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Für Mediziner

Häusliche Blutdruckmessung

Wie oft ist ein Sieben-Tage-Messzyklus tatsächlich erforderlich?

Alle guten Dinge sind „eins“ – (un-)bedingt bei häuslicher Blutdruckmessung?!

Oxford – Die Bedeutung der häuslichen Blutdruckmessung bei der Behandlung der arteriellen Hypertonie hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Doch wie oft ist ein Sieben-Tage-Messzyklus tatsächlich erforderlich?

Bei der häuslichen Blutdruckmessung (englisch: home blood pressure measurement, HBPM) misst die Person ihren Blutdruck selbst zu Hause. Durch die Einbindung der Betroffenen wird das Verständnis für ihren Blutdruck gefördert und die Therapietreue verbessert. Insgesamt resultiert daraus eine bessere Blutdruckkontrolle. Es gibt derzeit jedoch nur wenige Belege, auf denen sich Empfehlungen zur optimalen Häufigkeit der Messungen zur Information der Behandlung stützen könnten.

Das Autorenteam untersuchte diese Fragestellung in einer Sekundäranalyse der Daten aus den Selbstüberwachungsgruppen der Studien HOMEBP und TASMINH4. Analysiert wurden Patienten mit einem häuslichen Blutdruck von mehr als 135/85 mmHg unter stabiler Medikation. Die Auswertung erfolgte mithilfe eines gemischten Effektmodells. Der primäre Endpunkt war die mittlere monatliche Veränderung des Blutdrucks. Ein sekundärer Endpunkt war unter anderem die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich erhöhten Blutdrucks im Zeitverlauf.

Insgesamt wurden 814 Studienteilnehmenden (232 aus HOMEBP und 582 aus TASMINH4) einbezogen. Die mittlere Veränderung des systolischen Blutdrucks pro Monat betrug in den beiden Studien 0,1 mmHg (Standardabweichung [SD] 0,6 mmHg) bzw. 0,2 mmHg (SD 0,7 mmHg).

Auf Basis der TASMINH4-Daten ergab sich bei einem anfänglichen systolischen Blutdruck von 130 mmHg bei einer erneuten Messung nach sechs Monaten eine Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent, dass der Blutdruck ≥135 mmHg lag. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent spiegelte dies einen tatsächlich erhöhten Blutdruck wider – entsprechend wurden deutlich mehr falsch-positive als echt-positive Erhöhungen festgestellt (3:1).

Nach zwölf Monaten lag die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Messwerts bei 26 Prozent, wobei in 65 Prozent der Fälle tatsächlich ein Anstieg des Blutdrucks vorlag.

Die Autoren schlussfolgerten, dass bei Menschen mit anfänglich kontrolliertem Blutdruck und stabiler Medikation eine Wiederholung der häuslichen Selbstmessung nach zwölf Monaten wahrscheinlich ausreichen könnte, um die Behandlung zu steuern.

Rose F et al, J Hypertens 2025;43:1863–70: Journal of Hypertension

Kurz kommentiert

Für die Übertragbarkeit der Daten in den praktischen Alltag sind einige Punkte hervorzuheben. Die analysierten Patienten befanden sich unter einer stabilen Medikation. Aus klinischer Sicht ist jedoch gerade der Zeitraum der Medikamententitration wichtig, um Ansprechen und Sicherheit der Therapie zu beurteilen. Wenn eine klinisch relevante Veränderung des Blutdrucks vermutet wird – etwa bei starker Hitze oder bei Symptomen wie Schwindel oder Müdigkeit –, sind zusätzliche Messungen sinnvoll.

In den untersuchten Studien waren Patienten mit chronischer Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus vermutlich unterrepräsentiert, obwohl gerade diese Gruppen eine höhere Blutdruckvariabilität aufweisen. Liegen solche Begleiterkrankungen vor – gegebenenfalls mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko –, sind ebenfalls häufigere Messungen zu empfehlen.

Ernüchternd sind kürzlich in JAMA Cardiology publizierte Ergebnisse einer amerikanischen Untersuchung: Obwohl Patienten mit unkontrollierter Hypertonie unter anderem kostenlose automatisierte Geräte zur häuslichen Blutdruckmessung sowie Schulungen erhielten, zeichnete knapp jeder dritte Teilnehmende während des siebentägigen Beobachtungszeitraums keine Messungen auf. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Klar ist jedoch: Übersichtlich dokumentierte häusliche Blutdruckwerte – etwa in einem Blutdrucktagebuch – aus einem siebentägigen Messzyklus unter standardisierten Bedingungen mit einem validierten Gerät können vom medizinischen Personal schnell und unkompliziert beurteilt werden und die Behandlung der Hypertonie verbessern.

Ihr Prof. Dr. Christian Ott
Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga
Klinikum Nürnberg