Mit Wasser Blutdruck senken

Kirsten Mathiske-Schmidt

Hydrotherapie kann den Blutdruck senken: Regelmäßige Wasseranwendungen tragen zur sinnvollen Ergänzung der Blutdrucktherapie bei.

Ein nahezu ganzheitliches Therapiekonzept wurde bereits im 19. Jahrhundert von Pfarrer Sebastian Kneipp aus Bad Wörishofen entwickelt. Seine Therapie basiert auf fünf Säulen (siehe Kasten): Neben der bekannten Wassertherapie gibt es eine Ernährungstherapie, außerdem eine Bewegungstherapie, die Behandlung mit Mitteln der Pflanzenheilkunde und eine Therapie zur Stressreduzierung. Alle Anwendungen regen die Selbstheilungskräfte an und tragen zusätzlich zur Regenerierung, Vitalisierung und Immunstärkung des Körpers bei. Dieses Konzept hat keineswegs an Aktualität verloren.

Hydrotherapie

Die Hydrotherapie ist die bekannteste der Kneipp’schen Anwendungen. Sie umfasst Therapien durch äußere Anwendungen mit Wasser, zum Beispiel in Form von Waschungen, Bädern, Güssen oder Wickeln. Schon in den ältesten Kulturen war die Heilkraft von Wasser bekannt, davon zeugen unter anderem die römischen Thermalbäder. Heute sind Hydrotherapien ein anerkannter Teil der Schulmedizin. Sie finden in allen Bereichen Anwendung und können vielfach auch zu Hause durchgeführt werden. Die Hydrotherapie wirkt wie eine Reiztherapie, die den Organismus umstimmen kann. Dabei spielt die Wassertemperatur eine wichtige Rolle. Als Faustregel gilt: Warmes Wasser entkrampft und entspannt, kaltes Wasser regt an, wechselnde Temperaturen bringen den Kreislauf in Schwung, machen mobil und härten ab. Je nach Temperatur werden die Blutgefäße enger oder weiter. Lokale Kältemaßnahmen beruhigen und verlangsamen die Herztätigkeit, allgemeine Wärmeeinwirkungen erhöhen Schlagzahl und Volumen des Herzens, milde warme Bäder wirken blutdrucksenkend und heiße Bäder blutdrucksteigernd. Bei Bluthochdruck-Erkrankten ist eine Gewöhnungsphase an die hydrotherapeutischen Reize unabdingbar. Mit Waschungen und Güssen wird der Betroffene vorsichtig auf die Temperaturen vorbereitet. Güsse werden an einem Körperteil durchgeführt wie zum Beispiel Gesichtsguss, Armguss oder Knieguss. Dabei wird das Wasser immer von der Herzferne in die Herznähe geführt, meistens zu Beginn als wechselwarme Güsse, später als kalte Güsse. Bürstungen wirken darüber hinaus stabilisierend auf das vegetative Nervensystem, das unwillkürliche Körperfunktionen steuert wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Verdauung.

Kneippkur

Pfarrer Sebastian Kneipp entwickelte im 19. Jahrhundert eine ganzheitliche Therapie für die Behandlung von kranken Menschen und zur Krankheitsvorbeugung. Seine Kur ruht auf fünf Säulen:

  1. Hydrotherapie Insgesamt 120 Varianten der Behandlung mit kaltem und warmem Wasser in Verbindung mit Wärme steigern die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers.
  2. Ernährungstherapie Kneipp empfiehlt eine vollwertige Ernährung mit naturbelassenen, fettarmen Lebensmitteln. Dazu gehört vor allem reichlich Obst und Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Milch und Milchprodukten. Fett und Zucker sind reduziert, Kaffee, Alkohol und Zigaretten möglichst ganz gestrichen.
  3. Bewegungstherapie Für reichlich Bewegung sollte gesorgt sein, vor allem durch Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern und Radfahren. Kneipp empfahl einen harmonischen Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Bewegung.
  4. Phytotherapie Kneipp empfiehlt die Mittel der klassischen Pflanzenheilkunde als Tee, Badezusatz, Säfte oder Tabletten zum Beispiel zur Beruhigung oder zur Bekämpfung von Verstopfung oder Depressionen.
  5. Ordnungstherapie Kneipp hat bereits die negativen Auswirkungen von Stress und psychischen Problemen auf die Gesundheit erkannt. Er empfiehlt zur Vorbeugung einen regelmäßigen Tagesablauf, Entspannungstechniken und psychologische Gespräche.

Vorsicht bei Kälte

Extreme Kälteanwendungen müssen jedoch vermieden werden, denn großflächige Kältereize wie Schwimmen im kalten Wasser, kalte Güsse oder eine kalte Dusche nach körperlicher Anstrengung oder einem Saunabesuch können den Blutdruck in die Höhe treiben. Dagegen wirken sich regelmäßige morgendliche Wechselduschen, ansteigende Armbäder oder ansteigende Fußbäder am Abend positiv auf mäßig erhöhten Blutdruck aus. Das ansteigende Armbad ist eine ebenso sanfte wie wirkungsvolle Methode, den Blutdruck zu senken und das Herz zu entlasten. Hierfür wird eine Armbadewanne oder ein Waschbecken mit etwa 33 Grad warmem Wasser gefüllt und beide Arme darin gebadet. Langsam wird nun wärmeres Wasser zugeführt, bis die Temperatur innerhalb von 15 bis 20 Minuten auf 39 Grad steigt. Mit Wasseranwendungen können Blutgefäße reguliert und trainiert werden. So erweitern sich die Gefäße in Arm, Kopf und Brust, dadurch wird der Kreislauf entlastet und die Durchblutung des Herzens verbessert. Äußere Wasseranwendungen schaffen zudem körperlichen und seelischen Ausgleich. Bei den Anwendungen kann das Wasser pur oder mit Zusatz genutzt werden. Diese Zusätze können natürlicher Art sein wie beim Meerwasserbad oder Solebad, sie können aber auch nachträglich zugegeben werden. Wer gerne badet und unter mäßig erhöhtem Blutdruck leidet, kann versuchen, seinen Blutdruck mit Kohlensäurebädern zu regulieren. Kohlensäure ist als Badezusatz in der Apotheke erhältlich und wird in etwa 30 Grad warmes Wasser gegeben. Das Bad sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Empfehlenswerte Anwendungen bei Bluthochdruck

  • Bürstungen 
  • wechselwarme Waschungen
  • wechselwarme Güsse
  • Vollbad
  • Sauna, ohne kaltes Tauchbad

Beachten Sie bitte:
Nicht zu lange heiß baden, da dies das Herz belastet. Ist der Blutdruck stark erhöht und sehr schwankend, sollten Sie auf Saunabesuche verzichten.

Autorin

Kirsten Mathiske-Schmidt ist Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité-Universitätsmedizin.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 03/2008. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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