Kann Intervallfasten den Blutdruck senken und das Herz schützen? Aktuelle Studien zeigen positive Effekte auf Gefäße, Stoffwechsel und sogar die Herzfunktion nach einem Infarkt.
Intervallfasten, auch als zeitlich begrenztes Essen oder „Time-Restricted Eating“ (TRE) bekannt, hat sich in den vergangenen Jahren vom Ernährungstrend zu einem intensiv erforschten Gesundheitsthema entwickelt. Statt über den ganzen Tag verteilt zu essen, wird die Nahrungsaufnahme auf ein tägliches Zeitfenster begrenzt. Doch wirkt sich das tatsächlich auf Herz und Blutdruck aus?
Eine systematische Auswertung mehrerer Studien (Wang et al., 2022) zeigt, dass Intervallfasten den Blutdruck messbar senken kann. Teilnehmende mit Übergewicht oder Stoffwechselproblemen konnten im Mittel den systolischen Blutdruck um etwa 4 mmHg senken. Der diastolische Wert konnte zeitverzögert ebenfalls abgesenkt werden. Gleichzeitig verloren die Teilnehmenden etwas Gewicht und verbesserten leicht ihren Blutzucker. Schon moderate Blutdrucksenkungen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig reduzieren.
Dass neben dem Essensrhythmus auch die Lebensmittelauswahl eine Rolle spielt, zeigt eine randomisierte Studie mit Menschen mit Bluthochdruck Grad 1 (Zhou et al., 2024). Hier wurde die DASH-Ernährung – eine wissenschaftlich empfohlene Ernährungsweise zur Blutdrucksenkung – allein oder in Kombination mit einem achtstündigen Essensfenster untersucht. Beide Gruppen profitierten, doch die Kombination mit zeitlich begrenztem Essen führte zu einer stärkeren Blutdrucksenkung. Zusätzlich verbesserten sich die Natriumausscheidung über den Urin und der natürliche Blutdruck-Tagesrhythmus. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme in Kombination mit einer blutdruckfreundlichen Ernährung die Blutdruckregulation zusätzlich unterstützen kann.
Besonders spannend ist die Frage, ob Intervallfasten auch nach einem Herzinfarkt sicher ist und die Herzfunktion verbessern kann. Die INTERFAST-MI-Studie, eine kleine Pilotstudie am Uniklinikum Halle/Saale (Dutzmann et al., 2024) untersuchte Patientinnen und Patienten nach einem ST-Hebungsinfarkt über sechs Monate. Die Fastengruppe beschränkte ihre tägliche Essenszeit auf maximal acht Stunden. Das Ergebnis: Die Pumpfunktion des Herzens verbesserte sich deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Gleichzeitig sank der diastolische Blutdruck in der Fastengruppe, während er in der Vergleichsgruppe teilweise anstieg. Der systolische Blutdruck blieb weitgehend unverändert. Eine Senkung des diastolischen Wertes deuten auf eine verbesserte Gefäßfunktion sowie eine geringere Belastung des Herz-Kreislauf-Systems hin.
Zusammengenommen zeigen die Studien, dass Intervallfasten mehrere Faktoren beeinflussen kann, die für die Herzgesundheit wichtig sind: Blutdruck, Gefäßfunktion, Stoffwechsel und möglicherweise auch die Regeneration des Herzmuskels nach einem Infarkt. „Besonders wirksam erscheint die Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und einem gesunden Lebensstil“, so Dr. med. Kai Knöpp, Mitautor der INTERFAST-MI-Studie. Wichtig sei jedoch, betont er, dass Intervallfasten keine notwendige medizinische Therapie ersetze, sondern nur ergänzend eingesetzt werden kann. „Bei bestimmten Patient*innen z. B. insulinpflichtige Diabetiker*innen oder Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz empfehlen wir zuvor die Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, um nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung zu entscheiden.
Quellen
Wang X. et al. (2022). Beneficial effect of time-restricted eating on blood pressure: a systematic meta-analysis and meta-regression analysis. Nutrition & Metabolism.
DOI: 10.1186/s12986-022-00711-2
Zhou Y. et al. (2024). Effects of DASH diet with or without time-restricted eating in the management of stage 1 primary hypertension: a randomized controlled trial. Nutrition Journal.
DOI: 10.1186/s12937-024-00967-9
Dutzmann J. et al. (2024). Intermittent Fasting After ST-Segment Elevation Myocardial Infarction Improves Left Ventricular Function: The Randomized Controlled INTERFAST-MI Trial. Circulation: Heart Failure.
DOI: 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.123.010936