Was senkt den Blutdruck?

Bis heute sind die Ursachen der so genannten primären Hypertonie (nicht durch andere Erkrankungen erklärbarer Bluthochdruck) unbekannt. Vor zwanzig Jahren gab es eine rege Diskussion zwischen Forschern und Ärzten über die Ursachen von Bluthochdruck, seine Mechanismen und Folgen. Doch inzwischen ist es ruhiger geworden. Der DRUCKPUNKT möchte die Diskussion neu beleben. Deshalb nehmen Experten zu verschiedenen Thesen Stellung, sie diskutieren und kommentieren den neuesten Stand der Wissenschaft. Hier finden Sie die wichtigsten nicht-medikamentösen Behandlungsstrategien bei Bluthochdruck.

Bewegung

In den vergangenen Jahrzehnten hat der durchschnittliche Bewegungsumfang in allen Industrienationen dramatisch abgenommen – mit den entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Bei Hypertonikern kann häufig durch Sport die Blutdruckeinstellung deutlich verbessert werden, oft können sogar die blutdrucksenkenden Medikamente reduziert werden. In vielen Fällen wird dadurch auch dem bauchbetonten Übergewicht entgegen gewirkt, das in besonderem Maße das Herzinfarkt-Risiko erhöht. Wer bereits zwei Mal die Woche für eine halbe Stunde sportlich aktiv ist, erreicht im Durchschnitt eine Blutdrucksenkung bis zu 10 mm Hg sowohl systolisch als auch diastolisch. Diesen positiven Effekt sowohl auf den systolischen als auch auf den diastolischen Blutdruckwert belegen zahlreiche Studien. Durch Bewegung verbessert sich unsere Stoffwechsellage insgesamt: Wir verbrauchen mehr Kalorien, körpereigenes Fett wird mobilisiert, die Herzleistung wird gestärkt und Muskulatur aufgebaut. Dabei ist die Regelmäßigkeit der sportlichen Aktivität sehr wichtig. Besonders geeignet sind dynamische Sportarten, wie zum Beispiel Laufen, Schwimmen oder auch Fahrrad fahren.

Autor

Professor Dr. med. Klaus Kisters · Chefarzt der Medizinischen Klinik I · St. Anna-Hospital · Herne

Ernährung

Die Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf den Blutdruck, was in mehreren Studien gezeigt wurde. Zurückhaltung mit dem Kochsalz scheint für eine Untergruppe von Übergewichtigen mit Bluthochdruck vorteilhaft zu sein. Erstaunlich wirksam ist eine Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Obst, Fisch und hellem Fleisch. Besonders wirkungsvoll für Menschen mit erhöhtem Blutdruck ist ein moderater Kohlenhydratanteil, der etwas weniger als die Hälfte des Energiebedarfs deckt, ein höherer Anteil an fettarmem Protein aus mageren Milchprodukten sowie Pflanzenfett mit einem hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (wie zum Beispiel bei Rapsöl oder Olivenöl). Wichtig ist die Reduktion des Fettanteils auf maximal etwa 30 Prozent der Energieaufnahme und die Reduktion gesättigter Fette auf weniger als 10 Prozent. Diese Ernährung führt zu einem hohen Kaliumanteil und als positive Nebeneffekte werden die ungünstigen Blutfette sowie die Natriummenge reduziert.

Autor

Professor Dr. med. Andreas F.H. Pfeiffer · Leiter der Abteilung Klinische Ernährung · Deutsches Institut für Ernährungsforschung · Potsdam · Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin · Charité - Universitätsmedizin Berlin

Entspannung

Chronischer Stress ist wahrscheinlich eine sehr häufig unterschätzte Ursache für Bluthochdruck. Menschen mit viel Stress in Beruf und Familie müssen für ausreichend Schlaf, Freizeit, Erholung und Urlaub sorgen. Darüber hinaus sollten Hypertoniker ein Entspannungsverfahren einüben wie zum Beispiel Autogenes Training, Meditation oder Progressive Muskelrelaxation. Entspannungsverfahren sind Methoden, die eine Veränderung sowohl physiologischer als auch psychischer Prozesse in Richtung auf Entlastung und Wiederherstellung gestörter seelischer und körperlicher Funktionen bewirken können. Das Ziel ist die Entspannungsreaktion, das heißt die Reduktion der Erregungsbereitschaft des sympathischen Nervensystems, was sich unter anderem in der Senkung eines erhöhten Blutdrucks zeigt. Entspannungsverfahren ist eine ideale unterstützende Therapie: Der Blutdruck kann akut und längerfristig gesenkt werden, unangenehme Nebenwirkungen sind nicht bekannt und angenehme Begleitwirkungen häufig. Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson gilt als besonders bevorzugte Technik für Hypertoniker.

Autor

Professor Dr. med. Martin Middeke · Hypertoniezentrum München· Kardiologie Alter Hof · München

Gewichtsreduktion

Die Reduktion eines erhöhten Körpergewichts ist die beste Art, den Blutdruck zu senken. Denn sinkt das Körpergewicht um 1 Kilogramm, dann sinkt der obere Blutdruckwert um ungefähr 1,5 mm Hg, der untere um etwa 1 mm Hg. Ursache für die gute blutdrucksenkende Wirkung ist eine Weitstellung der kleinen Widerstandsgefäße im Kreislauf, eine Bremsung des Sympathikus (Aktivitätsnerv) und eine Abschwächung der Blutdruck erhöhenden Wirkung von Kochsalz. Bei großen Patientengruppen wurde durch Gewichtsreduktion eine Blutdrucksenkung von durchschnittlich 13 / 8 mm Hg erreicht. In Einzelfällen können die Blutdrucksenkungen auch wesentlich höher ausfallen. Bei guter Gewichtsabnahme ist es durchaus möglich, dass der Betroffene weniger Medikamente zur Blutdrucksenkung einnehmen muss. Der gute Effekt der Gewichtsreduktion ist auch dann erkennbar, wenn jemand gleichzeitig andere Lebensstiländerungen vornimmt. Die Senkung des Körpergewichts hat über die Blutdrucksenkung hinaus noch weitere Vorteile: der Zucker- und Fettstoffwechsel verbessert sich, der Herzschlag wird langsamer und eine Herzmuskelverdickung kann sich besser zurückbilden.

Autor

Professor Dr. med. Gerd Bönner · Ärztlicher Direktor und Hypertensiologe DHL® · MEDIAN Kliniken · Bad Krozingen

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03/2007. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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