Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

2. Jahrgang 2002; Nr. 10

Gutachterliche Bewertung einer arteriellen Hypertonie

Eine arterielle Hypertonie findet sich als Diagnose bei mehr als 20 % der erwachsenen Personen und ihre Prävalenz steigt mit dem Alter bis über 40 % an. In Gutachten ist die Hypertonie dementsprechend oft eine Begleiterkrankung und muss in die Bewertung des Krankheitszustandes des Patienten mit einfließen. Hierbei ist es wichtig, eventuelle Zusammenhangsfragen zu klären, eine Bewertung nach dem Sozialrecht vorzunehmen und die Berufsausübung zu definieren, wie im Weiteren erläutert.

1. Fragen des Zusammenhangs
Die Hypertonie als Folgekrankheit ist sehr selten. Anerkannt sind bei zeitlicher Zuordnung eine Ovulationshemmer-Hypertonie sowie Sonderformen der renalen Hypertonie wie bei Morbus Ormond, retroperitonealen Tumoren oder Bauchaortenaneurysmata, wenn diese die renale Perfusion vermindern. Als Ursache gelten in Einzelfällen auch chronische Pyelonephritiden, eine diabetische Nephropathie oder eine Analgetika-Nephropathie.
Gelistete Berufskrankheiten für die Entstehung einer arteriellen Hypertonie existieren nicht.
Bei den Blutdruckerhöhungen, die durch Unfall- oder Operationsfolgen entstehen, handelt es sich im wesentlichen um renale Hypertonieformen. Meist liegen größere Parenchymverletzungen oder Durchblutungsstörungen der Nieren vor. Dies kann auftreten nach stumpfen Bauchtraumata, Perforationsverletzungen und vaskulären Operationen im Abdominalbereich mit Ligatur von Polarterien. Der Verlust einer Niere führt in der Regel nicht zur Entwicklung einer Hypertonie. Bei unfallbedingten Schädel-Hirn-Traumen kann ein Zusammenhang gesehen werden, wenn zwischen dem Trauma und dem Auftreten der Hypertonie ein enger zeitlicher Zusammenhang gefunden wird.

2. Bewertung nach dem Sozialrecht
Eine Erwerbsunfähigkeit bei Hypertonie ist direkt nur bei maligner Hypertonie gegeben.
Eine Arbeitsunfähigkeit ist nur dann gegeben, wenn eine akute Blutdruckentgleisung vorliegt, die tendenziell Werte von 210 mm Hg systolisch oder 120 mm Hg diastolisch überschreitet. Eine Arbeitsunfähigkeit kann aber auch bei niedrigeren Werten vorliegen, wenn der Patient durch subjektive Symptome eines hypertensiven Notfalls beeinträchtigt wird. Die Arbeitsfähigkeit ist wieder hergestellt, wenn der Blutdruck gesenkt und die Symptome beseitigt sind.

Der Grad der Behinderung/Minderung der Erwerbsfähigkeit (GdB/MdE) kann definiert werden:

Grad I Hypertonie mit geringem Herzkreislauf-Risiko0 - 10 %
Grad II Hypertonie mit mittel-/
schwerem Herzkreislauf-Risiko
20 - 40 %
Grad III Hypertonie mit sehr
schwerem Herzkreislauf-Risiko
50 - 100 %
Maligne Hypertonie100 %

Die Beurteilung der arteriellen Hypertonie muss die Therapierbarkeit der Blutdruckwerte berücksichtigen und sollte sich auf die Werte unter laufender Therapie stützen. Die Verabreichung von zahlreichen Medikamenten zur Blutdruckeinstellung kann eventuell den Grad der Behinderung erhöhen. Im öffentlichen Dienstrecht ist die Verbeamtung bei therapierbarer Hypertonie möglich. Bei ausgeprägten Endorganschäden ist diese jedoch kritisch zu prüfen und bei bereits Hochdruck-assoziierten Erkrankungen in der Regel wegen fehlender Eignung nicht mehr auszusprechen.

3. Berufsausübung
Bei der Berufsausübung gelten folgende Einschränkungen bei Hypertonie: Leichte Hypertonie: ungewöhnlich schwere und plötzliche Arbeit. Mittelschwere Hypertonie mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko: schwere körperliche Arbeit, Akkordarbeit, geistige Dauerbelastung, Lärm, psychophysische Belastung, Schichtarbeit. Schwere Hypertonie mit sehr hohem Herzkreislauf-Risiko: wie mittelschwere Hypertonie, bei therapieresistentem Verlauf keine regelmäßige ganztägige (< 6 Std.) Arbeit.
Als für nicht optimal behandelte Hypertoniker ungeeignete Berufe gelten nach den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen: Berufe mit Fahr- und Steuer- und Überwachungstätigkeit (Kraftfahrzeuge, Kran, Eisenbahn, Flugverkehr); Arbeiten an Gerüst oder Leitern in luftiger Höhe (Absturzgefahr); Arbeiten an laufenden Maschinen und elektrischen Anlagen; Arbeiten an Hochofen, an offenen Feuern und in großer Hitze; Arbeiten im 24-h-Schichtdienst, Arbeiten in Gegenden mit großen klimatischen Schwankungen.

Gerd Bönner, Bad Krozingen

Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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