Bluthochdruck und Nieren

Vielen ist nicht bewusst: Bluthochdruck und Nierenerkrankungen stehen in einem engen Zusammenhang. Die Niere spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation des Blutdrucks. Gleichzeitig schädigt dauerhaft erhöhter Blutdruck die Niere. So kann Bluthochdruck sowohl Ursache als auch Folge einer chronischen Nierenerkrankung sein. Wird eine Nierenschädigung nicht frühzeitig erkannt, kann sie über Jahre fortschreiten und im schlimmsten Fall zu einem dialysepflichtigen Nierenversagen führen. Daher sind eine gute Blutdruckeinstellung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen entscheidend.

Die Funktion der Niere

Die Niere ist eines der durchblutungsreichsten Organe des Körpers: Rund 25 % des Herzzeitvolumens fließen durch sie. Zu ihren vielfältigen Aufgaben gehören die Regulation des Blutdrucks und des pH-Werts, die Steuerung des Flüssigkeits- und Salzhaushalts, die Blutbildung, die Knochengesundheit, der Stoffwechsel sowie die Beeinflussung der Herztätigkeit.

Wie reguliert die Niere den Blutdruck?

Die Niere beeinflusst den Blutdruck vor allem über zwei zentrale Mechanismen:

  • das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), das den Salz- und Wasserhaushalt sowie den Blutdruck hormonell reguliert
  • das sympathische Nervensystem, das bei Stress Herzschlag und Blutdruck erhöht

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck führt zu Gefäßveränderungen und schädigt langfristig die Nierenstruktur.

Zusammenhang zwischen chronischer Nierenerkrankung (CKD) und Bluthochdruck

Bei Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung tritt Bluthochdruck besonders häufig auf:

  • bis zu 80 % der CKD-Patientinnen und -Patienten haben eine Hypertonie
  • bis zu 40 % leiden an einer therapieresistenten Hypertonie

Ursachen sind unter anderem eine gesteigerte Aktivierung des RAAS und der Stressnerven sowie eingeschränkte Therapieoptionen. CKD macht die Behandlung von Bluthochdruck insgesamt komplexer.

Häufige Fragen zu Bluthochdruck und Niere

Was ist eine chronische Nierenkrankheit (CKD)?

Die chronische Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD) beschreibt eine langfristige, meist über Jahre fortschreitende Verschlechterung der Nierenfunktion. Sie ist häufig lange unbemerkt und kann unbehandelt zum Nierenversagen führen. Etwa jeder zehnte Mensch ist betroffen, in allgemeinärztlichen Praxen hat jeder dritte Patient über 60 Jahre eine CKD.

Ursachen und Folgen der CKD

Häufige Ursachen sind Diabetes, vaskuläre Nephropathien, systemische Autoimmunerkrankungen und Zystennieren. CKD ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität, also für Erkrankungen und Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dialyse – wenn die Nieren versagen

Die Dialyse ist eine Nierenersatztherapie, um Giftstoffe, überschüssiges Wasser und Salze aus dem Körper zu entfernen. Man unterscheidet vor allem die Hämodialyse (außerhalb des Körpers) und die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse).

Bei der Hämodialyse wird das Blut über einen Dialysator gefiltert. Eine Behandlung dauert 4–5 Stunden und findet etwa drei Mal pro Woche statt.
CKD kann durch Dialyse nicht geheilt werden; die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 40 %. Zusätzlich ist die Dialyse mit hohen Umweltkosten verbunden (Wasserverbrauch, CO₂-Emissionen und Abfall).

Was kann ich selbst für eine gesunde Niere tun?

Im Alltag:

  • Salz- und zuckerarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse
  • Ausreichend ungesüßte Flüssigkeit
  • Tägliche moderate Bewegung
  • Normalgewicht halten
  • Rauchstopp
  • Alkoholkonsum reduzieren

Medizinische Vorsorge:

  • Gut eingestellter Blutdruck (unter 140/90 mmHg)
  • Gute Blutzuckereinstellung
  • Regelmäßige Blut- und Urinkontrollen
  • Menschen mit Diabetes benötigen jährliche Nieren-Checks.

Wann sollte man zum Nephrologen gehen?

Bei einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m² sollte eine nephrologische Abklärung erfolgen. Gleiches gilt bei Vorliegen einer Proteinurie oder Hämaturie, sofern diese nicht durch eine urologische oder gynäkologische Erkrankung erklärbar ist.

Bei Beschwerden

  • Starke Flankenschmerzen mit oder ohne Blut im Urin
  • Schäumender Urin
  • Unvermögen Wasser zu lassen (Harnverhalt)
  • Schüttelfrost mit weiteren Beschwerden: Brennen beim Wasser lassen und/oder Blasen, Nieren-, Hoden- oder Prostataschmerzen
  • Sichtbar Blut im Urin- auch wenn es nur kurz war und auch bei blutverdünnenden Medikamenten
  • Kein Wasser lassen in den letzten 24h ohne dabei Drang zu verspüren (versiegende Urinproduktion/Anurie)

Aktuelles Informationsmaterial für Sie

Die Niere – Ursachen und Folgen von Bluthochdruck

Schauen Sie sich hier den Vortrag von Prof. Dr. med. Johannes Stegbauer, Düsseldorf, zum Thema an.