Blutdruck richtig messen: Deutsche Hochdruckliga sieht Aufklärungsbedarf hinsichtlich Messung und Qualität der Blutdruckmessgeräte02.06.2016, 13:49 | Betroffene und Laien [+]

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Grundlage für eine erfolgreiche Bluthochdrucktherapie ist immer auch ein korrekt gemessener Blutdruck. Hier besteht nach Ansicht der Deutschen Hochdruckliga weiterhin Aufklärungsbedarf – für die Blutdruckmessung zu Hause, aber auch in der Praxis, Klinik, Apotheke oder im Pflegeheim durch die Ärzte oder Fachkräfte.

Da der Blutdruck im Tagesverlauf schwankt, ist eine einzelne Messung wenig aussagekräftig. Deswegen muss die Messung in der Praxis durch Selbstmessung ergänzt werden. Die beste Möglichkeit, die richtigen Werte zu messen, ist für Erwachsene die Blutdruckselbstmessung, vorausgesetzt es wird die richtige Messmethodik angewandt, über die auch der Hausarzt oder Apotheker informiert. Der Blutdruck sollte zu Hause immer zur selben Zeit über einen längeren Zeitraum gemessen werden.

Daneben ist auch darauf zu achten, dass automatisch messende Blutdruckmessgeräte validiert sind, unabhängig davon, ob sie zu Hause oder in der Praxis eingesetzt werden. Das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga garantiert eine neutrale Prüfung durch unabhängige Institute unter strengen, standardisierten und klar reglementierten Bedingungen in Deutschland. Blutdruckmessgeräte müssen als Medizinprodukte eine bestimmte Messgenauigkeit aufweisen, so die Hochdruckliga. Sie liefern aber nicht immer verlässliche Werte. Die Messgenauigkeit vieler Geräte wird oft allein durch eine in Asien gefertigte Studie nachgewiesen, die den Anforderungen der Hochdruckliga aber nicht genügt. Das Prüfsiegels der Deutschen Hochdruckliga geht daher über die Kriterien der Prüfung als Medizinprodukt hinaus.

Gerätetests werden in unregelmäßigen Abständen, beispielsweise auch durch die Stiftung Warentest, durchgeführt. In der Ausgabe 5/2016 hat die Stiftung Warentest einen neuen Blutdruckmessgerätetest veröffentlicht. Der Test wurde inzwischen von der Stiftung Warentest korrigiert, ein Oberarmgerät mit digitaler Schnittstelle wurde irrtümlich wegen fehlender Datensicherheit abgewertet. Dieses Urteil wurde zwischenzeitlich durch die Stiftung Warentest revidiert. Das Vorgehen der Stiftung Warentest bewertet die Hochdruckliga auch aus anderen Gründen als kritisch:

Testpersonen mit Herzunregelmäßigkeiten (Arrhythmien) können Testmessungen verfälschen. Messabweichungen werden beim Testen gegebenenfalls dem Gerät angelastet, obgleich sie auf die fehlende Messbarkeit der Probanden mit Arrhythmien zurückzuführen sind. Je kleiner die Menge der Probanden, umso wahrscheinlicher ist ein verfälschtes Ergebnis. Die Deutsche Hochdruckliga setzt daher bei ihren Messungen eine deutlich größere Probandenanzahl von 96 Personen ein, um mögliche Messfehler auszuschließen. Von der Stiftung Warentest wurden die Geräte an lediglich 26 Probanden getestet.

Tendenziell erzielten die Handgelenksgeräte im aktuellen Test bessere Messergebnisse als die Oberarmgeräte, was die Hochdruckliga nicht für technisch plausibel hält. Das Urteil der Stiftung Warentest fällt zudem deutlich schlechter aus, als beim letzten Test 2010. Lediglich drei Geräte wurden mit einem „gut“ bewertet. Die Hochdruckliga hält es für unwahrscheinlich, dass sich die Messqualität der Geräte seit 2010 verschlechtert hat. Die Fachgesellschaft gibt zudem zu Bedenken, dass an jedem Probanden der Stiftung Warentest alle Geräte getestet wurden. Da ein Test mindestens 40 Minuten dauert, könnten die Messumstände die Beurteilung verfälscht haben. Bei den Tests der Hochdruckliga werden in aller Regel maximal zwei bis drei Geräte pro Tag an einem Probanden getestet.

