Bluthochdruck (k)ein Thema bei Kindern und Jugendlichen

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass mittlerweile zunehmend mehr Kinder und Jugendlichen auffällige Blutdruckwerte haben. Insbesondere bei übergewichtigen und fettleibigen Heranwachsenden sind die Blutdruckwerte erhöht. Etwa jedes vierte übergewichtige Kind hat einen Bluthochdruck. Die nachfolgenden Informationen richten sich an die Erziehungsberechtigten und andere Interessierte.

Bei welchen Gelegenheiten messen?

Kinder und Jugendliche mit einem zu hohen Blutdruck haben oft auch im weiteren Lebensverlauf zu hohe Werte. Deshalb es wichtig, frühzeitig einen Bluthochdruck zu erkennen. Die Blutdruckuntersuchung ist derzeit nicht Bestandteil der Kindervorsorgeuntersuchungen (sogenannte U-Untersuchungen).

Deshalb gilt: Wichtig ist, dass zumindest zur Einschulung bzw. mit beginnender Pubertät der Blutdruck gemessen werden sollte. Das gilt vor allem bei übergewichtigen Kindern.

Wünschenswert wären jährliche Kontrollen bei allen Kindern ab dem dritten Lebensjahr im Rahmen ärztlicher Vorstellungen (Vorsorge). Eltern mit Bluthochdruck sollten bei ihren Kindern regelmäßig den Blutdruck messen lassen. Ebenso sollten Eltern mit hochdruckkranken Kindern auch ihren eigenen Blutdruck kennen.

Bei Kindern unter drei Jahren sollte der Blutdruck bei folgenden Risikofaktoren überwacht werden:

  • Frühgeborene mit intensivmedizinischer Therapie,
  • Angeborene Herzerkrankungen,
  • Nierenerkrankungen,
  • Behandlung mit Medikamenten, die den Blutdruck beeinflussen oder
  • Hinweis auf Hirndruck.

Empfehlung: Lassen Sie es spielerisch angehen. Zeigen Sie Ihrem Kind wie man den Blutdruck misst. Lassen Sie sich Ihren Blutdruck von Ihrem Kind messen. Vielleicht kann Ihr Kind auch bei den Großeltern oder anderen Verwandten den Blutdruck messen.

Mit welchen Geräten messen?

Leider eignen sich nicht alle vollautomatischen Blutdruckmessgeräte auch für die Messung bei Kindern. Schauen Sie daher bitte in der Bedienungsanleitung des Herstellers nach, für welche Altersklasse das Gerät deklariert ist. Sprechen Sie auch mit Ihrem Kinderarzt. Gegebenenfalls empfiehlt sich die auskultatorische Blutdruckmessung durch den Arzt, vor allem bei Kindern unter 12 Jahren.

In aller Regel gilt: Vollautomatische Geräte können verwendet werden, wenn sie über die passende Manschettengröße verfügen. Eine Manschettengröße für 17 bis 24 cm Oberarmumfang ist normalerweise für Kinder ab dem fünften Lebensjahr geeignet. Bei älteren Kindern mit einem Oberarmumfang von größer als 24 cm kann mit einer Erwachsenenmanschette gemessen werden.

Wie messen?

Die Blutdruckmessung wird üblicherweise im Sitzen und in Ruhe durchgeführt.

