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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Online-Fotos der Blutdruckmessung sind in vielen Fällen fehlerhaft

Die Nutzung des Internets zur Informationsbeschaffung, auch in Gesundheitsfragen, ist allgegenwärtig. Die Bewertung von Online-Fotos einer Blutdruckmessung zeigten lediglich in 1 von 7 Fotos die korrekte Darstellung entsprechender Empfehlungen (1).

Die Messung des Blutdrucks ist eine der häufigsten medizinisch-technischen Untersuchungen.  Der Stellenwert der häuslichen Blutdruckmessung gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Eine Befragung hat ergeben, dass weniger als ein Fünftel der Besitzer eines (häuslichen) Blutdruckmessgeräts über wichtige Aspekte der Selbstmessung unterrichtet worden sind (2). Mittlerweile werden Gesundheitsinformationen in vielen Fällen online gesucht (3). 

Auf großen Stockfoto-Webseiten wurde mit dem Suchbegriff „Blutdruckmessung” nach entsprechenden Fotos gesucht.  Die jeweils ersten 100 realen (d. h. keine fiktiven bzw. KI-generierten) Fotos, die eine Blutdruckmessung bei Erwachsenen zeigten, wurden für die weitere Überprüfung heruntergeladen. Die Bilder wurden anhand folgender Kriterien analysiert: Patient oder Untersucher (sofern zutreffend) sprechen oder scheinen zu lachen; sitzende Position des Patienten, der Rücken auf einer Stuhllehne abgestützt, die Beine nicht übereinandergeschlagen, die Füße flach auf dem Boden, der gesamte Unterarm auf dem Tisch aufliegend und der mittlere Arm auf Herzhöhe; Verwendung eines elektronischen Oberarmgeräts; Anlage der Blutdruckmanschette auf dem nackten Arm.

Nur 14 % der analysierten Bilder (N = 1.106) erfüllten alle Kriterien. Die Fotos wiesen Abweichungen (in abnehmender Häufigkeit): Rücken ohne Stütze (73 %), Unterarm nicht auf einer Oberfläche aufliegend (55 %), manuelles statt elektronisches Gerät (52 %), Füße nicht flach auf dem Boden (36 %), Arzt oder Beobachter spricht/lacht (23 %), Oberarm nicht auf Herzhöhe (19 %), Patient spricht/lacht (18 %), Beine gekreuzt (13 %), Manschette an der Kleidung (12 %) und Patient sitzt nicht (5 %). Die Genauigkeit der Fotos variierte je nach Umgebung (Klinik: 8 % versus Zuhause: 25 %, p < 0,001).

Laut dem Autorenteam sollten Anbieter ihrer Rolle bewusst sein, aktuelle Online-Bilder überprüfen und sicherstellen, dass diese die Blutdruckmessung korrekt darstellen.

Aminde LN et al, Hypertension 2025;82:1878–1885

Kurz kommentiert

Die Bedeutung von korrekten (Online-)Fotos basiert unter anderem auf dem Bildüberlegenheitseffekt, d. h., Menschen erinnern sich besser an Bilder als an Worte (4). Ungenaue bzw. fehlerhafte Darstellungen können somit das Blutdruckmanagement behindern. Das mag trivial klingen, aber nur bei richtiger Anlage der Blutdruckmanschette und Einhaltung der Rahmenbedingungen kann die Blutdruckhöhe zuverlässig und sicher bestimmt werden – dies gilt für alle Blutdruckmessgeräte. Werden diese Rahmenbedingungen nicht beachtet, kann dies zu fehlerhaften Messwerten (sowohl zu hohen als auch zu niedrigen) führen (5). Neben den in der vorliegenden Arbeit analysierten Aspekten einer genauen Blutdruckmessung, die auf einzelnen Fotos ggf. nicht vollständig visualisiert werden können, sind weitere wichtige Messbedingungen zu beachten, z. B. eine 3- bis 5-minütige Ruhephase vor der Messung oder die Verwendung der richtigen Manschettengröße. Im Blutdrucktagebuch der Hochdruckliga sind neben einer akkuraten Darstellung der Messbedingungen auch diese weiteren wichtigen Aspekte kurz und klar neben dem Bild vermerkt. Nutzen Sie daher die kostenlosen Angebote der Hochdruckliga und erleichtern Sie Ihren Patienten eine aussagekräftige Blutdruckmessung.

Ihr Prof. Dr. Christian Ott
Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga
Klinikum Nürnberg

Quellen

  1. Aminde LN et al, Hypertension 2025;82:1878–1885
  2. Parmar S et al, Am J Hypertens 2024;37:876–883
  3. Eysenbach G et al, JAMA 2002;287:2691–2700
  4. https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/bildueberlegenheitseffekt/2379
  5. Kallioinen N et al, J Hypertens 2017;35:421–441