Kongress 2011 erfolgreich beendet02.12.2011 | Deutsche Hochdruckliga e.V. [+]
1.200 Wissenschaftler und Ärzte trafen sich vom 24. bis 26. November 2011 in Köln zur Jahrestagung der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Außerdem besuchten am 26. November mehr als 100 Teilnehmer das Arzt-Patienten-Forum.
Der diesjährige Themenschwerpunkt des Hochdruckliga-Kongresses befasste sich mit einer Reihe von aktuellen Themenschwerpunkten. Besonders im Fokus standen sehr frühe Veränderungen an kleinen und großen Gefäßen unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Lebensstilfaktoren. Dieser Prozess des frühen vaskulären Alterns ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen gerückt. Das frühe vaskuläre Altern, bedingt beispielsweise durch Bluthochdruck, Diabetes oder auch Zigarettenrauchen, lässt sich heute mit verschiedenen Verfahren messen. Hierzu gehören unter anderem:
- Messung der Gefäßelastizität durch verschiedene unblutige Verfahren
- Ultraschalluntersuchung der Gefäße
- Untersuchungen des Augenhintergrunds zur Erfassung von Gefäßveränderungen der sehr kleinen Augengefäße („talking eye“-Verfahren).
Besser als mit den konventionellen, klassischen Risikofaktoren lassen sich mit den oben genannte Verfahren schon sehr früh auch geringste Gefäßschädigungen erfassen. Es besteht dann schon sehr viel früher die Möglichkeit, durch eine gezielte Therapie diese Gefäßalterung aufzuhalten. Hierzu gehören insbesondere Änderungen im Lebensstil durch vermehrte körperliche Aktivität, Nikotinverzicht, kochsalzarme Kost und eine gesunde, mediterrane Ernährung. In den Fällen, in denen die Risikofaktoren wie eine Hypertonie oder ein zu hoher Cholesterinspiegel durch Lebensstiländerungen nicht ausreichend therapiert werden können, müssen zusätzliche medikamentöse Maßnahmen eingesetzt werden wie Blutdrucksenker, Blutfettsenker oder Blutzuckersenker.
Ein neues korrespondierendes Mitglied
Ein Höhepunkt des Kongresses war die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Deutschen Hochdruckliga an Professor Dr. Peter Sleight aus Oxford in Großbritannien. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Professor Sleight auf Seite 18 in diesem DRUCKPUNKT. Professor Sleight wurde für seine überragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung ausgezeichnet. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte die Erforschung der Bedeutung des zentralen Nervensystems für die Hypertonieentstehung, die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung sowie in den letzten Jahren die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Musik und Herz-Kreislauf-Funktionen. Auf den Einfluss von Musik auf den Blutdruck ging er auch in seinem Festvortrag ein. Darin stellte er auf höchst illustre Weise dar, wie langsame Stücke, zum Beispiel Arien von Verdi und Ave Maria, die Atmung und damit auch den Blutdruck beruhigen. Dagegen haben hohe Tempi wie Beethovens 9. und Queens Bohemian Rhapsody einen blutdrucksteigernden Effekt.Der Sportmediziner Professor Dr. Wildor Hollmann, Gründer des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln, beschäftigte sich in seinem Festvortrag mit den Interaktionen von Herz und Gehirn. Hierbei standen insbesondere auch präventionsmedizinische Aspekte im Vordergrund. Dem neuen Namen der Gesellschaft wurde mit diesem Vortrag und vielen anderen Beiträgen aus dem Bereich Prävention noch einmal Rechnung getragen.
Arzt-Patienten-Forum
Das Arzt-Patienten-Forum moderierte Anke Feller, ehemalige deutsche Leichtathletin und Fernsehmoderatorin. Die mehr als 100 Besucher des Forums wurden über folgende Themen informiert:
- Nicht-medikamentöse und medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks: Zwei Seiten einer Medaille. Vortrag von Professor Dr. med. Hans-Georg Predel.
- Prävention – eine lebenslange Herausforderung. Vortrag von Professor Dr. med. Wildor Hollmann.
- Wie tief darf der Blutdruck gesenkt werden? Vortrag von Professor Dr. med. Thomas Mengden.
In den Vorträgen wurde erläutert, dass chronischer Bluthochdruck mit einem systolischen Wert über 140 mm Hg und einem diastolischen Wert über 90 mm Hg für Menschen unter 80 Jahren in jedem Fall therapiepflichtig ist. Zu den Therapiemöglichkeiten bei chronisch erhöhtem Blutdruck zählen nicht-medikamentöse Maßnahmen wie beispielsweise Stressabbau, salzarme Ernährung oder kontinuierliche vielfältige körperliche und sportliche Aktivitäten sowie medikamentöse Maßnahmen mit verschiedenen Wirkstoffen. Welche der Maßnahmen im Einzelfall geeignet sind, muss der behandelnde Arzt nach Abwägung aller Risikofaktoren entscheiden.
Verunsicherung durch Medien
Gerade im Zusammenhang mit medikamentösen Maßnahmen zur Blutdrucksenkung sind jedoch viele Patienten in jüngerer Vergangenheit verunsichert worden, weil verschiedene Veröffentlichungen ein erhöhtes Herzinfarktrisiko mit zu starker Blutdruckabsenkung in Verbindung brachten. „Solche Aussagen verunsichern die Patienten und müssen klar und deutlich relativiert werden“, stellt der Bluthochdruck-Experte Mengden klar. Der Hintergrund solcher Publikationen sei, dass in einer nachträglichen Analyse einer großen Studie bei Patienten mit Herzkranzgefäßverengung (KHK) und sehr niedrigem diastolischem Blutdruck (unter 70 mm Hg diastolisch) vermehrt Herzinfarkte beobachtet worden seien. Allerdings könne die Schlussfolgerung, wonach eine medikamentöse Blutdrucksenkung ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bedeute, so nicht stehen bleiben, machte Mengden deutlich. Ein sehr niedriger diastolischer Ausgangswert deute vielmehr darauf hin, dass etwas mit dem Gefäßsystem oder mit der Herzleistung nicht in Ordnung sei. Ursachen hierfür könnten ein verkalktes und versteiftes Gefäßsystem, schwere Herzmuskelschwäche oder andere schwere Erkrankungen wie Krebsleiden sein. Allerdings sei auch insbesondere die Altershypertonie durch hohe systolische und niedrige diastolische Werte gekennzeichnet. „Bei älteren Menschen ist eine Systole von 160 bei gleichzeitiger Diastole von 70 keine Seltenheit. Dies stellt nach wie vor eine klare Indikation für eine blutdrucksenkende Therapie dar, um Schlaganfall und Herzversagen vorzubeugen“, erläutert Mengden abschließend.
Wissenschaftlicher Austausch
Der wissenschaftliche Kongress in Köln bot eine ausgezeichnete Bühne für anregenden wissenschaftlichen Austausch. Gerade die Möglichkeit, sich mit Experten aus den verschiedensten Fachrichtungen über das Themenfeld Hypertonie und Prävention persönlich austauschen zu können, sollte sowohl der Forschung als auch der weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität von Patienten mit Bluthochdruck weiteren Auftrieb verleihen. Deshalb sehen wir dem nächsten Kongress in Berlin 2012 mit Spannung entgegen.
Bilder zum Kongress finden Sie in der Fotogalerie.
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