Blutdrucksenker Wechselwirkungen vermeiden

Dr. med. Wolfgang Derer

Bis zu einem Drittel aller Krankenhausaufenthalte älterer Menschen gehen auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück. Häufig ist die Ursache eine Wechselwirkung zwischen verschiedenen Medikamenten. Aber auch Nahrungsmittel und Pflanzenheilmittel können Blutdrucksenker negativ beeinflussen.

Bei einer Behandlung von Bluthochdruck mit Blutdrucksenkern müssen meist zwei oder mehr Wirkstoffe kombiniert werden, um gute Blutdruckwerte zu erreichen. Die Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga geben Empfehlungen, welche antihypertensiven Medikamente gefahrlos kombiniert werden können. Teilweise beeinflussen sich diese Medikamente sogar positiv: Die Blutdrucksenkung wird verstärkt oder die Organe werden besser vor den Folgen des Bluthochdrucks geschützt. (Siehe Abbildung)

Polypharmazie wird häufig unterschätzt

Allerdings ist eine blutdrucksenkende Therapie für die meisten Patienten nicht die einzige medikamentöse Behandlung. Gerade im fortgeschrittenen Alter steigt die Zahl der verordneten Medikamente und damit auch das Risiko vielfältigster Wechselwirkungen. Es wird geschätzt, dass gerade bei älteren Menschen bis zu einem Drittel der Krankenhausaufenthalte auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen sind, die oft eine Folge von Wechselwirkungen sind. Die Gründe sind vielfältig. So kann ein Arzneimittel die Aufnahme, die Verteilung im Körper, den Abbauprozess oder die Ausscheidung eines anderen Medikaments beeinflussen. Ein Arzneimittel kann aber auch die gleichen Organe oder Organsysteme beeinflussen wie ein anderes. Die Folgen können ganz unterschiedlich sein: Die Wirkung tritt langsamer oder schneller ein, das Medikament wirkt länger oder kürzer, stärker oder schwächer. Gelegentlich kommt es auch zu gänzlich unerwarteten Wirkungen.

Lebensmittel und Pflanzenheilmittel

Darüber hinaus können auch die Betroffenen Wechselwirkungen verursachen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn auch rezeptfreie Arzneimittel, Pflanzenheilmittel und Lebensmittel können unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursachen. Der Genuss eines Glases Grapefruitsaft zum Beispiel führt zu einer Verdopplung der Bioverfügbarkeit von Felodipin (Kalziumantagonist vom Dihydropyridin-Typ). Das heißt, der Wirkstoff wird vom Körper langsamer abgebaut und die Blutdrucksenkung ist deutlich stärker. In diesem Fall nimmt aber auch die Häufigkeit der Nebenwirkungen zu. Johanniskraut und Alkohol wiederum verringern den blutdrucksenkenden Effekt der Kalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ. Eine andere Form der Wechselwirkungen kann Capsaicin verursachen, ein Inhaltsstoff von Chili und Cayenne-Pfeffer: Er kann einen Reizhusten verstärken, der eine mögliche Nebenwirkung von ACE-Hemmern ist.

Autor

Dr. Wolfgang Derer, Internist und Hypertensiologe DHL®, ist an der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Nephrologie des HELIOS-Klinikums Berlin-Buch tätig.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03-04/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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