Passivrauchen erhöht Blutdruck bereits bei Vorschulkindern

Privatdozentin Dr. med. Elke Wühl und Professor Dr. med. Franz Schaefer

Heidelberger Ärzte konnten in einer Kindergarten-Studie nachweisen, dass Passivrauchen der Eltern den Blutdruck von Vorschulkindern erhöht.

Das Blutdruckniveau eines Menschen wird durch vielfältige Einflüsse wie Alter, Geschlecht, Ernährung, Rauchen, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes bestimmt. Auch das Vorliegen von Nierenerkrankungen und noch viele weitere Faktoren spielen dabei eine mehr oder weniger große Rolle. Wahrscheinlich entsteht die Anlage zum Bluthochdruck nicht erst im Erwachsenenalter, sondern wird bereits vor der Geburt und in den ersten Lebensjahren festgelegt. In Studien wurde nachgewiesen, dass ein niedriges Geburtsgewicht und eine frühe Geburt das Risiko eines Menschen erhöht, im Erwachsenenalter an Bluthochdruck zu erkranken. Das gilt ebenso für mütterliches Rauchen oder einen zu hohen Blutdruck der Mutter während der Schwangerschaft. Bislang wurde aber noch nicht umfassend untersucht, ob diese Risikofaktoren, die beim Erwachsenen Bluthochdruck begünstigen, schon bei Kindern den Blutdruck nach oben treiben. Bekannt ist jedoch, dass es ein so genanntes ‚Tracking’ des Blutdrucks gibt. Das bedeutet, Kinder mit erhöhtem Blutdruck haben später ein höheres Risiko für Bluthochdruck und Erwachsene mit Bluthochdruck hatten wahrscheinlich schon im Kindesalter höhere Blutdruckwerte. Vor diesem Hindergrund erscheint es besonders wichtig, schon sehr früh und möglichst bereits im Kindesalter Risikofaktoren zu erkennen und falls möglich auch zu vermeiden.

Risikofaktoren bei Vorschulkindern

Im Rahmen einer Studie wurde während der Einschulungsuntersuchungen bei über 4.200 Vorschulkindern aus Heidelberg und dem Rhein- Neckar-Kreis der Blutdruck gemessen. Außerdem wurden die Eltern zu bekannten oder vermuteten Risikofaktoren für Bluthochdruck befragt und zur Gesundheit ihres Kindes. Dabei wurden zum einen Faktoren erfasst, die Kinder bereits vor der Geburt beeinflussen wie Geburtsgewicht und Schwangerschaftsdauer sowie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft. Zum anderen wurden familiäre und Umwelteinflüsse ermittelt wie Übergewichtigkeit der Kinder oder Eltern, Angaben zum elterlichen Zigarettenkonsum sowie weitere familiäre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, andere Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. In der Heidelberger Kindergarten-Studie (publiziert online in Circulation, 10. Januar 2011) ließen sich bereits bei Kindern im Alter zwischen 5 und 6 Jahren mehrere signifikante Einflussfaktoren auf den Blutdruck nachweisen. Eine große Rolle spielte schon in diesem Alter das Gewicht. Bei übergewichtigen Kindern war der obere (systolische) Blutdruck im Durchschnitt fast 4 mm Hg höher als bei normalgewichtigen Kindern, fettleibige Kinder lagen sogar 6 mm Hg höher. Weitere Risikofaktoren für einen höheren Blutdruck waren ein niedriges Geburtsgewicht, mütterlicher Bluthochdruck während der Schwangerschaft, elterlicher Bluthochdruck und Passivrauchen.

Passivrauchen – ein vermeidbarer Risikofaktor

Bislang war der schädliche Einfluss des Passivrauchens auf das Herz-Kreislauf-System nur für Erwachsene nachgewiesen worden: Passivrauchen führt zu Störungen der Gefäßfunktion, Bluthochdruck und einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. In der vorliegenden Studie konnte erstmals bereits bei Vorschulkindern ein Effekt des Passivrauchens auf den Blutdruck gezeigt werden. In rund 33 Prozent der befragten Familien wurde geraucht. Bei den Kindern aus diesen Familien lag der obere Blutdruck im Schnitt 1 mm Hg höher und der untere Blutdruck 0.5 mm Hg höher als bei Kindern aus Nichtraucher-Familien. Die Wahrscheinlichkeit einen höheren Blutdruck zu haben, war bei passivrauchenden Kindern um 21 Prozent erhöht. Der absolute Unterschied erscheint zwar nicht allzu groß, doch zum blutdrucksteigernden Effekt des Passivrauchens addieren sich weitere Faktoren: Je mehr Risikofaktoren bei den Kindern vorlagen wie Bluthochdruck oder Übergewicht der Eltern (siehe Abbildung), desto höher war ihr Blutdruck.

Vorbeugende Maßnahmen

Nur wenige Risikofaktoren für Bluthochdruck (siehe Abbildung) sind direkt beeinflussbar. Umso wichtiger erscheint es, vermeidbare Risiken zu minimieren. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen sollte daher auf eine möglichst gesunde Lebensweise geachtet werden. Neben einer ausgewogenen Ernährung zur Gewichtsoptimierung gehören dazu auch effektive Maßnahmen für eine rauchfreie Umgebung. Unterstützt wurde das Projekt durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung, die Günter Reimann- Dubbers Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Schweizerische Hypertonie Gesellschaft.

Autoren

Privatdozentin Dr. med. Elke Wühl ist Oberärztin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Heidelberg, Sektion für Pädiatrische Nephrologie. Sie ist Fachärztin für Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Nephrologie und Hypertensiologin DHL®.

Professor Dr. med. Dr. h.c. Franz Schaefer ist Leiter der Sektion für Pädiatrische Nephrologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Heidelberg und Leiter des KfH-Nierenzentrums für Kinder- und Jugendliche, Heidelberg. Er ist Facharzt für Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Nephrologie und Hypertensiologe DHL®. In der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie ist er Sprecher des Arbeitskreises Hypertonie.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 01/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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