Bluthochdruck bei Jugendlichen

Professor Dr. med. Wolfgang Rascher

Die Gesundheit von Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren deutlich schlechter geworden. Wenn Jugendliche ebenso ungesund leben wie so mancher Erwachsene, leiden sie bereits früh an den gleichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Weltweit erkranken und sterben Erwachsene seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da die Vorbeugung und Behandlung deutlich verbessert wurde. Dagegen leiden Jugendliche zunehmend an Krankheiten, an denen früher ausschließlich Erwachsene erkrankten. Genaue Zahlen werden in Kürze von einer Erhebung des Robert Koch-Instituts erwartet, vom so genannten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Die vorläufigen Ergebnisse deuten bereits auf eine beträchtliche Zunahme von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) hin – auch in Deutschland (siehe Abbildung). Gerade bei Jugendlichen gehen mit Übergewicht oft erhöhte Blutdruckwerte einher.

Messbare Schäden

Früher erkrankten etwa 1 bis 3 Prozent der Kinder und Jugendlichen an Bluthochdruck. Heute sind es bereits deutlich mehr, das heißt rund 5 Prozent. Nur ein sehr kleiner Teil der Jugendlichen mit erhöhten Blutdruckwerten leidet an einer zugrunde liegenden Krankheit wie einer Nierenerkrankung, die den Bluthochdruck verursacht. Wie die Erwachsenen haben auch Kinder eine so genannte essentielle Hypertonie, das heißt, Bluthochdruck ohne körperliche Ursache. Erwachsene wie Jugendliche mit Bluthochdruck sind häufig übergewichtig. Oft kommen noch weitere Risikofaktoren hinzu, wie erhöhte Blutfette und eine Zuckerstoffwechselstörung (Diabetes mellitus). Anders als früher angenommen verursacht der hohe Blutdruck auch bei Jugendlichen Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit und Schmerzen in der Brust. Heute ist ebenfalls bekannt, dass Bluthochdruck auch bei Jugendlichen bereits messbare Schäden am Herz-Kreislauf-System verursacht wie Herzvergrößerung, Verkalkung der Herzkranzgefäße und Verdickung der kleinen Gefäße.

Andere Grenzwerte

Der Blutdruck von Kindern wird in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Körpergröße beurteilt. Entsprechende Tabellen verzeichnen die Grenzwerte für Kinder verschiedenen Alters und unterschiedlicher Größe. Eine blutdrucksenkende Behandlung muss eingeleitet werden, wenn der systolische und/oder der diastolische Blutdruck dauerhaft zu hoch sind (siehe Abbildung). Da Bluthochdruck bei Jugendlichen in der Regel oft nur wenig ausgeprägt ist und mit Übergewicht einhergeht, muss zunächst der hohe Blutdruck ohne Medikamente gesenkt werden. Voraussetzung für die nichtmedikamentöse Therapie ist eine Gewichtsabnahme durch gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Die Jugendlichen sollten Kochsalz sowie Fett reduzieren und häufiger Obst und Gemüse essen. Wenn sie rauchen, sollten sie das Rauchen aufgeben. Mehr Bewegung bedeutet meist, weniger Zeit vor dem Fernseher und Computer zu verbringen. Eine Gewichtsabnahme wird außerdem in der Regel nur erreicht, wenn die körperliche Aktivität durch Ausdauertraining erhöht wird. Der Ausdauersport dämpft bei adipösen Jugendlichen das sympathische Nervensystem, das unter anderem den Blutdruck und die Herztätigkeit steigert. Um die blutdrucksenkenden Effekte zu erreichen, ist regelmäßiger Ausdauersport notwendig. Das bedeutet, die Jugendlichen sollten drei bis fünf Mal pro Woche wenigstens 30 Minuten Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Jogging betreiben. Der Zeitaufwand beträgt rund drei Stunden pro Woche. Der dabei erzielte Kalorienverbrauch sollte bei 1.500 bis 2.000 Kalorien pro Woche liegen.

Jugendliche profitieren deutlich

Wie bei Erwachsenen fällt auch bei Jugendlichen der Blutdruck um etwa 1 mm Hg pro Kilogramm Gewichtsabnahme. Die blutdrucksenkende Wirkung ist umso ausgeprägter, je höher der Ausgangsblutdruck liegt. Bei erneuter Gewichtszunahme steigt auch der Blutdruck wieder. Schon seit fast 20 Jahren wissen wir, dass übergewichtige Jugendliche von einer Gewichtsabnahme und der Steigerung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit deutlich profitieren: Dann reagiert ihr Blutdruck weniger stark auf Salzkonsum und der Zuckerstoffwechsel bessert sich. Nur wenn die nichtmedikamentöse Therapie die Blutdruckwerte nicht ausreichend senkt, sollte der behandelnde Arzt Blutdrucksenker verordnen.

Autor

Professor Dr. Wolfgang Rascher ist Facharzt für Kinderund Jugendmedizin. Er ist Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 02/2009. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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