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Für Mediziner

Konzeptionell neu aufgesetzte Summer School der Deutschen Hochdruckliga eröffnet neue Perspektiven

42 Nachwuchsforschende diskutierten am DLR in Köln aktuelle Erkenntnisse zur Hypertonieforschung und knüpften wertvolle Kontakte für ihre wissenschaftliche Laufbahn.

„Hypertonie und Organinteraktionen: Von Umwelteinflüssen zur Endorganschädigung“ lautete der Titel der Summer School rund um das Thema arterielle Hypertonie, die am 15. und 16. Juni 2026 im :envihab auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln stattfand.

Es war eine Premiere: Das in dieser Form erstmals veranstaltete Format richtete sich gezielt an den wissenschaftlichen Nachwuchs – medizinische Postdocs, Doktorand*innen sowie weitere Clinical Scientists in einer frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere. „Unser Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Gebiet der Hypertonie zu stärken“, sagt Prof. Dr. med. Johannes Stegbauer, Initiator und Co-Veranstalter der Summer School.

„Die wissenschaftlichen Aktivitäten in Deutschland sind international anerkannt, verteilen sich jedoch aufgrund der organübergreifenden Folgeerkrankungen auf mehrere Fachgesellschaften, darunter die für Kardiologie, Nephrologie, Neurologie oder Gynäkologie“, erklärt Stegbauer. Gerade darin liege jedoch auch eine Herausforderung: Viele Nachwuchsmediziner*innen entscheiden sich für eine der angrenzenden Fachrichtungen, sodass es an einer „kritischen Masse“ junger Forschender fehlt, die sich gezielt der Hypertonie widmen.

Veranstaltet wurde die Summer School von der Deutschen Hochdruckliga (DHL) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Gesponsert hat sie die Deutsche Hypertonie Stiftung (DHS) und das Kuratorium der DGfN. Das DLR stellte die Location für das zweitägige Event zur Verfügung.  

Wie spannend und relevant das Thema Blutdruckgesundheit ist, konnten die 42 Teilnehmenden in vier wissenschaftlichen Sessions an zwei Tagen erleben. Auf dem Programm standen unter anderem die Auswirkungen extremer Umweltbedingungen auf Herz, Nieren und Gefäße, Organschäden und resistente Hypertonie sowie die Rolle von Mikrobiom, Immunsystem und Stoffwechsel. „Das :envihab ist dafür ist dafür ein besonders geeigneter Rahmen, weil dort die Wirkung von Umweltfaktoren, die nicht nur für Astronaut*innen, sondern auch für Menschen auf der Erde relevant sind, unter hochkontrollierten Bedingungen untersucht wird“, so Co-Veranstalter Prof. Dr. med. Jens Jordan, Direktor des DLR Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin. Das Programm war bewusst interaktiv gestaltet und nicht als eine reine Vortragsreihe: Die Teilnehmenden stellten ihre laufenden und geplanten Projekte in Form von Vorträgen oder Postern vor und diskutierten sie dann gemeinsam.

Neben dem wissenschaftlichen Programm blieb auch Zeit zum Netzwerken und für Gespräche über Karrierewege in der Forschung. „Um die Bluthochdruckforschung sichtbarer zu machen und sie insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs attraktiv zu gestalten, ist eine gute Vernetzung nötig“, begründet Stegbauer.

Den Auftakt der einzelnen Sessions machten renommierte Referent*innen aus internationalen Forschungseinrichtungen, darunter Dr. Maria Lopez von der University of Virginia, Prof. Dr. Ebba Brakenhielm von INSERM sowie Dr. med. Lucas Lauder vom Universitätsspital Basel. 

Prof. Dr. med. Jens Tank aus der DLR-Abteilung „Kardiovaskuläre Luft- und Raumfahrtmedizin“ sprach über die menschliche Gesundheit im Weltraum. 

„Blutdruckforschung ist für viele Bereiche der Wissenschaft von Bedeutung und spielt auch bei Außeneinsätzen im Weltall eine Rolle. Gleichzeitig können aber auch Technologien der Luft- und Raumfahrtmedizin in die Patientenversorgung einfließen“, betont Jordan. 

Zum Abschluss der Veranstaltung erwartete die Teilnehmenden ein besonderes Highlight: eine exklusive Führung über das DLR-Gelände mit spannenden Einblicken in die europäische Raumfahrt. Dabei besuchten sie unter anderem das European Astronaut Centre der ESA mit originalgetreuen Trainingsmodellen der Internationalen Raumstation (ISS) sowie eine Mondsimulationsanlage, in der künftige Missionen zur Mondoberfläche vorbereitet werden.

„Mich persönlich haben vor allem die Experimente im Zusammenhang mit der Raumfahrt begeistert. Sie waren wirklich faszinierend“, lautete das Fazit eines Teilnehmenden im abschließenden Fragebogen. „Alle Vorträge waren durchweg ausgezeichnet. Mein Kompliment zu der hervorragenden Auswahl der Referentinnen und Referenten“, schrieb ein anderer Teilnehmer. Ein Doktorand hob zudem die gelungene Verbindung zwischen jungen und etablierten Wissenschaftler*innen hervor.

Link zum Programm: https://tinyurl.com/mrxesp3j 

Hintergrund
Arterielle Hypertonie ist weltweit die führende – und vermeidbare – Ursache kardiovaskulärer und renaler Morbidität und Mortalität und verantwortlich für rund zehn Millionen Todesfälle pro Jahr. 

Trotz moderner antihypertensiver Strategien bleibt die Blutdruckkontrolle in großen Teilen der Bevölkerung unzureichend. Die Ursachen sind vielfältig: fehlendes Krankheitsbewusstsein, die Komplexität der Blutdruckregulation, eine hohe Tablettenlast, mangelnde Adhärenz, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede sowie therapieassoziierte Nebenwirkungen.

Die Behandlung von Bluthochdruck ist ein wichtiger Baustein, um die Gesundheit von Herz, Gefäßen und Nieren langfristig zu erhalten und Stoffwechselerkrankungen vorzubeugen. Neben den komplexen Ursachen von Bluthochdruck untersucht die Forschung vor allem, wie Bluthochdruck Schäden an Gefäßen, Herz und Nieren verursacht.

Ziel der Bluthochdruckforschung ist es, präventive und therapeutische Strategien zu entwickeln, um das Auftreten einer Hypertonie und insbesondere eines hypertonieassoziierten Organschadens zu verhindern und dadurch Gefäß-, Herz- und Nierengesundheit zu bewahren.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Mikrobiom, Immunzellen, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und das sympathische Nervensystem zusammenwirken und zur Entstehung von Schäden an Herz, Nieren und Gefäßen durch Bluthochdruck beitragen. Ziel ist es, daraus neue Möglichkeiten zur Vorbeugung zu entwickeln und Herz, Nieren und Gefäße langfristig zu schützen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf neuen Medikamenten und Behandlungsmethoden zur Blutdrucksenkung. Dazu gehören beispielsweise Aldosteron-Synthasehemmer und siRNA-Therapien, die die Bildung von Angiotensinogen in der Leber hemmen, sowie interventionelle Verfahren wie die renale Denervation und die Barostimulation.