Der mögliche Zusammenhang zwischen Migräne und Bluthochdruck wird seit Langem diskutiert, jedoch zeigten frühere Untersuchungen widersprüchliche Ergebnisse. Basierend auf den Daten der Einberufungsuntersuchung wurde dies nun bei israelischen Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren untersucht (1).
Insgesamt wurden in diese landesweite Querschnittsstudie 2.155.077 Jugendliche im Durchschnittsalter von 17,2 ± 0,5 Jahren eingeschlossen, die zwischen 1990 und 2019 einer Voruntersuchung für den obligatorischen Militärdienst unterzogen wurden. Bei Anhaltspunkten für Bluthochdruck, die sich aus standardisierten Blutdruckmessungen ergaben, wurden weitere Messungen und Untersuchungen zur Diagnosebestätigung veranlasst. Ebenso wurden Migräne-Diagnosen auf der Grundlage von Untersuchungen einschließlich fachärztlicher Konsultationen gestellt.
Insgesamt wurde bei 61.314 Personen Migräne diagnostiziert, bei 5.123 Jugendlichen wurde ein Bluthochdruck festgestellt. Die Diagnose Bluthochdruck war in der Migräne-Gruppe häufiger (0,7 % versus 0,2 %, p < 0,001; multivariabel adjustierter OR 3,01 [95 % CI, 2,72–3,33]). Der Zusammenhang war bei schwerer Migräne sogar noch stärker ausgeprägt (OR 4,41 [95 % CI, 3,87–5,03]). Ebenso war die Assoziation bei einer Diagnose von schwerem Bluthochdruck (mit Organschäden oder wenn der Bluthochdruck weiterhin unzureichend kontrolliert war) mit adjustiertem OR 3,34 (95 % CI 2,92–3,82) stärker als bei leichtem Bluthochdruck mit adjustiertem OR 2,67 (95 % CI 2,30–3,10). Nach vollständiger Adjustierung war zwischen Frauen (aOR 3,17 [95 % CI 2,34–4,31]) und Männern (aOR 2,96 [95 % CI 2,66–3,29]) kein signifikanter Unterschied detektierbar (p-Interaktion = 0,17).
Laut dem Autorenteam zeigen diese Daten einen signifikanten Zusammenhang zwischen Migräne und Bluthochdruck, der bei schwerer Migräne noch ausgeprägter ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass Jugendliche mit Migräne von einer gezielten Bluthochdruckuntersuchung profitieren könnten, um eine frühzeitige Erkennung und Behandlung zu ermöglichen.
Akavian I et al, Hypertension 2025;82:e337-e345
Kurz kommentiert
Akute Schmerzen lösen physiologische Reaktionen aus, zu der unter anderem ein akuter Blutdruckanstieg gehört. Die biologischen Mechanismen zwischen chronischen Schmerzen und Bluthochdruck sind hingegen noch nicht vollständig verstanden. Im Hinblick auf Migräne ist daher zu diskutieren, ob Bluthochdruck eine Begleiterscheinung oder ein Risikofaktor ist (Henne-Ei-Problem). Daten zeigen jedoch, dass eine arterielle Hypertonie aufgrund gemeinsamer pathophysiologischer Mechanismen ein potenzieller Risikofaktor für Migräne bzw. deren Chronifizierung darstellt (2). Eine kürzlich durchgeführte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigte, dass Menschen mit chronischen Schmerzen, vor allem mit Kopfschmerzen (einschließlich chronischer Migräne), ein um den Faktor 1,56 (95 %-KI: 1,37–1,79) erhöhtes Risiko für Hypertonie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe hatten (3). Die aktuelle Studie, die auf einer Querschnittsstudie mit 2.155.077 Jugendlichen basiert, erweitert diese Beobachtung nun auch auf junge Migränepatientinnen und -patienten, jene Altersspanne, in der die Migränehäufigkeit bereits ihren Höhepunkt (Jungen im Alter von 15 bis 19 Jahren und Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren) erreicht (4). Dies impliziert, dass Ärzte, die Patient-, innen (auch im jüngeren Alter) mit chronischen Schmerzen behandeln, proaktiv auch den Blutdruck im Blick haben sollten (das heißt regelmäßig den Blutdruck messen) (5).
Ihr Prof. Dr. Christian Ott
Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga
Klinikum Nürnberg
Quellen
- Akavian I et al, Hypertension 2025;82:e337-e345
- Mazzacane F et al, J Headache Pain 2024;25(1):13
- Taylor HE et al, Br J Anaest 2025;135:685—696
- Stewart WF et al, Cephalalgia 2008;28:1170–1178
- Beckett N et al, Br J Anaest 2025;135: 1151—1152