Die über die Messgenauigkeit hinausgehenden Eigenschaften lassen sich objektiv nicht bewerten und in einem Gesamturteil abbilden. Genau das wurde aber von der Stiftung Warentest gemacht. Ob ein Gerät Akku oder Batteriebetrieben ist, darf das Testurteil z.B. nicht beeinflussen. Validierte Blutdruckmessgeräte sollten in der Apotheke oder im Sanitätshandel gekauft werden. Es ist wichtig, sich Geräte zeigen zu lassen und selbst auszuprobieren. Je nach Gerät fühlt sich die Manschette anders an, pumpt anders auf und macht andere Geräusche. Einige Geräte haben feste Schalen, andere faltbare Klettmanschetten. Es gibt inzwischen auch intelligente Geräte, die nur dann messen, wenn der Arm ruhig und auch auf Herzhöhe gehalten wird. Die Oberarm- oder Handgelenksmanschette sollte die für Sie passende Größe haben. Wichtig ist, dass die gemessenen Blutdruckwerte mit Datum und Uhrzeit notiert werden. In aller Regel sollte das Blutdruckmessgerät die Speicherung der Daten übernehmen. Es sei denn, man möchte die Werte von Hand notieren.

Einige Geräte verfügen über eine drahtlose oder kabelgebundene Schnittstelle zu einem digitalen Speichermedium. Die Messdaten werden gespeichert, können an den Arzt geschickt werden oder sind (graphisch) ausdruckbar. In aller Regel wird Ihr Blutdruckgeräteanbieter eine Datenspeicherung nur in einem herstellereigenen Medium zulassen. Das kann ein Programm für einen PC sein oder eine Smartphone-App. Bei der Speicherung in einer App werden Ihre Vitaldaten in aller Regel auf einem zentralen Server des Herstellers, nicht aber auf dem Smartphone gespeichert. In einigen Fällen verbleiben Ihre Messdaten auf dem Smartphone. Einige Gerätehersteller erlauben die Messdatenübertragung in eine beliebige App. Der App-Anbieter sollte Sie darüber informieren, ob die Messdaten im Smartphone oder extern auf einem anderen Server gespeichert werden. Ihre Daten sollten in Deutschland gespeichert werden, das gewährleistet ein hohes Datenschutzniveau. Auch darüber sollte Sie Ihr App-Anbieter informieren. Die Deutsche Hochdruckliga erarbeitet derzeit Gütekriterien, um gute, sichere und nützliche digitale Gesundheitshelfer zu bewerten. Nützlich ist es auch, wenn Sie noch andere Vitalwerte wie zum Beispiel das Körpergewicht, den Puls, das Schlafverhalten oder Ihre körperlichen Aktivitäten digital abspeichern können

In Zusammenhang mit der Blutdruckmessung fragen in letzter Zeit viele Patienten, ob sich Smartphone-Apps für die Blutdruckmessung eignen, die zunehmend in den App-Stores angeboten werden. Diese müssten als Medizinprodukt deklariert sein, sind es aber derzeit nicht. Die App-Storeanbieter sollten verpflichtet werden, diese Apps aus den Stores zu nehmen. Es muss vom Gesetzgeber ein Verbandsklagerecht geschaffen werden, um effektiv gegen fehlerhafte Deklarierung als Medizinprodukt vorgehen zu können, so die Hochdruckliga.

Einen Überblick über die von der DHL® validierten Geräte, weitere Informationen zur Blutdruckmessung und eine kleine Warenkunde finden Sie unter www.hochdruckliga.de/blutdruckmessgeraete.html.

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