Wein und Bluthochdruck

Professor Dr. med. Bernd Krönig

Alkohol kann zur Blutdrucksteigerung beitragen. Dabei wirken sich Schnaps und Bier oft stärker aus als Wein. Doch vor allem die Menge ist entscheidend.

Seit etlichen Jahren wird in Studien der Frage nachgegangen, ob regelmäßiger Alkoholkonsum zu einer Blutdrucksteigerung führt und ab wann die kritische Dosis erreicht ist. In zahlreichen Studien wurde deshalb die Wirkung des Alkohols auf den Blutdruck untersucht, die Alkoholmenge und die Art des Alkohols.

Kein negativer Effekt bei geringer Dosis

Wissenschaftler messen die Menge des Alkohols in so genannten „Drinks“. Darunter wird in aller Regel eine Alkoholmenge von 12 Gramm verstanden. Diese Menge ist im Durchschnitt entweder in rund 250 Milliliter Bier oder in 125 Milliliter Wein oder in 30 Milliliter Schnaps enthalten.

In mehreren unterschiedlichen Studien hat sich herausgestellt, dass bei regelmäßigem Konsum geringer Mengen Alkohol kein negativer Effekt auf den Blutdruck zu befürchten ist (Senkranz 2003; Panagiotakos et. al. 2007): Bei ein bis zwei Drinks täglich tritt im Schnitt keine Blutdrucksteigerung ein.

In einer anderen Studie (ARIC - Arteriosclerotic Risk in Communities) fanden Forscher heraus, dass sowohl Männer und Frauen als auch schwarze und weiße Personen unterschiedlich auf Alkohol reagieren (Fuchs et. al. 2001). An der Studie nahmen 8.334 Probanden im Alter von 45 bis 64 Jahre teil. Bei diesen untersuchten die Wissenschaftler das relative Risiko für Bluthochdruck beim Konsum unterschiedlicher Mengen von Alkohol. Bei einem wöchentlichen Konsum bis zu 209 Gramm Alkohol (das wären im Schnitt rund 2,5 Drinks täglich) verringerte sich das Risiko für eine Hypertonie bei weißen Männern um 12 und bei weißen Frauen um 11 Prozent. Dieselbe Dosis führte bei schwarzen Männern zu einer Steigerung des Hypertonie-Risikos um 71 Prozent. Bei schwarzen Frauen dagegen kam es ebenfalls zu einem Rückgang um 12 Prozent.

In der gleichen Studie wurde die Häufigkeit des Auftretens von Bluthochdruck bei Abstinenzlern und bei Alkoholkonsumenten verglichen. Weiße abstinente Männer erkrankten zu 11 Prozent an Bluthochdruck. Weiße Männer mit moderatem Alkoholkonsum (maximal 209 Gramm Alkohol pro Woche) erkrankten zu 9,1 Prozent an Bluthochdruck. Bei einem Konsum von mehr als 209 Gramm Alkohol pro Woche dagegen hatten 16,7 Prozent Bluthochdruck. Bei schwarzen abstinenten Männern trat Bluthochdruck zu 15,4 Prozent auf, bei schwarzen Männern mit moderatem Alkoholgenuss zu 19,5 Prozent und bei höherem Alkoholgenuss lag das Risiko bei 31,3 Prozent (siehe Abbildung).

Dosis-Wirkungskurve

Die Verstoffwechselung größerer Mengen von Alkohol führt im Körper durch mehrere unterschiedliche Mechanismen zu einer Gefäßverengung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Blutdruck steigernde Effekt von Alkohol einer gewissen „Dosis- Wirkungskurve“ unterliegt. Doch interessanterweise bestand zwischen den Gruppen der Abstinenzler und den Alkoholkonsumenten kein Unterschied in der täglichen Urin-Kochsalz-Ausscheidung (INTERSALT- Study, Marmot et. al. 1994), so dass ein diesbezüglich zu vermutender Unterschied der Ernährungsgewohnheiten zwischen Abstinenzlern und Alkoholkonsumenten unwahrscheinlich ist.

