Bluthochdruck - Herausforderung für die ganze Gesellschaft

Professor med. Dr. Hans-Georg Predel

Bluthochdruck ist auch aus gesundheitspolitischer Sicht eine enorme Herausforderung. Nur durch die Bündelung vielfältiger Aktivitäten und Initiativen unter Einbezug möglichst vieler Akteure in unserem Gesundheitssystem lässt sich diese Herkulesaufgabe bewältigen.

Die kontinuierliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland ist grundsätzlich natürlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Bald wird jeder zweite Deutsche älter als 50 Jahre sein! Allerdings lässt sich die Idealvorstellung eines möglichst langen gesunden und beschwerdefreien Lebens längst nicht in allen Fällen realisieren. Vielmehr führen ungünstige Lebensstilfaktoren – insbesondere ein ausgeprägter Mangel an körperlichen Aktivitäten, häufig in Verbindung mit Fehlernährung – bei entsprechender Veranlagung zu einer dramatischen Zunahme der so genannten „Zivilisationserkrankungen“. Hierzu zählt in besonderer Weise der Bluthochdruck. Die aktuellen Zahlen sind erschreckend: 20 bis 25 Millionen Menschen in Deutschland leiden an dieser heimtückischen Erkrankung. Die Folgeerkrankungen eines nicht oder nur unzureichend behandelten hohen Blutdrucks bedrohen Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Menschen in gravierender Form.

Hohe gesundheitspolitische Priorität

Aber auch die gesundheitsökonomischen Konsequenzen sind erheblich: Kosten der medizinischen Versorgung, Pflegebedürftigkeit, Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Invalidität kosten jährlich Milliarden von Euro allein in Deutschland. Es liegt daher auf der Hand, dass die Prävention und Therapie des Bluthochdrucks eine sehr hohe gesundheitspolitische Priorität haben muss. Die Konzeption und wissenschaftliche Auswertung effektiver präventiver und therapeutischer Strategien in der Bekämpfung des Bluthochdrucks und deren flächendeckende Umsetzung im Rahmen stabiler und verlässlicher Versorgungsstrukturen muss daher konsequent vorangebracht werden. Damit ein solches Programm wirklich effizient wirken kann, sind eine Reihe von Maßnahmen erforderlich: Hierzu zählen die kontinuierliche Fortbildung der Ärzteschaft sowie deren Mitarbeiter. Auf diesem Gebiet sind in den letzten Jahren massive Anstrengungen unternommen worden. So hat die Deutsche Hypertonie Akademie der Deutschen Hochdruckliga ein spezielles Fortbildungsprogramm für Hypertensiologinnen DHL®/Hypertensiologen DHL® auf den Weg gebracht, das von mehr als 3.000 Ärztinnen und Ärzten wahrgenommen wird. Selbstverständlich müssen auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Erkennung und wirksamen Behandlung der Hypertonie und deren Folgeschäden ständig weiterentwickelt werden. Aber auch die verbesserte Information der betroffenen Patienten sowie der breiten Bevölkerung über das Krankheitsbild der arteriellen Hypertonie gehört zu den unverzichtbaren Aufgaben. Wichtige Maßnahmen sind hierfür unter anderem spezielle Schulungsprogramme und öffentlichkeitswirksame Kampagnen unter Einbezug der Medien.

Alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen

Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Änderung ungünstiger Lebensstilmerkmale in breiten Schichten der Bevölkerung zu. Rauchverzicht, regelmäßige körperliche Aktivitäten und eine gesunde Ernährung mit dem Ziel einer Gewichtsnormalisierung müssen in ihrer enormen gesundheitlichen Bedeutung überzeugend vermittelt werden. Dabei ist es entscheidend, alle gesellschaftlichen Gruppen zu erreichen. Eine Reihe von Studien zeigt klar, dass hier erhebliche Unterschiede bestehen. Menschen mit geringerem Bildungsniveau bedürfen einer besonderen und gezielten Hilfestellung in der Veränderung ihres Lebensstils. Das Prinzip „Fördern und Fordern“ sollte hier durchaus zur Anwendung kommen. Auch auf diesem Gebiet gibt es bereits verschiedene Initiativen der Deutschen Hochdruckliga. Einbezug und Information der Bluthochdruck-Patienten gehört zu ihren traditionellen Aufgaben. Aber es gibt hier natürlich ebenfalls weiteren Handlungs- und Verbesserungsbedarf. So kommt der Deutschen Hochdruckliga sicherlich auch die wichtige Rolle als Vermittlerin zwischen den Interessen der Patienten, der Ärzteschaft und Wissenschaftler sowie den Leistungsanbietern im Gesundheitswesen zu. Den Kostenträgern in unserem Gesundheitswesen, insbesondere den gesetzlichen und privaten Krankenkassen sowie vielen Gesundheitspolitikern, muss schließlich klar werden, dass die Investitionen in solche Maßnahmen letztlich auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und ohne Alternative sind.

Autor

Professor Dr. med. Hans-Georg Predel leitet das Institut für Kreislaufforschung und Medizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga und Sprecher der Kommission Sportmedizin.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03-04/2010. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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