Kann mein Blutdruck mit Strom behandelt werden?

Frage

Ute G. aus Kassel fragt: Ich bin 72 Jahre alt und habe seit über 20 Jahren Bluthochdruck. Im vergangenen Jahr waren die Werte so hoch, dass ich weitere Medikamente einnehmen musste. Zwar ist jetzt mein Blutdruck wieder normal, aber ich muss fünf Medikamente nehmen und das ist mir einfach zuviel. Nun habe ich im Fernsehen eine Methode gesehen, bei der Bluthochdruck mit Strom behandelt werden kann. Kommt diese neue Methode für mich in Frage und brauche ich dann weniger Tabletten?

Antwort

Dr. Siegfried Eckert antwortet: Ich kann verstehen, dass Sie gerne weniger Medikamente einnehmen möchten. Bei der von Ihnen genannten neuen Methode handelt es sich um die Verödung von Nervenendigungen in den Nierengefäßen, der so genannten interventionellen renalen Sympathikusdenervation (Blutdrucksenkung durch Nerven-Deaktivierung, siehe auch Druckpunkt 3–4/2010). Hierbei wird ein dünner steuerbarer Katheter an verschiedene Stellen in den Nierenarterien gelegt und Strom abgegeben. Dieser führt zu Erwärmung der Katheterspitze auf bis zu 60 Grad Celsius und zur Verödung von Nervenendigungen. Diese Nerven sind mit für die Regulation des Blutdrucks verantwortlich. In medizinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass auf diese Weise bei Patienten, bei denen trotz intensiver Behandlung mit über drei verschiedenen Medikamenten die Werte nach wie vor über 160 / 90 mm Hg lagen, die erhöhten Blutdruckwerte effektiv gesenkt werden können. Für diese Patienten kommt die neue viel versprechende Methode derzeit zur Anwendung.

Bei Ihnen konnte der Bluthochdruck durch zusätzliche Medikamente wieder auf normale Werte gesenkt werden. Es ist sehr erfreulich, dass dies gelungen ist. Doch somit kommt die neue Methode für Sie derzeit nicht in Betracht. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über die „Zusammenlegung“ der Medikamente, um die Gesamtzahl zu reduzieren. In den vergangenen Jahren konnten hier gute Fortschritte erzielt werden. Die Kombinationstherapie mit bis zur drei verschiedenen Wirkstoffgruppen in einer Tablette hat sich bei der Behandlung erhöhter Blutdruckwerte bewährt. Auf diese Weise könnte bei Ihnen die Anzahl der Tabletten um drei reduziert werden, so dass Sie nur noch zwei Tabletten nehmen müssen. Im Vergleich dazu können Patienten, bei denen die interventionelle renale Sympathikusdenervation durchgeführt wurde, die Medikamente durchschnittlich nur um ein bis zwei Tabletten reduzieren. Auch diese Patienten müssen also weiterhin Medikamente einnehmen. Bei ihnen liegt der Erfolg der Behandlung darin, dass sie erst durch die Katheterbehandlung normale Werte erreichen.

Autor

Dr. med. Siegfried Eckert ist Oberarzt der Kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Angiologe, Kardiologe, Diabetologe DDG, Hypertensiologe DHL® und Europäischer Hypertoniespezialist sowie Mitglied des Vorstands der DHL®.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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