Richtig Blutdruck messen

Professor Dr. med. Bernd Sanner

Die Blutdruck-Selbstmessung ist für Hypertoniker ein wichtiger Beitrag zur Behandlung ihrer Krankheit. Doch nur richtiges Messen bringt richtige Werte.

Die von den Betroffenen zu Hause selbst gemessenen Blutdruckwerte sind aussagekräftiger als Einzelmessungen beim Arzt. Deshalb ist heute die Selbstmessung der Hypertoniker ein wichtiger Beitrag für deren Behandlung. Mit automatischen Geräten ist die Selbstmessung einfach, trotzdem können fehlerhafte Messungen die Werte verfälschen.

Entspannt sitzen

Die Messung des Blutdrucks sollte nach fünf Minuten ruhigen Sitzens in ruhiger Umgebung und entspannter Sitzhaltung durchgeführt werden. Die Beine sollten nebeneinander stehen, bei übereinander geschlagenen Beinen steigt der Blutdruck durch die Anspannung der Muskulatur. Der Messpunkt am Arm sollte sich immer in Herzhöhe befinden. Liegt er tiefer, so ist der gemessene Wert zu hoch, bei einem höher liegenden Messpunkt ist er zu niedrig. Als Faustregel gilt: Je zehn Zentimeter unterhalb der Herzhöhe liegt der systolische (obere) Messwert etwa 8 mm Hg und der diastolische (untere) rund 6 mm Hg zu hoch. Außerdem sollten Sie den Blutdruck immer an dem Arm mit den höheren Blutdruckwerten messen. Welcher das ist, sagt Ihnen Ihr Arzt nach einer Kontrollmessung. Unterschiede bis zu 20 mm Hg gelten als normal. Es empfiehlt sich, den Blutdruck zweimal in Folge mit einer Pause von ein bis zwei Minuten zu messen. Meist liegt der Wert der zweiten Messung niedriger. Diesen sollten Sie notieren.

Die häufigsten Fehler

Falsche Manschetten
Sind die Manschetten zu schmal oder werden sie zu locker angelegt, so liegen die Messwerte zu hoch. Bei zu breiten Manschetten ergeben sich zu niedrige Werte. Wird die Manschette über der Kleidung angelegt oder ist der Oberarm durch enge Kleidung eingeengt, so sind die Messwerte unzuverlässig.

Falscher Messpunkt
Liegt der Messpunkt unterhalb der Herzhöhe, so sind die gemessenen Werte zu hoch. Liegt der Messpunkt oberhalb der Herzhöhe, sind die Werte zu niedrig.

Oberarm und Handgelenk

Bei der Messung des Blutdrucks am Oberarm ist die Manschette so anzulegen, dass sich der aufblasbare Teil an der Innenseite des Oberarms befindet. Der Verschluss sollte außen liegen, der Schlauch nach unten zur Hand zeigen. Die Manschette sollte zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge nicht zu stramm angelegt sein, so dass noch ein Finger leicht unter die verschlossene Manschette passt. Die Standardmanschette ist bis zu einem Umfang von 33 Zentimetern zugelassen. Bei größeren Umfängen des Oberarms sind größere Manschetten verfügbar. Ist die Manschette zu klein, so wird der Blutdruck zu hoch gemessen. Die Messung des Blutdrucks am Handgelenk erscheint einfacher, es können jedoch häufiger Fehler unterlaufen, da die Armhaltung stärker variieren kann. Das Anlegen des Geräts erfolgt entsprechend den Angaben des Herstellers. Unterschiede ergeben sich durch die unterschiedliche Konstruktion der im Gerät integrierten Manschetten. Neue Geräte beginnen erst dann die Messung, wenn der Messpunkt auf Herzhöhe liegt und die Armhaltung stimmt.

Das richtige Gerät finden

Jedes Blutdruckmessgerät, das zum Verkauf angeboten wird, ist geeicht. Trotzdem messen nicht alle den Blutdruck wirklich genau. Mehr Sicherheit haben Sie bei Geräten, die von der Deutschen Hochdruckliga überprüft und mit einem Prüfsiegel ausgezeichnet wurden. Lassen Sie dennoch das Gerät vor dem Kauf auf seine individuelle Messgenauigkeit überprüfen. Sie können zum Beispiel in der Apotheke eine Vergleichsmessung mit Hilfe eines Stethoskops durchführen lassen. Die unteren und oberen Werte beider Messmethoden sollten nicht mehr als 10 mm Hg auseinander liegen. Bei Herzrhythmusstörungen ist eine Blutdruckmessung schwierig, da sich die Höhe des Blutdrucks von Schlag zu Schlag verändert. Bei Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, sollten Sie den Blutdruck dreimal messen und aus den drei unteren Werten und den drei oberen Werten jeweils den Durchschnitt bilden. Einige Blutdruckmessgeräte zeigen Herzrhythmusstörungen an (Arrhythmieerkennung). Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, obwohl Ihnen bisher keine Rhythmusstörung bekannt ist, sollten Sie ihren Hausarzt informieren. Bitte tragen Sie Ihre regelmäßig gemessenen Werte von Blutdruck und Puls in einen Blutdruckpass ein und besprechen Sie diese regelmäßig mit Ihrem behandelnden Arzt. So erleichtern Sie ihm Diagnose und Behandlung. Regelmäßige Blutdruckselbstmessung und Besprechung der Werte führen zur besseren Blutdruckeinstellung.

10 Tipps zur richtigen Blutdruckmessung

  1. Lassen Sie sich das richtige Blutdruckmessen in einer Schulung zeigen.
  2. Messen Sie täglich Ihren Blutdruck.
  3. Messen Sie erst nach fünf Minuten Ruhe.
  4. Messen Sie am Arm mit dem höheren Blutdruck.
  5. Die Manschette muss passen.
  6. Der Messpunkt am Arm sollte sich in Herzhöhe befinden.
  7. Selbst gemessene Blutdruckwerte sollten unter 135 / 85 mm Hg liegen.
  8. Schreiben Sie Ihre Blutdruckwerte auf und vergleichen Sie diese regelmäßig.
  9. Stellen Sie anhand von Kontrollmessungen beim Hausarzt oder in der Apotheke sicher, dass Ihr Messgerät zuverlässige Werte liefert.
  10. Bei Herzrhythmusstörungen muss ein geeignetes Messgerät verwendet werden

Autor

Professor Dr. Bernd Sanner ist Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Kardiologie und Pneumologie sowie Hypertensiologe DHL®. Er ist Chefarzt der Medizinischen Klinik am Bethesda Krankenhaus in Wuppertal und Sprecher der Sektion Hochdruckdiagnostik der Deutschen Hochdruckliga.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03/2008. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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