Was bringt Magnesium bei Hypertonie?

Professor Dr. med. Klaus Kisters und Dr. med. Thomas Schramm

Magnesium und sein Einfluss auf die Blutdruckregulation wurde viele Jahre vernachlässigt. Nun belegen neuere Untersuchungen seine blutdrucksenkende Wirkung. Was ist dran am Magnesium?

Der Körper eines Erwachsenen enthält durchschnittlich nahezu 20 Gramm Magnesium, das bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle spielt. Der Mineralstoff ist essentiell, das heißt, er muss dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden. Magnesiummangel kann zu Symptomen wie Müdigkeit, Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen und auch Bluthochdruck führen. Mediziner prüfen derzeit, ob die Einnahme von Magnesiumpräparaten einen erhöhten Blutdruck senken kann.

Magnesium senkt den Druck - Professor Dr. med. Klaus Kisters

In verschiedenen wissenschaftlichen Studien wurde beobachtet, dass Magnesiummangel Bluthochdruck begünstigen kann. Dabei kann Magnesiummangel mit normaler Ernährung nicht immer komplett ausgeglichen werden. Die Ursachen sind vielfältig: Ein Mangel an Magnesium kann zum Beispiel durch vermehrte Aufnahme von Magnesium in die Knochen entstehen oder durch vermehrte Magnesiumausscheidung mit dem Urin, besonders bei einer Therapie mit Diuretika (Entwässerungsmittel). Aber auch Mangelernährung kann zu einem verminderten Magnesiumspiegel führen. Durchschnittlich nimmt ein Mensch bei gesunder Ernährung 300 bis 400 Milligramm Magnesium pro Tag zu sich. Zahlreiche Untersuchungen seit den 60iger Jahren haben belegt, dass in verschiedenen Zellarten sowohl bei Hypertonikern als auch bei hypertensiven Tieren ein Magnesiummangel vorliegt. Dabei sind unterschiedliche Interaktionen mit Natrium und Kalzium beteiligt, die durch gestörte Transportmechanismen von Stoffwechselprodukten in die Zelle oder aus der Zelle entstehen. Daraus resultiert letztlich unter anderem ein hoher Blutdruck, der häufig auch mit verminderten Kaliumwerten einhergeht.

Positiver Effekt
Im Jahr 2003 wurden mehrere große Studien zur Magnesiumtherapie ausgewertet. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass eine Therapie ausschließlich mit Magnesiumtabletten je nach Dosis sowohl den oberen als auch den unteren Blutdruckwert bis zu 20 mm Hg senkt. Auch viele Veröffentlichungen aus Frankreich und dem deutschsprachigen Raum belegen den positiven Effekt einer Magnesiumtherapie auf den Blutdruck. Nicht zuletzt kann die Verkalkung der Blutgefäße mit Magnesium reduziert werden. Neuere Studien zeigen außerdem, dass der so genannte Pulsdruck durch eine Magnesiumtherapie günstig beeinflusst wird. Der Pulsdruck ist die Differenz zwischen dem oberen und unteren Blutdruckwert (siehe Druckpunkt 1/2008, Seite 24). Auch Fettstoffwechselstörungen können durch die regelmäßige Einnahme von Magnesium positiv beeinflusst werden.

Mein Standpunkt

Die regelmäßige Einnahme von Magnesium in Form von geeigneten Magnesiumpräparaten kann den Blutdruck senken, Gefäßverkalkungen verringern und Fettstoffwechselstörungen positiv beeinflussen.

Datenlage ungenügend - Dr. med. Thomas Schramm

Das wichtigste Ziel der Hochdrucktherapie ist eine sichere, nebenwirkungsarme und langfristige Verbesserung der Blutdruckeinstellung. So kann das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen reduziert und damit das Leben verlängert werden. Jede medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung muss hinsichtlich dieser Anforderungen geprüft werden. Je nebenwirkungsärmer und vermeintlich harmloser ein Medikament, desto weniger wird dieses beachtet. Das gilt aus meiner Sicht auch für Magnesium. Magnesium ist ein wichtiger Bestandteil im Körper, es aktiviert eine Vielzahl von Enzymen (chemische Stoffe, die Stoffwechselvorgänge steuern) und ist an der Muskelkontraktion beteiligt. Insbesondere seine Beteiligung bei der Entspannung glatter Gefäßmuskelzellen ließ einen blutdruckregulierenden Effekt vermuten und konnte experimentell auch nachgewiesen werden. Metaanalysen zeigten einen positiven Einfluss von Magnesium, aber auch von Kalium und Calcium, auf die Blutdrucksenkung beim Menschen. Sie konnten jedoch nicht nachweisen, dass Bluthochdruck durch niedrige oder hohe Dosen von Magnesium zuverlässig und langfristig gesenkt wird. Sie haben auch nicht bewiesen, dass die Schädigung von Herz, Gehirn, Nieren und Gefäßen verhindert wird.

Sinnvoll bei Mangel
Die Analyse der Studien lässt zudem vermuten, dass Magnesium nur bei Menschen mit zu niedrigem Magnesiumspiegel blutdrucksenkend wirkt. Gesunde Menschen mit gesunden Ernährungsund Lebensgewohnheiten haben aber üblicherweise keinen Magnesiummangel. Auch Hypertoniker, die ein normal dosiertes Diuretikum (Entwässerungsmittel) erhalten, haben nur selten Magnesiummangel. Um aber die Patienten mit Magnesiummangel zu finden, sollte im Rahmen der Diagnostik der Magnesiumspiegel bestimmt werden. Der behandelnde Arzt sollte auf Symptome von Magnesiummangel achten wie nervöse Störungen, Depression, Übelkeit, Gewichtsabnahme und Herzrhythmusstörungen. Bei nachgewiesenem Magnesiummangel sollte der Betroffene Magnesium erhalten und kann damit dann auch die Blutdruckeinstellung verbessern.

Mein Standpunkt

Magnesium kann aus meiner Sicht aufgrund der Datenlage noch nicht als etablierte Substanz bei der Behandlung von Bluthochdruck gesehen werden. Zurzeit sollten Betroffene nur bei Nachweis eines gesicherten Magnesiummangels Magnesium einnehmen.

Autoren

Professor Dr. med. Klaus Kisters ist Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie sowie Hypertensiologe DHL®. Er ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin der Medizinischen Klinik I am St. Anna- Hospital in Herne. Dr. med. Thomas Schramm ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin sowie Hypertensiologe DHL®. Er leitet gemeinsam mit Dr. med. Alexander Stäblein eine Praxis für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin in Köln Rodenkirchen.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03/2008. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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