Probleme bei der Indikation und Durchführung
Für die Frage, ob und in welchem Ausmass Hypertonie vorliegt, ist ein „alltagsnahes Blutdruckprofil” wichtig. Daher soll die Messung unter repräsentativen Bedingungen erfolgen, d. h. bei berufstätigen Patienten zumeist an Werktagen. Messungen im Krankenhaus erlauben meistens keine zuverlässigen Rückschlüsse auf den Blutdruck unter ambulanten Alltagsbedingungen.
Hohe nächtliche Blutdruckwerte haben prognostische Relevanz, bei „Non-Dipping” ist das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Daher ist es wichtig, den Patienten zur Messung auch in der Nacht zu motivieren.
Keine geeignete Indikation zur ABDM ist die Diagnostik von Synkopen, weil durch die nur intermittierende Messung und durch die Dauer der Einzelmessungen akute schnelle Blutdruckabfälle nicht zuverlässig erfasst werden.
Wie bei jeder Blutdruckmessung ist eine dem Oberarmumfang angepassten Manschettenbreite bedeutsam. Zu schmale Manschetten ergeben falsch hohe Blutdruckwerte. Die Messintervalle sollten nicht zu lang sein, damit eine ausreichende Anzahl von Einzelmessungen zustande kommt und auch alle Stunden möglichst durch Messungen repräsentiert sind.
Die wichtigste Problemquelle sind Armbewegungen während des Messvorgangs. Grundsätzlich muss darauf hingewiesen werden, dass der Arm während der Messung ruhig gehalten wird. Deshalb sind Messungen in besonderen Situationen (z. B. Sport) kaum durchführbar. Ebenso sollte die Lage der Armmanschetten, die nicht auf der Haut fixiert sind, genau festgelegt und regelmässig vom Patienten überprüft werden. Es sollte ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass keine „Fremdmessungen” erlaubt sind, die dann bei der Auswertung dem Patienten zugeordnet würden.
Vor jeder ABDM sollte zuvor der Datenspeicher sicher gelöscht sein, sonst entstehen artefizielle 48h-Messungen (von 2 Patienten), aus denen die individuellen Daten nur sehr umständlich reproduziert werden können.
Auswertung
Die wichtigsten Seiten der ABDM-Auswertung sind die Rohdatengrafik und die statistische Berechnung. Hinzu kommt die numerische Dokumentation der Rohdaten, die Berechnung der Stundenmittelwerte und das Protokoll. Unplausible Messwerte (z. B. 135/125 mm Hg) werden von der Auswertesoftware bei der statistischen Berechnung unterdrückt und als Fehlmessung ausgewiesen. Wegen der Standardisierung der Auswertung ist es nicht zu empfehlen, die voreingestellten Algorithmen zur Erkennung solcher Fehlerwerte zu verändern.
Interpretation und Beurteilung
Die Graphik der Rohdaten gibt einen schnellen Überblick über die Vollständigkeit und Qualität der diagnostischen
Konsequenzen zur Ursachenabklärung (z. B. sekundäre Hypertonie, Schlafapnoe, diabetische 24h-Messung). Sie zeigt auch sofort, ob ein Tag-Nachtrhythmus des Blutdrucks vorliegt und erlaubt eine Einschätzung der absoluten Blutdruckhöhe. In dieser Rohdatengraphik weisen Lücken zwischen den Einzelmessungen auf Störungen (z. B. durch Bewegung, Ausschalten des Gerätes) hin. Wenn bei plötzlich stark erhöhten Blutdruck-Einzelwerten die Herzfrequenz gegenüber den umgebenden Herzfrequenzen unverändert ist, kann dies auf ein Artefakt der Blutdruckmessung hinweisen.
Die Durchschnittswerte des systolischen und diastolischen Blutdrucks sollten in der nächtlichen Schlafphase um mindestens 10 % unter die Tagesmittelwerte gesenkt sein, andernfalls ergeben sich ggf. Hinweise auf sekundäre Hypertonie, diabetische Neuropathie, Schlafapnoe.
Weil die Dauer der Schlafphase wesentlichen Einfluss auf die 24h-Mittelwerte des Blutdrucks hat, wird für die Frage der Hypertoniediagnose üblicherweise nur der Blutdruck am Tage in der Wachphase (z. B. 7-22 Uhr) herangezogen. Erhöht sind Tagesmittelwerte > 135/85 mm Hg (Abb. 1).
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Abb.1:
Tagesmittelwerte der ABDM und korrespondierende Blutdruckwerte der Standardblutdruckskala bei Sprechstundenmessungen. Tagesmittelwerte > 135/85 sind erhöht, sie entsprechen Standardblutdruckwerten > 140/90.
Baumgart P et al. (1990) Klin Wschr 68: 723–727 |
Peter Baumgart, Münster
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