Die Deutsche Hochdruckliga begrüßt das Votum des Deutschen Ärztetags zur Lockerung des Fernbehandlungsverbotes10.05.2018, 20:33 | Pressemeldung [+]

Telemedizin
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Das Votum ist aber nur ein erster Schritt – noch bleiben viele Hürden in der praktischen Umsetzung

Der Deutsche Ärztetag spricht sich aktuell für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbotes aus. Die Deutsche Hochdruckliga begrüßt dieses Votum und sieht darin eine echte Chance, die Versorgung von Hypertonikern zu verbessern, denn der kluge Einsatz digitaler Hilfsmittel sei eine große Chance für Patienten mit Bluthochdruck. In der Regelversorgung ist davon bisher aber noch nichts angekommen. Es fehlt derzeit der gemeinsame Gestaltungswille, die Regelversorgung öffnen zu wollen, so dass dies allen Beteiligten nutzt. „Derzeit findet Telemedizin nur innerhalb von Modellprojekten, aber nicht im realen Praxisalltag in der Regelversorgung und ohne angemessene Honorierung statt – im Zeitalter der digitalen Technologie ein Unding, hier besteht ein dringender Nachholbedarf!“

Der Deutsche Ärztetag sprach sich in Erfurt für die Öffnung des Fernbehandlungsverbotes aus. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention begrüßt dieses Votum und sieht darin eine echte Chance zur Verbesserung der Versorgung von Hypertonikern. „Die Therapietreue lässt bekanntermaßen zwischen zwei Arztbesuchen nach, was den Behandlungserfolg gefährdet. Verordnete Medikamente werden gar nicht erst eingenommen oder vorzeitig wegen Nebenwirkungen abgesetzt. An diesem Punkt könnte die Telemedizin ansetzen, Studien haben bereits ausreichend gezeigt, dass telemedizinische Arztbesuche bei diesen Patienten sogar ebenso effektiv sind wie der Gang in die Praxis“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Middeke, München, Sprecher der Kommission Telemedizin und E-Health der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. So hatte erst eine Ende April publizierte Studie [1] an über 1.000 Patienten, die sich einer virtuellen Behandlung unterzogen hatten, gezeigt, dass damit eine ebenso effektive Blutdruckkontrolle erreicht wird wie mit Präsenzterminen beim Arzt.

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention begrüßt auch den in Erfurt getroffenen Beschluss, die Verantwortung für eine Fernbehandlung in die Hand des einzelnen Arztes zu legen. „Wir brauchen natürlich ein verantwortungsvolles Handeln nach Maß. Telemedizin eignet sich nicht für alle Patienten, kann und soll natürlich auch nicht die Präsenzmedizin ersetzen. Der kluge Einsatz digitaler Hilfsmittel ist aber eine große Chance für unsere Patienten“. Wie der Experte ausführt, ermöglichten virtuelle Besuche eine engmaschigere Kontrolle, die besonders bei Neupatienten oder bei schwer einstellbaren Patienten wichtig wären und zu einer Verbesserung des Therapieerfolgs führen könnten. „Es ist unwirtschaftlich, die Patienten wöchentlich oder gar mehrmals pro Woche für ein Kurzgespräch mit dem Arzt in die Praxis einzubestellen, digital sind solche „Zwischenvisiten“ aber machbar.“ Sie stärken das Arzt-Patientenverhältnis und motivieren den Patienten zur regelmäßigen Einnahme seiner Tablette bzw. leisten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Umstellung des Lebensstils. Darüber fühlt sich der Patient besser betreut und „sicher“. Es ist auch gut, dass es hohe Datenschutzanforderungen gibt. Das ist eine notwendige Herausforderung, aber keine unüberwindbare Hürde. 

Vor fast 25 Jahren wurde auf Initiative der Deutschen Hochdruckliga die Langzeitblutdruckmessung als Regelleistung - und Goldstandard für die ärztliche Blutdruckmessung - von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt. Nach Auffassung der Deutschen Hochdruckliga braucht es dringend eine neue qualitätsgesicherte Aktion für eine vergleichbare Innovation. Digitale Helfer können Patienten niederschwellig zu Lebensstilmaßnahmen motivieren, nach der Erstdiagnose Bluthochdruckdruck deren Therapietreue unterstützen bzw. die Behandlung von schwer einstellbaren Hypertonikern durch ein von Hypertensiologen DHL® begleitetes Telemonitoring verbessern.

„Unser Ziel muss es sein, bei Bedarf sprechende Medizin durch digitale Gesundheitshelfer sinnvoll zu ergänzen, um durch Lebensstilmaßnehmen bzw. bei Bedarf Medikamente den Blutdruck rechtzeitig in Griff zu bekommen. Jeder zweite Schlaganfall oder Herzinfarkt könnte dadurch vermieden werden.“, so Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Davon ist man derzeit noch weit entfernt. „Derzeit findet Telemedizin nur innerhalb von Modellprojekten, aber nicht im realen Praxisalltag in der Regelversorgung und ohne angemessene Honorierung statt – im Zeitalter der digitalen Technologie ein Unding, hier besteht ein dringender Nachholbedarf!“

 

Literatur
[1] Levine DM et al. Association of Structured Virtual Visits for Hypertension Follow-Up in Primary Care with Blood Pressure Control and Use of Clinical Services. J Gen Intern Med. 2018 Apr 23. [Epub ahead of print]

 

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