Entspannen mit Biofeedback

Mit Biofeedback werden unbewusste Körperfunktionen in deutlich wahrnehmbare Signale umgewandelt. So lassen sich Stressreaktionen des Körpers bewusst beeinflussen.

Einer der wichtigsten Überlebensmechanismen der Menschen ist die Stressreaktion. In einer gefährlichen Situation stellt sich der Organismus blitzschnell auf eine unmittelbare Reaktion ein: Flucht oder Kampf. Damit der Körper zur Handlung bereit ist, erhöht sich die Herzfrequenz, der Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller und die Muskeln spannen sich an. Ist die Situation bewältigt, klingt die Stressreaktion wieder ab und der Körper findet zurück zu einem ausgewogenen Gleichgewicht. Bis heute funktioniert dieser Mechanismus des menschlichen Körpers. Doch im 21. Jahrhundert handelt es sich meist nicht um lebensbedrohliche Situationen, sondern um Herausforderungen im Beruf oder im Privatleben. Die Stressreaktion hilft den Betroffenen, im richtigen Moment Leistungen zu erbringen. Aber viele Menschen stehen heute unter einer ständigen Belastung, die zu negativ wirkendem Dauerstress führt. Dann schaukelt sich die Stressreaktion des Körpers hoch und der Organismus gerät aus dem Gleichgewicht. Krankheiten sind die Folge wie Bluthochdruck und Magengeschwüre.

Stress und Bluthochdruck

Der Blutdruck ist eine der variabelsten Kreislaufgrößen des menschlichen Körpers. Jede Anstrengung, Gemütswallung und Klimaveränderung kann Einfluss darauf nehmen. Wie hoch der Blutdruck unter Stress ansteigt, ist von der Situation abhängig und von der individuellen Reaktion jedes einzelnen Menschen. Forscher gehen davon aus, dass negativer Dauerstress die Entstehung von Bluthochdruck begünstigt. Eine Möglichkeit zur Stressbewältigung ist Biofeedback, um sich unbewusst ablaufende Reaktionen des Körpers bewusst zu machen. Durch regelmäßiges Biofeedback-Training wird die Selbstwahrnehmung gestärkt und zugleich geübt, unwillkürliche Körperfunktionen positiv zu beeinflussen und damit unangenehme Stressreaktionen zu verringern. Für Bluthochdruck-Erkrankte kann Biofeedback eine hilfreiche Ergänzung der medikamentösen Therapie und der Lebensstiländerungen sein.

Biofeedback

Das Konzept von Biofeedback beruht auf der Beobachtung, dass jede Veränderung der körperlichen Befi ndlichkeit mit einer Veränderung der geistigen und emotionalen Befi ndlichkeit einhergeht und umgekehrt. Trainiert ein Mensch beispielsweise mithilfe von Biofeedback langsames Ein- und Ausatmen, so verlangsamt sich der Herzschlag, Blutdruck und Muskelspannung sinken. Damit wird einer überschießenden Stressreaktion des Körpers entgegengewirkt. Gleichzeitig ist bekannt, dass der Mensch leichter lernt, wenn er beobachten kann, was passiert. So lernt eine Sängerin ein Lied viel schneller, wenn sie sich selber singen hört.

Doch Körperfunktionen wie Herzschlag und Blutdruck kann man nicht beobachten. Hier können Biofeedback-Geräte als eine Art Ersatzsinnesorgane dienen. Sie machen zum Beispiel den Herzschlag sichtbar und erleichtern so das Erlernen von Techniken, die darauf Einfluss nehmen. Es gibt zahlreiche Biofeedback- Geräte, die unterschiedliche Körperfunktionen messen wie Hautwiderstand, Hauttemperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz oder Herzfrequenz. Bei vielen Erkrankungen wie zum Beispiel Migräne, Blasenschwäche und Schlaganfalltherapie wird Biofeedback bereits erfolgreich eingesetzt. Zur Bewältigung von Stress beispielsweise werden den Probanden Musik und Anleitungen zur Entspannung vorgespielt. Zugleich können sie auf einem Computerbildschirm anhand von visuellen Signalen wie Farben oder Symbole den Spannungszustand des eigenen Körpers beobachten. So lernen die Probanden, einen entspannten Zustand willentlich herbeizuführen und bei Bedarf schnell abzurufen.

Üblicherweise werden diese Geräte von Therapeuten oder Ärzten eingesetzt. Interessierte lernen innerhalb von mehreren Sitzungen, wie sie ihre Stressreaktion positiv beeinflussen können. Inzwischen werden auch Biofeedback- Geräte für den persönlichen Gebrauch zu Hause angeboten. Aber auch bei diesen empfi ehlt sich, die Handhabung zunächst bei einem Therapeuten oder Arzt zu erlernen. Dafür sind meist acht bis zehn Sitzungen notwendig, anschließend können die Betroffenen allein weiter üben. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten für das Erlernen von Biofeedback, Interessierte können bei ihrer Kasse nachfragen. Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback (www.biofeedbackforum.de) ist eine Liste von Biofeedback-Therapeuten abrufbar.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2010. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

Zurück