Schwerer Hochdruck kommt von der Niere

Professor Dr. med. Karlwilhelm Kühn

Wenn die Therapie eines Hypertonikers trotz regelmäßiger Einnahme der Medikamente eines Tages nicht mehr greift, kann eine Nierenerkrankung die Ursache sein.

Etwa 5 bis 10 Prozent aller Hypertoniker haben eine Nierenerkrankung. Meist ist der Blutdruck der Betroffenen höher als der von Hochdruckkranken mit essentieller Hypertonie (Bluthochdruck, der nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführen ist). Auch eine essentielle Hypertonie kann im Laufe der Jahre die Blutgefäße der Niere sekundär schädigen, was einen noch schwereren Hochdruck zur Folge hat. Deshalb sollten die Nieren untersucht werden, wenn bei einem Hypertoniker trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme die Therapie plötzlich nicht mehr greift. Die Nieren sollten auch dann untersucht werden, wenn bei einem Hypertoniker unerwartet Wasser in der Lunge (Lungenödem) auftritt. Das könnte ein Hinweis auf eine Nierenarterienverengung (Stenose) sein. Generell sollten Bluthochdruck- Erkrankte immer wieder überprüfen lassen, ob sich ihre Nierenfunktion verschlechtert. Bei Jugendlichen, die Bluthochdruck haben, sollte immer eine Nierenerkrankung ausgeschlossen werden.

Vielfältige Ursachen

Eine doppelseitige Nierenentzündung, die so genannte Glomerulonephritis, führt sehr schnell zu Bluthochdruck. Auch Patienten mit einer ein- oder doppelseitigen Nierenarterienverengung haben Bluthochdruck. Menschen mit angeborenen Zystennieren (Nieren, in denen sich eine Vielzahl von Zysten bilden) haben meistens einen erhöhten Blutdruck. Das Gleiche gilt für Menschen mit einseitig verkleinerter Niere. Auch bei langjährigem Diabetes mellitus kann es nach 10 bis 15 Jahren zu einer Nierenerkrankung kommen, die mit einem hohen Blutdruck einhergeht. Warum gerade Nierenerkrankungen zu Bluthochdruck führen, wird immer noch erforscht. Eine mögliche Ursache könnte ein gestörter Hormonstoffwechsel sein. Aber auch die Ausscheidung von Salz und Wasser spielt eine Rolle, denn diese kann bei Nierenkrankheiten mit eingeschränkter Nierenfunktion erheblich gestört sein. Mit einer Reihe von Untersuchungen können Nierenerkrankungen als Ursache eines hohen Blutdrucks erkannt oder ausgeschlossen werden. An erster Stelle steht dabei eine 24-Stunden- Blutdruckmessung. Üblicherweise fällt der Blutdruck nachts ab. Zeigt die Messung, dass er nachts nicht abfällt, so kann dies auf eine Nierenerkrankung hinweisen. Durch Ultraschall-Untersuchungen können insbesondere die Nierengröße, aber auch die Beschaffenheit der Nierengefäße überprüft werden. Ferner sollte der Urin auf Eiweiß und Blutzellen untersucht werden sowie die Elektrolyt-, Kreatinin- und Harnstoff-Werte im Blut bestimmt werden. Mit Hilfe dieser Werte kann der Arzt die Nierenfunktion besser beurteilen.

Normalisierung und Stabilisierung

Bei der Hochdruckbehandlung steht zunächst die Senkung des Blutdrucks im Vordergrund, da hoher Blutdruck die Nierenfunktion ungünstig beeinflusst und auch andere Organe wie das Herz schädigt. Der Arzt sollte außerdem prüfen, ob eine vorhandene Nierenerkrankung behandelt werden kann. Eine Nierenarterienverengung zum Beispiel kann im Rahmen einer Katheter- Untersuchung erweitert werden. Ist diese erfolgreich, normalisiert sich in der Regel der Blutdruck und auch die Nierenfunktion stabilisiert sich. Da eine eingeschränkte Nierenfunktion plus Bluthochdruck das Risiko besonders für Herz- Kreislauf-Erkrankungen erhöht, ist eine konsequente Blutdrucknormalisierung mit Stabilisierung der Nierenfunktion von besonderer Bedeutung. Wenn Bluthochdruck bei einer bekannten Nierenerkrankung nachgewiesen wird, dann ist ein gesunder Lebensstil ein wichtiger Teil der Behandlung. Dazu gehört insbesondere das Vermeiden von Rauchen. Außerdem sollten die Betroffenen salzarm essen. Ausgenommen sind Patienten mit Nierenerkrankungen, die mit Salzverlust einhergehen. Darüber sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt sprechen. Manche Nierenerkrankungen führen zu Ödemen, das heißt zu Wassereinlagerungen ins Gewebe. Deshalb sollten Betroffene ihr Gewicht regelmäßig kontrollieren und darauf achten, ob ihr Körper Wasser ansammelt.

Verschlechterung verhindern

Eine bedeutende Rolle spielt gerade bei Nierenhochdruck die medikamentöse Therapie. Hier reicht nur ein Medikament normalerweise nicht aus. Sinnvoll ist daher der Gebrauch von Kombinationspräparaten, die als eine der Substanzen meist ein Entwässerungsmittel (Diuretikum) enthalten. Um bei Nierenkranken mit Bluthochdruck die Verschlechterung der Nierenfunktion zu verzögern, eignen sich als Blutdruckmedikamente erfahrungsgemäß ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten recht gut. Entscheidend ist bei jeder medikamentösen Therapie eine sehr strikte Blutdruckeinstellung. Es sollte dabei jedoch nicht zu Nebenwirkungen wie Schwindel oder Kreislaufinstabilität kommen. Hier sind enge Absprachen mit dem Hausarzt und eine möglichst engmaschige Kontrolle der Blutdruckund Nierenwerte erforderlich. Wird eine Nierenerkrankung als Ursache des Hochdrucks frühzeitig erkannt, so können die Betroffenen gezielter behandelt werden. Folgeerkrankungen wie ein Schlaganfall werden hinausgezögert oder sogar vermieden. Außerdem kann durch eine konsequente Hochdrucktherapie die Verschlechterung der Nierenfunktion abgemildert oder sogar deutlich hinausgezögert werden. Das bedeutet, dass eine Behandlung mit der künstlichen Niere (Dialyse) ebenfalls hinausgezögert oder sogar vermieden werden kann.

Autor

Professor Dr. Karlwilhelm Kühn ist Regionalbeauftragter der Deutschen Hochdruckliga. Er war bis zum Eintritt in den Ruhestand im April 2008 Direktor der Klinik für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Nephrologie und Rheumatologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 01/2009. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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