Forschungsansätze zu Therapie(treue) und Prävention von Bluthochdruck gewürdigt11.11.2017 | Deutsche Hochdruckliga e.V. [+]

Anlässlich des 41. Wissenschaftlichen Kongresses wurden Wissenschaftspreise im Gesamtvolumen von 21 Tausend Euro vergeben.

Bluthochdruck wird von der World Health Organisation (WHO) seit vielen Jahren als das weltweit größte Gesundheitsrisiko bezeichnet. Rund 10,7 Millionen vorzeitige Todesfälle und 211,8 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre werden durch Hypertonie verursacht. In Deutschland leidet nach Schätzungen jeder Dritte an Bluthochdruck. Um dieser Volkskrankheit entgegenzuwirken, fördert die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention die Forschung zu neuen Therapien und Diagnoseverfahren mit Wissenschaftspreisen im Gesamtvolumen von 21 Tausend Euro.

„Es ist uns als Fachgesellschaft schon immer ein wichtiges Anliegen, mit Wissenschaftspreisen die Hypertonieforschung zu fördern und voranzubringen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der DHL® Professor Dr. med. Bernhard Krämer. „Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr wichtige Beiträge aus der Grundlagenforschung und aus den Bereichen der Prävention und der Förderung von Therapietreue auszeichnen konnten.“

Der Franz-Gross-Wissenschaftspreis wird verliehen in Anerkennung für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Hochdruckforschung und für das Engagement für die Aufgaben und Ziele der Deutschen Hochdruckliga. Er ist der höchste Preis der DHL® und geht in diesem Jahr an Professor Dr. med. Joachim Hoyer, Direktor der Klinik für Innere Medizin, Nephrologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Marburg und langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und wird auf Beschluss des Vorstandes vergeben. Prof. Hoyer hat herausragende Arbeiten zum Thema endothelialer Ionenkanäle, insbesondere Kaliumkanäle, zu EDHF (endothelium-derived hyperpolarizing factor) und zur Blutdrucksenkung durch eine AV-Fistelvorgelegt.

Die Franz-Gross-Medaille 2017 erhält Dr. med. Siegfried Eckert, von der Klinik für Kardiologie des Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen, das der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum angehört. Gewürdigt werden mit dieser Medaille große Verdienste um die Hypertonieforschung und um die Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung des Bluthochdrucks, dessen Folgeerkrankungen und Therapie insbesondere im Rahmen von umfangreichen federführend durch den Preisträger entwickelten Patientenschulungsprogrammen.

Der Forschungspreis „Dr. Adalbert-Buding“ der Dr. Adalbert-Buding Stiftung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum, die neue Erkenntnisse auf dem Gebiet des Bluthochdrucks gewonnen haben. Preisträger des mit 5.000 Euro dotierten Preises ist in diesem Jahr Dr. Alexander Zink von der TU München mit seiner Arbeit „Neue Perspektiven zur Gesundheitsprävention: Prävention von Hypertonie, Hypakusis und Gleichgewichtsstörungen im „echten“ Leben beim Münchner Oktoberfest“. Die ausgezeichnete Arbeit hat außerhalb eines medizinischen Settings im Rahmen des Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest am Rande des Oktoberfests 2016 Besuchern einen Gesundheitscheck angeboten. Mit diesem wurde erhoben, wie häufig die Erkrankungen im „echten Leben“ vorkommen. Die Prävalenzen zeigten sich als sehr hoch, auch wenn die Zahlen für die Hypertonie geringer ausfielen, als in vorliegenden Studien berichtet. Dr. Alexander Zink fordert in seiner Arbeit neuartige Präventionsansätze, um auch die Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die nicht regelmäßig einen Arzt aufsuchen.

Junior-Professorin Dr. med. Ute Scholl vom Universitätsklinikum Düsseldorf erhält in diesem Jahr den „Dieter-Klaus-Förderpreis“ der Deutschen Hypertonie Stiftung DHS®, der mit 2.500 Euro dotiert ist, für ihre Arbeit „Makrolide hemmen selektiv mutierte KCNJ5-Kaliumkanäle in Aldosteron-produzierenden Adenomen“. Mit diesem Preis zeichnet die Hochdruckliga Arbeiten auf dem Gebiet der experimentellen, klinischen oder epidemiologischen Hochdruckforschung aus. Dr. med. Ute Scholl gelang es, Makrolide als Wirkstoff zu identifizieren und herzustellen, die in einem Zellmodell genetisch mutierte Kaliumkanäle blockieren. Von Bedeutung könnte dies für eine künftig verbesserte Diagnose und Behandlung des häufigsten Falles der sekundären Hypertonie, dem primären Hyperaldosteronismus sein. Bei diesem produziert die Nebenniere zu große Mengen des Blutdruckhormons Aldosteron, etwa aufgrund eines gutartigen hormonproduzierenden Tumors. Rund vierzig Prozent dieser Tumore tragen tumorspezifische Mutationen im Gen KCNJ5.  Dr. Scholl und ihr Team haben einen Hemmstoff entwickelt, der gezielt nur die mutierten, nicht aber die normalen KCNJ5-Kanäle blockiert.

