MANAGEMENT HYPERTONIE| Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte |
5. Jahrgang 2005; Nr. 7 |
| Telemonitoring des Blutdrucks |
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| Bei zunehmender Verbreitung und Akzeptanz der Blutdruckselbstmessung bestehen weiterhin deutliche Limitationen bez. Datendokumentation und -auswertung. Trotz standardisiertem Blutdruckpass fanden so z. B. Illyés et al. bei 4.431 Patienten bei weniger als 50 % der Patienten eine so vollständige Dokumentation, dass daraus relevante diagnostische und therapeutische Schlussfolgerungen gezogen werden konnten8. Telemonitoring bietet Verbesserungsmöglichkeiten des Hypertoniemanagements. Bereits 1996 konnten Friedmann et al. in einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 267 Patienten mit arterieller Hypertonie, welche ihre selbstgemessenen Blutdruckdaten wöchentlich per Telefon an einen Sprachcomputer übermittelten, eine signifikante Reduktion des diastolischen Blutdrucks gegenüber einer Kontrollgruppe nachweisen. Diese Reduktion war besonders ausgeprägt bei zuvor als wenig „compliant” eingestuften Patienten2. Folgende Ansprüche sind heute an ein telemedizinisches Blutdruckselbstmesssystem zu stellen: 1. Klinisch validierte hohe Messgenauigkeit 2. Automatische Datenspeicherung von mindestens 250 – 300 Blutdruckdaten 3. Möglichkeit der statistischen Auswertung 4. Automatische, regelmäßige telemedizinische Übertragung der Daten auf eine Datenbank im medizinischen Kompetenzzentrum oder Online-Datenbank. Überwachung durch den Hausarzt und/oder ein medizinisches Kompetenzzentrum. Es werden derzeit im Wesentlichen drei Übertragungssysteme von verschiedenen Herstellern angeboten1. In einem System werden von einem Blutdruckselbstmessgerät mit integriertem Modem aufgezeichnete und gespeicherte Daten automatisch in definierten Zeitabständen (z. B. wöchentlich) über eine normale Telefonleitung an ein medizinisches Kompetenzzentrum weitergeleitet. In einem anderen System werden die Daten automatisch und drahtlos über einen sog. „Telefonhub” und dann via normale Telefonleitung an ein medizinisches Kompetenzzentrum übermittelt. In einem dritten System werden die Daten über Mobiltelefon auf eine Online-Datenbank übertragen. Einzelne Systeme sind u.a. auch mit elektronischen Waagen oder EKG (Herzinsuffizienzmonitoring) ausgestattet. Die Systeme bieten Vor- und Nachteile bezüglich Praktikabilität, Kosten und Zeitrahmen der Datenübermittlung, so dass derzeit kein System eindeutig favorisiert werden kann. Studien mit Telemonitoring Rogers et al. konnten in einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 121 Patienten mit einem Telemonitoring zeigen, dass in |
der Telemonitoring-Gruppe mittlerer (- 2,8 mm Hg/+ 1,3 mm Hg, p = 0,013), systolischer (- 4,9 mm Hg/+ 0,1 mm Hg, p = 0,047) und diastolischer (- 2,0 mm Hg/ + 2,1 mm Hg, p = 0,012) 24 h-Blutdruck signifikant gegenüber der Kontrollgruppe sanken, wobei der mittlere Beobachtungszeitraum bei lediglich 11 Wochen lag3. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Parati et al. in einer kontrollierten, randomisierten Studie mit 298 Patienten, die eine höhere Rate an Patienten mit normalisiertem 24 h-Blutdruck nach 6 Monaten in der telemedizinisch überwachten Gruppe als in der Kontrollgruppe fanden (56 % vs 51 %, p < 0,05)4. Als Ursache für die erfolgreichere Blutdrucksenkung in der Telemonitoring-Gruppe wird u. a. eine intensivierte Anpassung der antihypertensiven Medikation gegenüber der Kontrollgruppe gesehen. Rogers et al. konnten jedoch auch einen blutdrucksenkenden Effekt ohne Änderung der Medikation feststellen3. Diese Änderung ist am ehesten auf eine mutmaßliche erhöhte Medikamentencompliance zurückzuführen.
Port et al. konnten außerdem den Nutzen von Telemonitoring für ein Compliancemonitoring zeigen. So kam es in dieser Studie bei Patienten, die am Morgen ihre Blutdruckmedikation nicht einnahmen, zu einem signifikanten Anstieg des abendlichen Blutdrucks, während bei Medikamenteneinnahme am Morgen der Blutdruck abends konstant gesenkt blieb5.In einer eigenen Studie unter AT1-Antagonisten konnten wir zeigen, dass Telemonitoring in Anwendungsbeobachtungen praktikabel ist und objektive Blutdruckdaten zur systematischen Datenanalyse liefert. Außerdem war eine frühe Identifikation von "respondern" durch Telemonitoring möglich6. Ein weiteres Einsatzgebiet ist ein telemedizinisches Monitoring der Herzinsuffizienz, wo das tägliche Gewicht der Patienten telemedizinisch mit einer Personenwaage überwacht (Wasserstand), und Puls und Blutdruck u. a. zur Titration der Herzinsuffizienzmedikation überprüft werden. Cleland et al. konnten eine signifikante Reduktion der Mortalität und Hospitalisationsrate bei diesen Patienten nachweisen7.
Ob bei arterieller Hypertonie eine signifikante Reduktion von Mortalität, Hospitalisation und Kosten sowie eine dauerhafte Complianceverbesserung durch ein Telemonitoring erreicht werden kann, ist weiteren großen kontrollierten, randomisierten Studien vorbehalten. Unsicher ist ferner, welche Patienten von Telemonitoring profitieren würden.
Fabian Neikes/Thomas Mengden, Bonn |
| Literatur: 1. Mengden T, Vetter H, Tisler A, Illyés M (2001) Telemonitoring of home blood pressure. Blood Pressure Monit 6: 1-5 [Pubmed Abstract] 2. Friedman RH, Kazis LE, Jette A, Smith MB, Stollerman J, Torgerson J, Carey K (1996) A telecommunications system for monitoring and counseling patients with hypertension. Am J Hypertens 9: 285-292 [Abstract] 3. Rogers MAM, Small D, Buchan DA, Butch CA, Steward CM, Krenzer BE, Husovky HL (2001) Home monitoring service improves mean arterial pressure in patients with essential hypertension. Ann Intern Med 134: 1024-1032 [Full text] 4. Parati G, Omboni S, Piantoni L, Andolfo S et al. (2004) Telemonitoring of home blood pressure improves blood pressure control in hypertension (abstract). J Hypertens 22 (supp2): S 137 5. Port K, Palm K, Viigimaa M (2003) Self reported compliance of patients recieving antihypertensive treatment: use of a telemonitoring home care system. J Telemed Telecare 9 Suppl 1: S65-6 [Full text] 6. Mengden T, Ewald S. Kaufmann S, Esche vor dem J, Uen S, Vetter H (2004) Telemonitoring of blood pressure self measurement in the OLMETEL study. Blood Press Monit 9(6): 321-5 [Abstract] 7. Cleland JG, Louis AA, Balk A, Jansens U (2002) Trans-European-Network initiative homecare management (TEN-HMS) study. European Society of Cardiology hotline session 8. Mengden T, Ün S, Tisler A, Düsing R, Vetter H, Illyés M (2001) Die virtuelle Hypertonieklinik-Telemedizin im Management der arteriellen Hypertonie. Dtsch Med Wochenschr 126: 1335-1341 [Abstract] |
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