Positive Wirkung von Yoga

Seit mehr als 100 Jahren erfreut sich Yoga in der westlichen Welt wachsender Beliebtheit. Lange Zeit belächelten Skeptiker Yoga als esoterisch angehauchte Gymnastik, doch inzwischen belegen wissenschaftliche Studien die positive Wirkung auf Lebensqualität und einige Erkrankungen.

Yoga ist eine altindische philosophische Lehre, deren Wurzeln weit über 2000 Jahre zurückreichen. Der Name „Yoga“ steht im Sanskrit für Joch oder Vereinigung: Damit ist sowohl die Verbindung von Mensch und Gott gemeint als auch die von Körper und Seele. Ursprünglich diente Yoga der inneren Sammlung und Konzentration, um mit Gott eins zu werden. Dabei begleiteten Meditationen den Menschen auf seinem spirituellen Weg zur Erleuchtung. Hinzu kamen körperliche Übungen zur Kräftigung und Mobilisierung des Körpers, um möglichst lange beschwerdefrei im Meditationssitz verharren zu können. Schon früh wurden deren positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Menschen erkannt. Und so entwickelten sich neben den Meditationen immer weitere Körperübungen.

Weltweit verbreitet

Obwohl die Wurzeln der Lehre im Hinduismus und zum Teil im Buddhismus liegen, wird Yoga heute von Menschen unterschiedlichster Religionen und Weltanschauungen praktiziert. Dabei entstanden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Ausprägungen. Während einige Stilrichtungen ihren Schwerpunkt stärker auf geistige Konzentration legen, entwickelten sich viele andere, in denen körperliche Übungen mit Atemtechniken, Konzentrations- und Entspannungsübungen verbunden waren. In Nordamerika und Europa sind vor allem körperbetonte Stilrichtungen verbreitet, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und Körper, Geist und Seele in Einklang bringen wollen. In den vergangenen Jahren bildeten sich außerdem moderne Interpretationen heraus, die verschiedene Stilrichtungen verbinden oder Yoga mit anderen Entspannungstechniken kombinieren.

Weit verbreitete Stilrichtungen des Yoga:

  • Hatha-Yoga
    Im Westen verbreitete Form mit körperbetonten Übungen
  • Kundalini-Yoga
    Dynamische Körperübungen verbunden mit Atem- und Meditationstechniken
  • Ashtanga-Yoga
    Traditionelle Form des Hatha-Yoga verbunden mit Atemübungen
  • Bikram-Yoga
    Übungen des Hatha-Yoga, die bei 38 bis 40 Grad Raumtemperatur durchgeführt werden

Qualifizierter Unterricht

Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass sich Yoga positiv auf bestimmte Erkrankungen auswirkt. Das gilt insbesondere für Depressionen, Schmerzzustände sowie Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Yoga- Kurse werden von vielen gesetzlichen Krankenkassen mit bis zu 80 Prozent der Kosten bezuschusst. Wichtiger Anhaltspunkt für die Qualität eines Kurses ist die Ausbildung der Übungsleiterinnen. Wer beispielsweise durch den Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland zertifiziert ist, muss selber an mindestens 720 Unterrichtsstunden teilgenommen haben. Deshalb empfiehlt sich vor Kursantritt, nach Art und Dauer der Ausbildung des Kursleiters zu fragen.

Yoga gegen Vorhofflimmern

Der Kardiologe Dr. Dhanunjaya Lakkireddy aus Kansas City, USA, berichtete auf dem Kongress des American College of Cardiology am 2. April 2011 in New Orleans, dass Yoga Episoden von Vorhofflimmern verringern kann. Lakkireddy führte eine kleine Studie durch, an der 49 Patienten mit vorübergehendem (paroxysmalem) Vorhofflimmern teilnahmen. In den ersten drei Monaten sollten die Studienteilnehmer verstärkt körperlichen Aktivitäten nachgehen, die ihnen Spaß machten. In den folgenden drei Monaten nahmen die Patienten dreimal pro Woche an einem Programm mit Atemübungen, Yoga- und Entspannungsübungen sowie Meditation teil. Die Patienten sollten die Übungen auch täglich zu Hause durchführen. Während der Untersuchung trugen die Teilnehmer einen Monitor zur Aufzeichnung von Flimmer-Episoden. In der Phase mit den Yogaübungen reduzierte sich die Häufigkeit der Vorhofflimmer-Episoden von durchschnittlich 3,8 auf 2,1 - was einem Rückgang um 45 Prozent entspricht. Die Zahl der gefühlten Episoden (Phantom-Herzstolperer), bei denen keine Herzrhythmusstörungen auftraten, reduzierte sich von 2,6 auf 1,4. Überhaupt keine Herzrhythmusstörungen hatten 22 Prozent der Teilnehmer. Außerdem verbesserte sich die Lebensqualität der Patienten signifikant, insbesondere Ängste und depressive Verstimmungen ließen nach. „Es sieht so aus, als würde Yoga die Auslöser, die Vorhofflimmern verursachen, abschwächen“, interpretierte Lakkireddy das Ergebnis vorsichtig. „Doch wir sagen nicht, dass Yoga gegen alles hilft, und selbstverständlich empfehlen wir den Patienten, ihre Medikamente weiter einzunehmen“. Auf die Idee, die Wirkung von Yoga auf Herzrhythmusstörungen zu untersuchen, kam der Kardiologe durch eine Patientin. Ihre Herzrhythmusstörungen besserten sich erheblich, nachdem sie angefangen hatte, regelmäßig Yoga zu üben. Vorhofflimmern ist die häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung, von der in Deutschland rund 300.000 Menschen betroffen sind. Im Gegensatz zu Kammerflimmern ist Vorhofflimmern nicht lebensbedrohlich. Die Patienten bemerken etwa 70 Prozent der Vorhofflimmer-Attacken nicht und leiden meist unter unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Herzstolpern oder Schlafstörungen.

Asiatische Heilkunde

Überlieferte Heilkunst aus China, Japan, Indien und Tibet fasziniert die Menschen in Europa. Auf der Suche nach wirksamen und verträglichen Heilmethoden interessieren sich viele Menschen für diese Verfahren. Die Stiftung Warentest stellt in ihrem Ratgeber die gängigsten Heilsysteme vor und erläutert die geschichtlichen Zusammenhänge und geografischen Besonderheiten. Ergänzt werden die Beschreibungen durch eine kritische Bewertung von Wirksamkeit und Risiken der Verfahren durch einen Experten für alternative Heilverfahren, Professor Edzard Ernst.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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