Krafttraining für Patienten mit Bluthochdruck

Professor Dr. med. Hans-Georg Predel und Anna Bickenbach

Früher wurde Kraftsport als ungeeignete Sportart für Hypertoniker eingestuft. Heute sind positive Effekte auch bei Bluthochdruck nachgewiesen.

Sport und körperliche Aktivität können den Blutdruck von Hypertonikern deutlich senken, das haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen eindrucksvoll belegt. Nach früheren Erkenntnissen sollten Bluthochdruck-Erkrankte vor allem Ausdauersport betreiben und auf Kraftsport verzichten, da unter Belastung der Blutdruck deutlich steigt. Aber in den vergangenen Jahren hat ein Umdenken stattgefunden. Klassisches Krafttraining gilt weiterhin als ungeeignet, doch es sind eine Reihe von Techniken entwickelt worden, die ein modifiziertes Kräftigungstraining auch für Patienten mit hohem Blutdruck möglich machen. Das Training sollte individuell auf Faktoren wie Alter, Höhe des Blutdrucks und Begleiterkrankungen der Betroffenen abgestimmt werden. Deshalb ist vor Beginn des ersten Trainings eine sportmedizinische Untersuchung und anschließende Beratung notwendig.

Mehr Gefäße – weniger Druck

Während des Kräftigungstrainings kommt es zu einem deutlichen Blutdruckanstieg, doch die Langzeiteffekte auf den Blutdruck sind bei korrekt durchgeführten Übungen durchaus positiv. Forscher vermuten, dass der Blutdruck unter anderem auch durch die Neubildung von Blutgefäßen sinkt. Denn der Muskel benötigt für die anstehenden Belastungen mehr Sauerstoff, deshalb werden neue kleinste Gefäße gebildet, die den Muskel mit Blut versorgen. Dadurch verteilt sich der Blutfluss im Muskel auf mehrere Gefäßzweige, so dass der Blutdruck in den einzelnen Gefäßen sinkt. Außerdem lassen sich durch das Training weitere positive Effekte erzielen, die das Ausdauertraining sehr gut ergänzen. So ist ein wesentlicher Vorteil des Kräftigungstrainings die Steigerung des so genannten kalorischen Grundumsatzes, also des Energieverbrauchs des Körpers in Ruhe. Der Grund: Die Muskelmasse nimmt zu und die Kalorienverbrennung in Ruhe wird durch das Mehr an Muskulatur angekurbelt. Dies führt wiederum zu einer Verminderung des Körperfettanteils. Das wirkt sich auch auf begleitende Erkrankungen wie erhöhte Blutfette, Übergewicht und Adipositas sehr positiv aus.

Nicht zuletzt steigern Kräftigungsübungen auch die Leistungsfähigkeit eines Menschen. Durch das Training und dem damit verbundenen Muskelzuwachs können Alltagsbelastungen leichter und mit weniger Anstrengung bewältigt werden. So ist das Herz-Kreislauf- System bei gleicher Belastung weniger beansprucht, die körperliche Leistungsfähigkeit und damit auch die Lebensqualität steigt. Gerade bei älteren Menschen spielt der Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft eine erhebliche Rolle. Dann fällt das Treppensteigen schwerer und die Einkaufstüte wird zur echten Belastung. Durch Krafttraining können ältere Menschen langfristig ihre Selbstständigkeit erhalten und damit auch ihr Wohlbefinden erhöhen. Nicht unerheblich sind außerdem die Auswirkungen der Muskelkräftigung auf den Stütz- und Bewegungsapparat des Menschen. Ein durch Krafttraining verbessertes Muskelkorsett beugt Rückenschmerzen und anderen Erkrankungen wie Arthrose vor und trägt langfristig zu einer Verbesserung der chronischen Beschwerden bei.

Krafttraining – korrekte Durchführung ist wichtig!

Die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit lassen sich jedoch nur bei korrekter Durchführung des Trainings erzielen. Wird das Krafttraining zu intensiv oder technisch inkorrekt betrieben, kann es zu gefährlichen Komplikationen kommen. Bei schweren Formen von Bluthochdruck sollten die Betroffenen zunächst ganz auf ein Kräftigungstraining verzichten. Erst wenn durch eine medikamentöse Behandlung der Blutdruck gut eingestellt ist, können Hypertoniker mit dem Kräftigungstraining beginnen. Während des Trainings sollte der obere Blutdruckwert möglichst nicht über 200 mm Hg steigen. Deshalb ist vor allem in den ersten Trainingswochen die Kontrolle des Blutdrucks unbedingt notwendig. Einsteiger sollten zu Beginn von einem Physio- oder Sporttherapeuten die korrekte Durchführung der Übungen erlernen. Während des Trainings sollte der Blutdruck nur moderat ansteigen. Das wird vor allem durch eine gute Dosierung der Medikamente gewährleistet. Die Intensität des Trainings sollte 60 bis 70 Prozent der Maximalkraft nicht übersteigen. Um einen positiven Effekt zu erreichen, sollten die Betroffenen das Training mindestens zweimal pro Woche durchführen. Dabei wird jede einzelne Übung zehn Mal ausgeführt. Insgesamt werden alle Übungen in zwei bis drei Durchgängen wiederholt. Während des Trainings ist auf eine gleichmäßige Atmung zu achten. Es sollte bei den Kräftigungsübungen nicht zur Pressatmung kommen, denn diese ist für Hypertoniker mit Risiken verbunden. Parallel zum Krafttraining ist außerdem ein Ausdauertraining empfehlenswert.

Autor

Professor Dr. Hans-Georg Predel leitet das Institut für Kreislaufforschung und Medizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutschen Hypertonie Gesellschaft und Sprecher der Kommission Sportmedizin der Deutschen Hochdruckliga.

Anna Bickenbach ist Diplom- Sportwissenschaftlerin und wissenschaftliche Hilfskraft im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2009. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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