  1. Körperliche bzw. seelische Belastungen 30 min. vor der Messung vermeiden ggf. Entspannungszeit verlängern. Zum Messen auf einen Stuhl setzen. Messung nach fünf Minuten Ruhepause beginnen.
  2. Während der Messung den Arm ruhig halten. Hand nicht bewegen. Beide Füße sollten auf dem Boden stehen. Den Rücken an der Stuhllehne anlehnen. Während der Messung nicht sprechen oder durch Geräusche ablenken lassen. Auf entspannte Körperhaltung achten.
  3. Koffein in Energiedrinks/ Süßigkeiten, Kaffee oder Tee kann die Blutdruckmessung verfälschen. Die Blutdruckmessung sollte bei voller Blase vermieden werden.
  4. Bitte nur die vom Hersteller empfohlenen Manschetten verwenden. Die Oberarmmanschette sollte zum Oberarmumfang passen. Das bedeutet, die Luftkammer in der Manschette sollte etwa 80% bis 100% des Oberarmumfangs abdecken (siehe auch Markierungen an der Manschette) bzw. die Manschettenbreite sollte etwa zwei Drittel der Oberarmlänge abdecken.
  5. Die Manschette bitte nicht zu locker oder zu fest am Oberarm anlegen. Den Klettverschluss richtig verschließen, dass er beim Aufpumpen nicht nachgibt. Die Manschette sollte zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge nicht zu stramm angelegt sein, so dass noch ein Finger leicht unter die verschlossene Manschette passt. Bitte auch die Herstellerhinweise zur Positionierung der Manschette beachten.
  6. Die Blutdruckmessung führt zu falschen Werten, wenn die Manschettengröße falsch ist oder wenn die Messung über einem dickeren Pullover oder Jacke erfolgt. Das Hochschieben der Kleidung kann zu einem Blutstau und dadurch zu Messfehlern führen. Die Manschette kann problemlos über ein dünnes Hemd oder eine dünne Bluse angelegt werden.
  7. Wichtig ist bei der Handgelenksmessung, dass das Gerät am Messarm auf Herzhöhe gehalten wird, sonst sind die Werte zu hoch/ zu niedrig. Den Ellbogen auf den Tisch abstützten. Ein passendes Kissen unterlegen, um eine ruhige Messung sicherzustellen. Die Handgelenksmanschette sollte zum Handgelenksumfang passen, daher sind diese Geräte für die Messungen bei jüngeren Kindern nicht geeignet.
  8. Verwenden Sie ein validiertes Gerät mit einem Prüfsiegel der DHL®, welches Ihnen korrekte Messwerte liefert.
  9. Anfänglich sollte vom Arzt der Blutdruck an beiden Oberarmen im Minutenabstand gemessen werden. Der Arm mit den höheren Werten ist dann der Referenzarm.

Wie häufig messen?

Misst der Kinderarzt in der Praxis den Blutdruck, sind die Werte oft höher, als wenn zu Hause gemessen wird. Das kann an der Nervosität beim Arztbesuch liegen (sogenannter „Weißkitteleffekt“). Es kommt aber auch vor, dass der Praxisblutdruck unter den tatsächlichen Werten liegt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Arztbesuch beim Entspannen hilft (sogenannte „maskierte Hypertonie“). Beide Effekte werden auch bei Kindern beobachtet. Deswegen wird insbesondere bei auffälligen Werten und zur Sicherung der Diagnose einer Hypertonie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung empfohlen, alternativ sind auch bei Kindern Messungen zu Hause möglich.

Die Messung zu Hause sollte täglich über mindestens drei bis vier Tage, bevorzugt über sieben Tage hinweg morgens und abends erfolgen. Es sollte nach einer Ruhephase zweimal im Minutenabstand gemessen werden. Der häusliche Blutdruckwert entspricht dem Mittelwert aller Messungen, ausgenommen ist der erste Messtag.

Wann sind die Werte erhöht?

Bei Jugendlichen ab dem 16. Lebensjahr sollte der zu Hause gemessene Blutdruck im Schnitt unter 135/ 85 mm Hg liegen in der Arztpraxisunter 140/90 mm Hg.

