Nebenwirkungsarme Blutdrucksenkung

Alle derzeit verfügbaren blutdrucksenkenden Medikamente können Nebenwirkungen haben. Doch der Nutzen der Blutdrucksenker überwiegt bei weitem.

Das oberste Ziel der Behandlung von Bluthochdruck- Erkrankten ist die effiziente und nebenwirkungsarme Senkung des Blutdrucks. Jede medikamentöse Therapie hat unerwünschte Nebenwirkungen, das gilt auch für Blutdrucksenker. Doch deren Nutzen überwiegt bei weitem, denn sie senken den Blutdruck und damit das Risiko für Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Wie oft Nebenwirkungen vorkommen ist sehr unterschiedlich und unter anderem von der Art des Arzneimittels abhängig. Bei allen derzeit verfügbaren blutdrucksenkenden Medikamenten können Nebenwirkungen auftreten. Entsprechend den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga stehen für die Blutdrucksenkung fünf Substanzklassen im Mittelpunkt: ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Kalziumantagonisten, Betablocker und Diuretika, insbesondere Thiaziddiuretika. Aufgrund ihrer blutdrucksenkenden Wirkung können alle Blutdrucksenker zu Nebenwirkungen führen wie Schwindel, Benommenheit und zu niedriger Blutdruck. Außerdem kann es wie bei allen Medikamenten gelegentlich zu allergischen Reaktionen kommen. Die üblichen blutdrucksenkenden Medikamente wie ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, die meisten Kalziumantagonisten, Betablocker und Thiaziddiuretika sollten bis auf einige Ausnahmen nicht von Schwangeren genommen werden. Denn einige der Mittel können das ungeborene Kind schädigen, bei anderen ist nicht ausreichend gesichert, dass sie es nicht tun. Das sicherste blutdrucksenkende Medikament für Schwangere ist Methyldopa.

Typische Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen
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Außer den Nebenwirkungen, die bei allen blutdrucksenkenden Medikamenten auftreten können, gibt es je nach Medikamentenklasse typische Nebenwirkungen (siehe Tabelle). Eine typische Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist ein oft sehr störender, aber nicht bedrohlicher trockener Reizhusten. Dieser kann bei bis zu 10 Prozent der Betroffenen auftreten. Deren Therapie kann auf einen AT1-Antagonisten umgestellt werden. Eine sehr seltene Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist das so genannte Angioödem, eine Haut- beziehungsweise Schleimhautschwellung. Bei mildem Verlauf sind lediglich Augenlider oder Lippen betroffen, bei schweren Formen kann es zur Schwellung von Kehlkopf, Rachen und/oder Zunge kommen, im schlimmsten Fall ist das Leben des Patienten bedroht. Die Betroffenen sollten dann direkt ihren Arzt kontaktieren. Gelegentlich können Nierenfunktionsstörungen auftreten oder verstärkt werden. Eher selten steigt der Kaliumspiegel des Blutes.

Die AT1-Antagonisten sind sehr gut verträglich. In großen wissenschaftlichen Studien führte die Behandlung mit ihnen ebenso selten zu Nebenwirkungen wie die Therapie mit einem Scheinmedikament. Zu Beginn der Einnahme kann es zu den üblichen Nebenwirkungen der medikamentösen Blutdrucksenkung kommen wie Schwindel und zu niedriger Blutdruck. Aber höchstens 1 Prozent der Patienten leiden an Husten und weniger als 0,1 Prozent an Angioödemen. Gelegentlich verursachen AT1-Antagonisten einen Anstieg des Kaliumspiegels im Blut.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Kalziumantagonisten gehört Flushing: Die Haut rötet sich und fühlt sich wärmer an. Davon ist besonders häufig das Gesicht betroffen. Ebenso häufig kommt es zu Kopfschmerzen, Palpitationen (subjektiv empfundener starker Herzschlag) sowie Wassereinlagerungen an den Knöcheln. Bei einer Untergruppe der Kalziumantagonisten (Non-Dihydropyridin Typ: zum Beispiel Verapamil oder Diltiazem) kann es auch zur Verlangsamung des Herzschlags kommen.

Betablocker hemmen die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone binden sich an spezialisierte Zellstrukturen des Herz-Kreislauf- Systems, die so genannten Beta- Rezeptoren, und lösen dort ein biochemisches Signal aus. Es gibt zwei unterschiedliche Typen von Beta-Rezeptoren: Beta1-Rezeptoren regulieren den Blutdruck, Beta2-Rezeptoren steuern unter anderem die Muskulatur der Bronchien. So genannte selektive Betablocker wirken nur auf Beta1-Rezeptoren. Unselektive Betablocker wirken auf Beta1-Rezeptoren und Beta2-Rezeptoren. Durch die Hemmung des Beta2-Rezeptors können sich die Bronchien verengen, so dass sich eine obstruktive (verengende) Atemwegserkrankung verschlechtern kann. Dies ist stärker ausgeprägt bei unselektiven Betablockern wie Propranolol, weniger stark bei Beta1-selektiven Betablockern wie Metoprolol. Außerdem können Betablocker die Herzfrequenz verlangsamen (Bradykardie). Bestehende Durchblutungsstörungen der Extremitäten können durch Betablocker verstärkt werden. Insbesondere zu Beginn der Behandlung kann es gelegentlich zu allgemeinen Beschwerden kommen wie Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Schwindelgefühle oder Schlafstörungen. Vereinzelt können Männer infolge der Behandlung mit Betablockern unter sexuellen Funktionsoder Potenzstörungen leiden.

Als Diuretika (Entwässerungsmittel) werden in der blutdrucksenkenden Langzeittherapie häufig Substanzen aus der Gruppe der Thiaziddiuretika verwendet. Sie erhöhen die Salz- und Wasserausscheidung der Nieren und wirken so blutdrucksenkend. Dieser Wirkungsansatz erklärt auch einige ihrer Nebenwirkungen. So kann es zu einer Senkung des Natriumspiegels und auch des Kaliumspiegels im Blut kommen. Durch Thiaziddiuretika kann außerdem der Harnsäurespiegel im Blut ansteigen, was in seltenen Fällen einen Gichtanfall auslöst. Außerdem haben Studien gezeigt, dass sich Thiaziddiuretika insbesondere in höheren Dosierungen negativ auf den Zuckerstoffwechsel auswirken können. Somit steigt für Nicht-Diabetiker das Risiko eine Diabeteserkrankung zu entwickeln, während bei Diabetikern der Blutzuckerspiegel ansteigen kann.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Manche Hypertoniker setzen ihre Medikamente ab, weil sie unter den Nebenwirkungen leiden. Doch gerade bei Bluthochdruck kann das Risiko für Folgeerkrankungen nur durch die kontinuierliche langfristige Einnahme der Medikamente in der empfohlenen Dosierung verringert werden. Um dieses Ziel mit möglichst wenig Medikamenten und möglichst wenig Nebenwirkungen zu erreichen, sollten Bluthochdruck-Erkrankte gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit das richtige Medikament in der individuell besten Dosis herausfinden.

Autor

Professor Dr. Ulrich Kintscher ist Professor für Pharmakologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Center for Cardiovascular Research (CCR), Institut für Pharmakologie. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 01/2009. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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