Bluthochdruck: Was heißt zu hoch?

Professor Dr. med. Heribert Schunkert

Der Blutdruck der meisten Deutschen liegt über 120 / 90 mm Hg – was amerikanische Mediziner bereits als Krankheitsvorstufe werten. Die Diskussion um Grenzwerte geht weiter.

Aufmerksame Leser des DRUCKPUNKTs werden die Frage, ab wann ein Blutdruck eigentlich zu hoch ist, leicht beantworten können: immer dann, wenn er über 140 / 90 mm Hg liegt! Dies ist heute aus medizinischer Sicht für die Behandlung der Hypertonie eine praktisch unumstößliche Größe. Doch Ärzte müssen außerdem berücksichtigen, dass für Diabetiker und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung Werte unter 130 / 80 mm Hg anzustreben sind. Dabei muss bedacht werden, wo und wie der Blutdruck gemessen wird. Denn die genannten Grenzwerte gelten für Messungen, die beim Arzt erfolgt sind. Dagegen werden bei der Selbstmessung oder der 24-Stunden-Blutdruckmessung niedrigere Werte angestrebt.

Niedrige Grenzwerte

Unter den Wissenschaftlern, die die Folgen des hohen Blutdrucks erforschen, ist zudem eine ganz neue Diskussion in Gang gekommen. So bezeichnen die Amerikaner Blutdruckwerte, die zwischen 120 bis 139 mm Hg (oberer Wert) und 80 bis 89 mm Hg (unterer Wert) liegen, als prähypertensiv – oder übersetzt: als Vorstufe der arteriellen Hypertonie. In diesem Bereich bewegen sich die Blutdruckwerte der meisten Erwachsenen in unserem Lande. So mag es als Provokation gelten, einen Zustand, der für die Mehrheit von uns gilt, als Krankheitsvorstufe zu bewerten. Doch haben die Forscher auch einige Argumente auf ihrer Seite. So belegen Langzeitbeobachtungen bei Menschen mit Prähypertonie, dass bei etwa 40 Prozent innerhalb von 10 Jahren der Blutdruck weiter steigt und sich daraus eine Bluthochdruckerkrankung entwickelt. Zudem ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bereits bei prähypertensiven Blutdruckwerten (also Werten zwischen 120 bis 139 und 80 bis 89 mm Hg) höher als bei einem Blutdruck unter 120 / 80 mm Hg. Auch wächst die Zahl der Studien, die zeigen, dass das Herz und die Gefäße bei prähypertensiven Blutdruckwerten schneller altern.

Lebensstil ändern

Was ist also bei Prähypertonie zu tun? Sicher besteht bei den meisten sonst gesunden Menschen kein Grund für eine medikamentöse Behandlung. Ausnahmen gelten nur für Personen mit Diabetes mellitus oder einer chronischen Nierenerkrankung. Ansonsten sollten Betroffene mit einer Prähypertonie ihren Lebensstil optimieren, um ihren Blutdruck in den Griff zu bekommen. Denn bei Gewichtskontrolle, gesunder Ernährung und viel körperlicher Aktivität kann der Übergang zu einer dauerhaften Blutdruckerhöhung verhindert oder zumindest verlangsamt werden.

Autor

Professor Dr. Heribert Schunkert ist Kardiologe und Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Lübeck. Er führt Forschungen auf dem Gebiet der Molekularbiologie, der Genetik von multifaktoriellen kardiovaskulären Erkrankungen und der Auslösung von Zellwachstum durch Angiotensin II durch.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03/2007. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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