sich gegen diese Medikamente entscheiden. Ein Ausprobieren verschiedener ACE-Hemmer lohnt sich nicht: Wer bei einem hustet, tut das auch bei den anderen. Eine Alternative sind AT1-Antagonisten, die ebenfalls Angiotensin in ihrer Wirkung einschränken. Allerdings sind sie noch nicht so lange auf dem Markt wie ACEHemmer und deutlich teurer.

Autor

Privatdozent Dr. Karl Wagner ist Chefarzt der IV. Medizinischen Abteilung, Schwerpunkt Nieren- und Hochdruckkrankheiten, im Asklepios Krankenhaus Barmbek in Hamburg.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2007. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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