Cholesterinsenkung sinnvoll?

Frage

Erik L. aus Berlin fragt: Ich bin 71 Jahre alt und nehme seit einiger Zeit auf Empfehlung meines Hausarztes Ass 100 und Simvastatin zur Cholesterinsenkung. Außerdem nehme ich einen Blutdrucksenker ein sowie ein weiteres Medikament gegen die Unterfunktion meiner Schilddrüse. Bei mir wurden aufgrund von Gefäßverkalkung Veränderungen der Karotisgabel (Halsschlagader) ohne relevante Verengungen diagnostiziert. Vor Einnahme der Medikamente hatte ich ein Gesamtcholesterin von 276 (LDL 181, HDL 79, Triglyceride 80), nach Einnahme liegt das Gesamtcholesterin bei 200 (LDL 114, HDL 72, Triglyceride 72).

In den Medien wird zum Teil berichtet, dass Cholesterin keinen Einfluss auf Arteriosklerose und Herzinfarkt haben soll. Außerdem soll es Studien geben, dass eine Absenkung des LDL-Cholesterins zu einem signifikanten Rückgang von Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit führt. Auch für das Schlaganfallrisiko soll die Cholesterinsenkung keine Vorteile bringen. Empfehlen Sie in meinem Fall auch weiterhin die Einnahme von Simvastatin und Ass 100?

Antwort

Professor Dr. Horst Brass antwortet: Die Senkung eines hohen, gefährlichen LDL-Cholesterins ist umso erfolgreicher, je früher die Behandlung einsetzt (zum Beispiel mit 45 Jahren). Die Meinung, dass erhöhtes Cholesterin keinen Einfluss auf Arteriosklerose und Herzkrankheit haben soll, widerspricht der weltweit gesicherten wissenschaftlichen Erfahrung. Bei Ihnen liegen arteriosklerotische Veränderungen der Karotisgabel vor.

Cholesterinsenkung wirkt dem Anbau von so genannten Plaques entgegen. Auch einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall wirkt die Cholesterinsenkung entgegen. Ein Rückgang der Gedächtnisleistung gehört nicht zu den Nebenwirkungen einer gezielten Senkung des gefährlichen LDL-Cholesterins. Zur stetigen Verminderung erhöhter Blutfette gehört natürlich auch die Einhaltung eines gesunden Lebensstils. Insgesamt können Sie Ihrem Hausarzt vertrauen. Er wird Sie bei der Wahl und Dosierung der notwendigen Medikamente bedarfsgerecht betreuen.

Autor

Professor Dr. med. Horst Brass ist Hypertensiologe DHL®. Er war vor seinem Ruhestand viele Jahre Direktor der Medizinischen Klinik A im Klinikum Ludwigshafen. Er beantwortet regelmäßig Anfragen von Betroffenen und Interessierten.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 01/2012. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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