Den Förderpreis der deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® für Sport und nicht-medikamentöse Therapie bei Bluthochdruck erhält in diesem Jahr Daniel Goeder von der TU München für seine Masterarbeit im Studienfach Bewegung und Gesundheit „Acute post exercise effects on peripheral and central blood pressure during a 24-hour ambulatory blood pressure monitoring“. Der Preis ist mit 1.200 Euro dotiert. Die Masterarbeit hat den Zusammenhang zwischen einer Ausdauerbelastung und dem zentralen Blutdruck im 24-stündigen Verlauf untersucht,. In der Studie wurden bei 25 Teilnehmern der periphere systolische wie auch der zentrale systolische Blutdruck in Ruhe sowie nach einer Belastung bis zur Erschöpfung auf dem Fahrradergomenter im 24-Stunden-Verlauf gemessen. Es zeigte sich eine Absenkung unter den Ruhewert beim zentralen systolischen Blutdruck während der ersten sechs Stunden nach der Belastung. Der periphere systolische Blutdruck zeigte hingegen nur in der Nacht eine Absenkung. Die Studie konnte damit eine unterschiedliche Wirkung von sportlicher Aktivität auf den peripher und den zentral gemessenen Blutdruck zeigen.

In diesem Jahr vergibt die DHL® erstmals den Förderpreis der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® für vorbildliche Projekte zur Verbesserung der Therapietreue. Den mit 1.500 Euro dotierten Preis erhält Professor Dr. med. Koziolek, Universitätsmedizin Göttingen, stellvertretend für alle Mitwirkenden, für das interdisziplinäre Projekt „Analyse von Therapieadhärenz bei Patienten mit hypertensiver Entgleisung“. In die Studie wurden 100 Patienten eingeschlossen, die mit einer hypertensiven Krise – einer unangemessenen Erhöhung des Blutdrucks, die eine sofortige Behandlung erfordert – in die Notaufnahme kamen. Ziel war es, unter anderem die Therapietreue der Patienten zu analysieren und auf dieser Basis Lösungsvorschläge zu erarbeiten, um die Adhärenz zu verbessern. In der Studie konnte erstmals mittels einer direkten Adhärenzmessung der Zusammenhang zwischen Non-Adhärenz und hypertensiver Krise aufgedeckt werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Einnahme frei verkäuflicher Medikamente wie beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) für das Auftreten einer hypertensiven Krise eine wesentliche Rolle spielen könnten. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die Bluthochdruck-Patienten betreuen, den Themen Adhärenz und Co-Medikation mehr Aufmerksamkeit widmen sollen.

Über die Wissenschaftspreise hinaus wird auch gezielt der wissenschaftliche Nachwuchs bis zum vollendeten 35. Lebensjahr gefördert. Im Vorfeld des Kongresses hat die DHL® an fünfzehn jüngere Teilnehmer mit dem Young Investigator Award jeweils ein Reisestipendium in Höhe von je 120 Euro vergeben.

Mit den „Best-of- …“-Preisen hat die DHL® zudem die besten eingereichten Vorträge sowie Poster von jungen Wissenschaftlern mit einem Reisestipendium prämiert. Die Preisträger haben ihre Arbeiten in gesonderten Sitzungen auf dem Kongress präsentiert. Am 11. November wurden zusätzlich die drei besten Vorträge und Poster mit einem Preisgeld von 200 bis 500 Euro ausgezeichnet. „Best-of- …“-Preise wurden verliehen an Benedikt Linz; Uniklinikum des Saarlandes Homburg; Dennis Kannenkeril, University Hospital Erlangen; Fabian Tomschi, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin Köln Deutsche Sporthochschule Köln; Elias Rawish, Universität Lübeck; Martina Maase, Uniklinik Münster Institute of Physiology II; Manuel Wallbach, Universitätsklinikum Göttingen; Annett Juretzko, Universitätsmedizin Greifswald; Agnes Bosch, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg; Agnes Bosch, University Hospital Erlangen; Mario Kaßmann, Charité Universitätsmedizin Berlin; Iris Betz; Center for Cardiovascular Research (CCR) Charité Universitätsmedizin Berlin; Felix Seibert, Universitätsklinkum Marien Hospital Herne; Isabelle Brandt, University Hospital Essen Institute for General Medicine und Mina Yakoub, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Die Preisvergabe fand im festlichen Rahmen des 41. Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention statt, der in diesem Jahr zusammen mit der 11. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Mannheim stattgefunden hat.

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