Eine weitere wichtige Frage war, ob tatsächlich Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen Arten von Alkohol hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Blutdruck. Dieser Frage gingen Forscher bereits vor mehr als 20 Jahren in einer Studie nach (Klatsky et. al. 1986). In einer Querschnittsuntersuchung an 66.510 Personen (Kaiser Permanente Study) wurden Daten erhoben zur Vorliebe bei alkoholischen Getränken von 10.288 Personen, die keine blutdrucksenkenden Medikamente einnahmen. Dabei zeigte sich, dass die mittleren systolischen (oberen) Blutdruckwerte bei Bier und Schnaps trinkenden Frauen und Männern höher lagen als bei Weinkonsumenten. Die diastolischen (unteren) Werte waren lediglich bei den Schnapstrinkern etwas höher als bei den Vergleichsgruppen. Die Daten wurden außerdem nach der Anzahl täglicher Drinks analysiert.

Im Vergleich zu lebenslangen Abstinenzlern lagen bei Männern, die ein bis zwei Drinks pro Tag konsumierten, die oberen Werte rund 2,8 mm Hg höher, die unteren Werte rund 1,6 mm Hg. Bei den Frauen lagen in dieser Gruppe die oberen Blutdruckwerte um 0,5 mm Hg höher, die unteren Werte um 1,4 mm Hg. Damit die Daten besser verglichen werden konnten, wurden andere Faktoren wie Körpergewicht, Bildungs- und Familienstand sowie Rauchgewohnheiten herausgerechnet.

Vorzugsweise Wein

Ähnliche Unterschiede zwischen Bier und Wein in ihrer Wirkung auf den Blutdruck fanden sich im Nationalen Gesundheitssurvey, einer Erhebung zum Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (Hoffmeister et al. 1999). Dabei zeigte sich, dass relevante durchschnittliche systolische Blutdrucksteigerungen bei Biertrinkern bereits ab einem Konsum von täglich mehr als 40 Gramm auftraten, bei Weintrinkern dagegen erst bei mehr als 80 Gramm Alkohol täglich.

Dabei lag der systolische Blutdruck von Abstinenzlern im Durchschnitt bei 135,0 mm Hg. Dagegen hatten Weintrinker durchschnittlich einen systolischen Blutdruck von 135,7 mm Hg. Die Unterschiede fanden sich bei Personen, die täglich Wein tranken bis zu einer Menge von 80 Gramm Alkohol. Dagegen führt die im Alkoholgehalt vergleichbare Menge an Bier bereits zu einem Druckanstieg auf 138 mm Hg. Wurden diese nicht mehr ganz moderaten täglichen Alkoholmengen noch überschritten, kam es sowohl bei Wein als auch bei Bier zu einem deutlichen Druckanstieg: In dieser Gruppe lag der systolische Blutdruck von Weintrinkern bei 139,6 mm Hg, von Biertrinkern bei 142,0 mm Hg.

Bei diesen geringen Unterschieden sollte allerdings nicht vergessen werden, dass bereits eine geringe systolische Blutdrucksteigerung von 3 mm Hg das Risiko erhöht, an einem Schlaganfall zu sterben (8 Prozent erhöht) oder an koronarer Herzkrankheit (5 Prozent erhöht). Deshalb lohnt es sich besonders für Hochdruck-Gefährdete, nur moderat Alkohol zu genießen und dabei dem Wein einen gewissen Vorzug zu geben (siehe Abbildung).

Autor

Professor Dr. med. Bernd Krönig war bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 leitender Arzt der Inneren Abteilung des Evangelischen Elisabeth-Krankenhauses Trier. Er ist Regionalbeauftragter der Deutschen Hochdruckliga e. V. DHL®. Außerdem ist er im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Weinakademie und Vorsitzender des Forums Wein & Gesundheit.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03-04/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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