Mit Musik den Blutdruck senken

Professor Dr. med. Hans-Joachim Trappe

Klassische Musik besitzt die stärkste Heilkraft: Beeinflussung von Blutdruck und Stresshormonen!

Musik beeinflusst das Gehirn. Sie verändert nicht nur die Gehirnströme, sondern harmonisiert auch beide Gehirnhälften. Die linke Hirnhälfte ist für analytisches Denken zuständig und für sprachliche Fähigkeiten. Die rechte Hirnhälfte ist für bildhaftes Denken zuständig, für Emotionalität und Kreativität. Musik ist der Schlüssel zur Harmonie unseres Gehirns: Wer singt, musiziert oder tanzt, ist ausgeglichen und zufrieden. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass Musik die Herzfrequenz und den Blutdruck senkt, die Atmung beruhigt und Stresshormone reduziert. Musik beeinflusst effektiv den Spiegel von Stresshormonen und den Blutdruck bei Herzkranken ebenso wie bei gesunden Kontrollpersonen.

Welche Musik wirkt?

Klassische Musik besitzt die stärkste Heilkraft und wird in der Musiktherapie am häufigsten eingesetzt. Klassische Musik hat ohne Zweifel günstige Effekte bei Ängsten, Depressionen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Außerdem steigert sie die Konzentration, das Gedächtnis, Kreativität und Tatkraft und beeinflusst positiv das Immunsystem. Sie ist auch hilfreich bei Schmerzen, Stress und Schlafstörungen. Rock und Pop zählen zu den „Muntermachern“, sie wirken stimmungsaufhellend, motivationssteigernd und bei Müdigkeit anregend. Bei monotonen Tätigkeiten bleibt man mit Rock und Pop bei guter Laune und ermüdet nicht so schnell. Meditationsmusik wirkt beruhigend, die Klänge sind durchweg langsam und haben eher wenig Rhythmus. Das hilft zum Ausspannen und zur Beruhigung, besonders nach hektischer und anstrengender Tätigkeit. Meditationsmusik wirkt außerdem beruhigend und harmonisierend, hilft gegen Stress und Schlafstörungen und ist günstig zur spirituellen Vertiefung und zum Meditieren. Heavy Metal hat keine therapeutische Heilkraft, ebenso wenig wie Technomusik. Diese Musik kann zwar im Einzelfall helfen Aggressionen abzubauen und Wut und Frustrationen zu verarbeiten, doch Herzfrequenz und Blutdruck werden erhöht und der Körper gerät in Stress. Bei Heavy Metal und Technomusik gedeihen selbst Pflanzen weniger gut oder gehen gar ein, wenn sie damit dauerhaft beschallt werden. Jazz spricht den Intellekt an und bedarf beim Hören einer gewissen Konzentration. Wer allerdings Jazz nicht mag, fühlt sich genervt und überfordert. Zu therapeutischen Zwecken wird Jazz kaum eingesetzt. Lateinamerikanische Musik ist in der Regel beschwingt, sehr rhythmisch, macht gute Laune und hebt die Stimmung. Sie ist zur Motivationssteigerung geeignet, besonders um melancholische Augenblicke zu überbrücken und die Lebensfreude zu steigern. Folklore drückt sich durch bestimmte kulturelle Richtungen aus, weckt Heimatgefühle, schafft Vertrauen, sorgt für Geborgenheit und kann für alle geistigen Prozesse bereichernd sein. Andererseits fühlen sich viele Menschen durch fremde und eher ungewohnte Musik überfordert und genervt. Schlager sind gesungene Lieder, einfach strukturiert und sorgen für gute Stimmung. Sie eignen sich aber nicht für therapeutische Zwecke. Geistliche Musik, oft als „Sound Gottes“ bezeichnet, nimmt durch ihren spirituellen Hintergrund und die Klarheit der Stimmen beruhigenden Einfluss auf gestresste Menschen. Sie wirktmeditativ, erhebend und erfrischend.

Welche Musik wann?

Musik als Therapie

Patienten auf Intensivstationen profitieren von sanften, leisen Klängen. Dabei macht Musik nicht selten zumindest einen Teil der beruhigenden oder schmerzlindernden Medikamente überflüssig. Im Wartezimmer vieler Arztpraxen wird meist leise und meditative Musik eingesetzt, um Ängste gezielt abzubauen und die Wartezeit zu überbrücken. Ein großes Einsatzgebiet der Musik ist außerdem die Schmerztherapie: Durch Musik können Schmerzen im Gehirn besser verarbeitet werden oder verschwinden komplett. Somit wird das subjektive Schmerzempfinden stark herabgesetzt, was so manches Schmerzmittel überflüssig macht. Hören Patienten ihre Lieblingsmusik, werden zudem körpereigene Hormone ausgeschüttet, die schmerzlindernd und stimmungsaufhellend wirken. Musik hat auch bei Sterbenden und in Palliativ-Hospizen eine immer größer werdende Bedeutung. Musik kann das Sterbezimmer öffnen und unvergessliche und beglückende Erlebnisse zum letzten Mal erfahren lassen.

Autor

Professor Dr. med. Hans-Joachim Trappe lehrt Innere Medizin und Kardiologie an der Ruhr-Universität Bochum und ist Direktor der Medizinischen Klinik II an der Universitätsklinik Marienhospital Herne. Trappe ist begeisterter Orgelspieler und seit 40 Jahren als Organist tätig.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2010. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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