Deutschland: Bluthochdruck nach wie vor häufig

PD Dr. med. Hannelore Neuhauser

Das Robert-Koch-Institut in Berlin erhob 1998 bundesweit repräsentative Daten zur Hypertonie in Deutschland. Die Zahl der Hypertoniker war erschreckend hoch. Neueste weltweite Daten lassen vermuten, dass zwischen 2000 und 2008 der durchschnittliche Blutdruck in Deutschland gesunken ist. Eine neue Untersuchung des Robert-Koch-Instituts soll Klarheit bringen.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts von 1998 ergab, dass rund 51 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen in Deutschland an Hypertonie erkrankt sind. Im Durchschnitt haben 47 Prozent der Deutschen einen zu hohen Blutdruck, in der Altersgruppe der 35- bis 64-jährigen sogar 55 Prozent. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland damit schlecht ab: In Nordamerika sind in der Altersgruppe der 35- bis 64-jährigen 28 Prozent betroffen und in Europa 44 Prozent. Auch was Bekanntheitsgrad und Behandlung der Hypertonie betrifft, können die Deutschen nicht punkten: Von den Betroffenen wissen nur knapp die Hälfte von ihrer Erkrankung, knapp 40 Prozent werden behandelt und von diesen erreicht nur ein Viertel gute Werte (siehe Tabelle).

Bessere Ergebnisse erhofft

Es ist zu hoffen, dass sich diese für Europa und vor allem für Deutschland unbefriedigenden Ergebnisse in der Zwischenzeit verbessert haben. Das lassen Hochrechnungen einer internationalen Forschergruppe vermuten, die in der Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlich wurden (Global Burden of Disease Study 1980-2008, veröffentlicht online 4. Februar 2011). Diese basieren auf internationalen Daten zur Hypertonie, erhoben in den vergangenen dreißig Jahren in 199 Ländern. In den Hochrechnungen kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass der durchschnittliche Blutdruck in Deutschland zwischen 1980 und 2008 kontinuierlich abgenommen hat. Deutschland bleibt jedoch im obersten Drittel der westeuropäischen Länder.

Eine genaue Bestandsaufnahme und Analyse des Handlungsbedarfs und Präventionspotenzials lässt sich allerdings nur mit aktuellen repräsentativen Daten durchführen. Diese Daten liefert in Deutschland das Robert-Koch-Institut. Es führt repräsentative Untersuchungen durch sowohl bei der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands als auch bei Kindern und Jugendlichen.

Ab 2012 werden neue Ergebnisse aus der DEGS (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) vorliegen, mit der das Robert Koch-Institut die Untersuchungen von 1998 fortsetzt. Etwa 7.500 ehemalige Teilnehmer des BGS98 (Bundes-Gesundheitssurvey 1998) und neue Probanden werden dabei an 180 Studienorten untersucht. In Fragebögen werden neben soziodemographischen Angaben wie Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund auch Lebensstilfaktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität und Rauchen erfragt. Blut- und Urinuntersuchungen geben außerdem Auskunft zu Begleit- und Folgeerkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselund Nierenfunktionsstörungen. Mit diesen Daten wird es möglich sein, die Verteilung von Bluthochdruck in Deutschland in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen, zeitliche Trends zu bestimmen und internationale Vergleiche durchzuführen. Eine Gegenüberstellung der Blutdruckmesswerte mit den Angaben zu Arztdiagnosen und zur Medikamenteneinnahme wird Aussagen erlauben zum Bekanntheits-, Behandlungs- und Kontrolliertheitsgrad von Bluthochdruck. Das sind wichtige Eckdaten für die Einschätzung der Versorgungssituation.

Aktuelle Daten zu Kindern

Aktuelle Erkenntnisse zur Verbreitung der Hypertonie in Deutschland liegen für Kinder und Jugendliche bereits vor. Sie wurden von 2003 bis 2006 im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) ermittelt. Es zeigte sich, dass bereits die Hälfte der 14- bis 17-jährigen Jungen und ein Viertel der 14- bis 17-jährigen Mädchen die Erwachsenengrenzwerte für einen nicht optimalen Blutdruck von 120 / 80 mm Hg überschreiten. Die Erwachsenengrenzwerte für eine Hypertonie werden von 6 Prozent der Jungen und 1,4 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe überschritten. Genauere Daten und Vergleichswerte (Percentile) zur Beurteilung des Blutdrucks bei Kindern und Jugendlichen basierend auf KiGGS-Daten werden in Kürze in der Zeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht.

Autorin

PD Dr. med. Hannelore Neuhauser, Master of Public Health (MPH), arbeitet in der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

Dieser Beitrag erschien im DRUCKPUNKT – Zeitschrift für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen – Ausgabe 01/2011. Sie können die Ausgabe hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen oder als gedrucktes Heft in unserem Online-Shop erwerben.

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