Für Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr gelten andere Zielwerte als für Erwachsene. Die Zielblutdruckwerte sind bei Heranwachsenden abhängig vom Geschlecht, dem Lebensalter und der Körpergröße. Daher lassen sich keine absoluten Referenzwerte festlegen. Mit der vom Robert Koch-Institut in Berlin von 2003-2006 durchgeführten Studie wurden erstmals umfassend die Gesundheitsdaten von Heranwachsenden an einer repräsentablen Stichprobe standardisiert bestimmt. Gemessen wurde zum Beispiel das Körpergewicht, die Körpergröße, der Body Mass Index (BMI) und der Blutdruck. Als unauffällig wurden die Werte unterhalb des 95. Perzentils festgelegt. Fünf Prozent gelten als auffällig in Übereinstimmung mit internationalen Leitlinien. Bei Erwachsenen werden die Zielwerte hingegen aus dem kardiovaskulären Risiko abgeleitet. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass aber deutlich mehr als fünf Prozent der Kinder und Jugendliche inzwischen auffällige Werte haben. Insbesondere bei übergewichtigen und fettleibigen Heranwachsenden sind die Blutdruckwerte erhöht.

Verwenden Sie für die Bestimmung der Blutdruckperzentile den Blutdruckrechner unter www.pedz.de/de/pedz/bp.html (dabei Option „KIGGS Daten bevorzugen“ auswählen)

Die Diagnose eines Bluthochdrucks sollte niemals aus einer einzelnen Messung abgeleitet werden. Die mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten gemessenen Blutdruckwerte sollten unter der 95 Perzentile (95 P.) liegen. Der Kinderarzt sollte die Werte mit den Normwerttabellen für Blutdruckmessungen in der Praxis abgleichen (Normwerte der KIGGS-Studie (s. auch Blutdruckrechner) oder Normwerte der European Society of Hypertension), für die Messungen zu Hause gibt es eigene Normwerttabellen (siehe unten). Sprechen Sie bitte Ihren Kinderarzt an, sollten die Werte über der 95. Perzentile liegen. Dieser wird sich ggf. mit einem auf Bluthochdruck spezialisierten Arzt (Hypertensiologe DHL®) abstimmen.

Für die Blutdruckmessungen zu Hause (Selbstmessung) können Sie sich an folgenden Zielwerten orientieren, die im Durchschnitt nicht überschritten werden sollten:

Körpergröße [in cm] systolischer und diastolischer Blutdruck [in mm Hg]
männlich unter 16 Jahren
(95. Perzentil) 
weiblich unter 16 Jahren
(95. Perzentil)
120–129 119/76 119/74
130–139 121/77 120/76
140–149 125/77 122/77
150–159 126/78 123/77
160–169 128/78 124/78
170–179 132/78 125/79
180–189 134/79 128/80

 

Wie behandeln?

Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen ist deutlich häufiger auf eine sekundäre Ursache (als Folge einer anderen Grunderkrankung) zurückzuführen als bei Erwachsenen. Der Hypertensiologe wird daher verschiedene Untersuchungen veranlassen. Eine pharmakologische Therapie ist bei einem Bluthochdruck bei Heranwachsenden erforderlich bei einer hypertensiven Krise bzw. wenn eines der nachfolgenden Kriterien zutrifft: symptomatischer Bluthochdruck, sekundäre Hypertonie, Endorganschädigung, Diabetes.

Lebensstilmaßnahmen kommt eine herausragende Bedeutung bei zu hohen Blutdruckwerten zu. Empfohlen wird:

  • Sport und ausgewogene Ernährung,
  • einbeziehen des familiären Umfelds und der Eltern,
  • Unterstützung einer rauchfreien Umgebung (inkl. Aufklärung über Rauchen während der Schwangerschaft),
  • altersgerechtes Schulungsmaterial für die betroffenen Kinder,
  • Vereinbarung von realistischen und erreichbaren Zielen, insbesondere Zielvorgaben für den Body Mass Index, körperliche Aktivitäten und Ernährung und
  • ein gesundheitsförderndes Belohnungssystem.

Quellen

  • KIGGS-Studie, Robert Koch-Institut, Berlin, 2013
  • Lurbe E al., Journal of Hypertension 2016; 34(10):1887-920
  • www.pedz.de/de/pedz/bp.html (Abruf am 25. März 2018)

Dieses Projekt wird mit Fördermitteln der AOK realisiert.